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6000 Jugendliche haben die Wahl

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"Stillarbeitsraum der Oberstufe" steht auf einem Schild im Untergeschoss des Mönchsee-Gymnasiums (MSG). Die Elftklässler Felix Hohenadel, Zehra Caglar, Melanie Aydin und Jonas Baumgärtner sitzen dort um 9 Uhr gespannt beieinander - und es ist tatsächlich ziemlich ruhig. Doch als um 9.20 Uhr der Schulgong die große Pause einläutet, strömen plötzlich aus allen Richtungen Schüler die Treppe hinunter. Ruckzuck ist der Raum voll, auf dem Gang bildet sich eine lange Schlange: Die Jugendgemeinderatswahl 2018 kann beginnen.

Wahlvorstand hilft 

Fast 6000 junge Leute dürfen diese Woche an 29 Schulen im Stadtkreis bestimmen, wer sie in den nächsten zwei Jahren im JGR vertritt. 43 Kandidaten haben sich für die 20 Sitze aufstellen lassen. Plakate machen seit Tagen auf die Wahl aufmerksam. Bei Unklarheiten übers Procedere hilft der jeweilige Wahlvorstand gerne weiter. Am MSG genau so wie am benachbarten Theodor-Heuss-Gymnasium.

Emilija Zaremba, Angela Lübken und Emilia Papadakin sitzen im Zimmer der Schülermitverantwortung (SMV) des THG, das kurzerhand zum Wahllokal umfunktioniert wurde: mit richtiger Wahlkabine und echter Wahlurne, gestellt vom Rathaus. Am Vorstandstisch liegen ein Merkblatt mit den Wahlmodalitäten, ein Stapel orangefarbener Zettel mit den Namen der Kandidaten und die Liste der Wahlberechtigten. "Wer zur Wahl will, muss mindestens 14 sein oder das 8. Schuljahr besuchen", weiß Emilija. Den Ausweis muss man nicht zeigen. "Bei uns reicht die Gesichtskontrolle, man kennt sich", weiß SMV-Lehrer Michael Tossenberger.

Mindestalter: 14 Jahre

Nele, Emma, Angelina und Katharina sind mit ihren elf und zwölf Jahren zu jung. Andere Schüler wohnen im Landkreis und dürfen deshalb kein Kreuzchen machen. Manche, wie Désirée und Helen, jeweils 14, wurden von der Wahl etwas überrascht und lassen sich noch Zeit.

Einen Schritt weiter ist Leonie Antonino (14), die auf die Fritz-Ulrich-Schule geht, und dort vor allem eigenen Mitschülern die maximale Stimmenzahl (drei) schenkt. "Die vertreten schließlich unsere Interessen." MSG-Schülerin Marie Schürlein (15) findet es einfach "toll, dass die Jugend mitreden kann". Ähnlich denken Justus Hirsch (16) und Paul Stegmüller (16), der vom Wahlvorstand per Handschlag begrüßt wird: weil er Geburtstag hat. Johannes Mosthaf spricht von einer "guten Hinführung zur großen Politik" und könnte sich vorstellen, später in eine Partei einzutreten.

Politische Forderungen

Hie und da werden bereits Forderungen diskutiert: "Die Digitalisierung unserer Schule ist überfällig, die Infrastruktur umweht ein antiker Hauch", betont Felix Hohenadel im Stile eines Polit-Profis. Andere beklagen, dass es in der Turnhalle tropft, dass Busse zu spät kommen, Nachtbusse fehlen und es in der City zu wenige WLAN-Hotspots gibt.

Für Gesprächsstoff sorgt auch dies: Die Zahl der Kandidaten lag 2014 bei 61, 2016 bei 53 und nun bei nur noch 43, manche sind sogar nachträglich abgesprungen. "Ich denke, das ist ein Zeitproblem, viele machen nebenher noch Sport oder Musik und sind in der Schule sowieso stark eingespannt", weiß SMV-Lehrer Trossenberger, gerade wenn´s aufs Abi zugeht. Gemeinschaftskundelehrerin Susan Wernthal sieht es ähnlich. Gleichzeitig weiß sie, dass solche Gremien nicht überall so gut funktionieren wie in Heilbronn. Mehr noch: "Demokratieverständnis ist heute leider keine Selbstverständlichkeit." Um so wichtiger sei es, junge Menschen darauf hinzuführen: im Unterricht oder eben bei Wahlen wie diesen.

 

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