Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

"Ohne uns würde manches wohl verpuffen"

Übersicht

Rund 6000 Heilbronner Jugendliche dürfen im Januar 20 neue Jugendgemeinderäte wählen. Bis 8. November, läuft die Kandidatensuche. Ratsvorsitzende Melanie Puglia (18) berichtet im Stimme-Gespräch, was die Nachwuchspolitiker beschäftigt, was sie bewegen und wie sie das tun. 

Warum braucht man eigentlich einen Jugendgemeinderat (JGR)?

Melanie Puglia: Damit in der Kommunalpolitik junge Leute mitmachen, die sich für die Interessen Gleichaltriger einsetzen. Wir sind da näher dran als Erwachsene. Wir sprechen die Sprache der Jugendlichen, sind aber auch ihr Sprachrohr, nehmen ihre Ideen und Wünsche auf, bringen sie in die Politik ein und helfen, sie umzusetzen. Ohne uns würde so manches wohl verpuffen. 

Habt Ihr tatsächlich im Rathaus was zu sagen oder hat euer Gremium nur Alibifunktion?

Puglia: Wir dürfen tatsächlich mitreden und werden gehört. Im Gemeinderat dürfen wir an manchen Sitzungen teilnehmen, wir sind auch in Beiräten vertreten und stellen Anträge, die auch immer beantwortet werden. Man nimmt uns ernst, das Rathaus unterstützt uns auch mit der Geschäftsstelle des Gemeinderates, namentlich mit Carolin Haug, die für uns aufs Formale achtet und auch sonst hilft. 

Ihr kooperiert ja auch sonst mit anderen Gruppen oder Verbänden.

Puglia: Ja genau. Zum Beispiel mit der Diakonie, die uns beim Flüchtlingspatenschaftprojekt Welcome unterstützt. Wir laden da junge Flüchtlinge zu Freizeitaktivitäten ein, damit sie sich bei uns wohlfühlen können und sich integrieren. 

Die Namen der Mitglieder des Jugendgemeinderates lassen darauf schließen, dass die meisten Eltern aus dem Ausland stammen.

Puglia: Das ist der Spiegel der Heilbronner Gesellschaft, wo tatsächlich zwei Drittel der Menschen unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund haben. Meine Wurzeln zum Beispiel liegen in Italien, genauer in Apulien. Kann schon sein, dass manche sogenannten Ausländer sich besonders einbringen wollen, um zu zeigen: Wir gehören dazu. So wirkt der JGR auch als Integrationsmotor. So etwas wie Ausländerfeinde gibt es bei uns jedenfalls nicht. 

Was ist Euer größter Erfolg?

Puglia: Ich könnte jetzt etliche Projekte nennen: von den Basketballfeldern übers politische Speeddating bis zu den Nachtbussen. Der größte Erfolg für mich ist aber, dass sich so viele trotz Stress in der Schule oder auch sonst im JGR engagieren und mitreden dürfen bis hin zur Buga und zur Stadtentwicklung. Schon die Tatsache, dass es in Heilbronn so ein Gremium gibt, ist ein Erfolg, vielerorts ist es eingeschlafen oder kam gar nicht zustande. 

Warum ist eigentlich der alte Wunschtraum, eine Event-Halle für junge Leute, nicht in Erfüllung gegangen? An der Hafenstraße schien man ganz nah dran zu sein.

Puglia: Das Projekt an der Hafenstraße war am Ende nicht mehr das, was wir wollten. Wir wünschten uns Räumlichkeiten, die Jugendliche günstig nutzen können und wo die Preise nicht zu hoch sind. Das war bei dem kommerziellen Vorhaben an der Hafenstraße nicht der Fall, zudem ist die Halle dort zu groß. Der OB hat uns eine Liste von etlichen öffentlichen Räumen genannt, die wir anmieten könnten. 

Was war Ihre größte Niederlage?

Puglia: Da fällt mit jetzt nichts ein. 

Aber es hakt doch auch manchmal?

Puglia: Wenn etwas mal nicht gleich umgesetzt wird, sage ich: dranbleiben, Argumente sammeln und dem nächsten JGR mitgeben. Schade fand ich, dass manche Räte ihr Wahlamt nicht ernst genommen haben, drei bis vier mussten wir deshalb entlassen. Aber wir haben lauter gute Nachrücker gefunden. 

Die meisten von Euch sind Schüler. Kriegt man das auf die Reihe?

Puglia: Wenn man will, geht das. Ich mache zum Beispiel jetzt mein Abi und leite gleichzeitig den JGR. Wenn man sich entsprechend organisiert, ist das kein Problem. Im Gegenteil: Der JGR macht Spaß, man lernt neue Leute kennen, lernt viel dazu, bekommt Einblicke in ganz neue Bereiche, in die Politik, man lernt selbstständig zu arbeiten und wird auch selbstbewusster. Der JGR ist eine Art Schule fürs Leben

Ist er ein Sprungbrett in die große oder zumindest in die lokale Politik?

Puglia: Dafür gibt es keinen Automatismus, aber man bekommt schon mit, wie Politik funktioniert. Manche unserer Vorgänger haben sich tatsächlich Parteien angeschlossen, manche kamen sogar auf Parteilisten zum Gemeinderat. 

Angenommen, Sie hätten als JGR-Vorsitzende einen Wunsch frei ...

Puglia: Dann würde ich mir wünschen, dass es noch mehr Jugendlichen bewusst wird, wie wichtig ein JGR ist und was man hier alles bewegen kann. Wer hier nicht mitmacht, verspielt eine Chance

 

 

Galerien

Regionale Events