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Leistungssport im Musical-Gewand

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Mit schnellen Schritten eilt Hanspeter Friede in die Umkleidekabine der Kocherwaldhalle von Bad Friedrichshall. Gerade noch hat er in zivil die vollbesetzten Zuschauerränge zum neuen Musical auf Rollen des Rad- und Rollschuhvereins (RRV) begrüßt, jetzt muss er in acht Minuten zu Belles Vater Maurice werden. Gleich drei Frauen ziehen ihm Kostüm, Perücke und Rollschuhe an, lassen sein Gesicht mit Schminke altern und kleben den Kinnbart fest. In der Halle dreht währenddessen Sarah Seyfer als gute Fee ihre Pirouetten. Dann beginnt auch für den Vereinsvorsitzenden die Aufführung von "Die Schöne und das Biest."

Es ist bereits die achte Produktion des Vereins und die bisher teuerste, wie Regisseurin Rita Friede verrät. Seit September hat sie mit einzelnen Gruppen teilweise täglich trainiert, während gleichzeitig die Produktion der Kulissen und hochwertigen Kostüme für die 110 Darsteller auf Hochtouren lief. "Ich habe den Anspruch, dass es perfekt aussieht, weil sich alle so viel Mühe geben", erklärt Rita Friede.

 

Dorfbewohner


Allein für die mit vielen Details aufwendig gestalteten Kostüme der verzauberten Schlossangestellten hat Corinna Rienhardt jeweils eine Woche gebraucht. Weitere fleißige Näherinnen haben die tanzenden Bücher, Schmetterlinge, Eulen, Dorfbewohner und mehr für die Gruppenszenen geschaffen. Einfach ein entzückender Augenschmaus.

Auch jetzt wirbeln 18 Frauen hinter den Kulissen und kümmern sich um die Darsteller. Vor allem die Kleinsten ab drei Jahren brauchen viel Hilfe beim Anziehen und Knoten binden an den Rollschuhen, bevor sie mit stolz geschwellter Brust in die Halle rollen und zeigen, was auch sie bereits können. Es ist diese Mischung aus Hochleistungssport wie von einem der besten deutschen Paare Natalie Dill und Patrick Friede, die ihre Kür mit Höchstschwierigkeiten spicken, und den niedlichen, nicht immer ganz treffsicheren Auftritten des Nachwuchses, die die Aufführung zu etwas Besonderem macht und jedem Darsteller tosenden Applaus zukommen lässt. 

Dafür verzichten viele Familien auf einen Weihnachtsurlaub, lassen das Skifahren auch über Neujahr ausfallen, denn eine Zweitbesetzung gibt es nicht. "Es macht einfach Spaß", erklärt Alina (10), während ihre Haare vom Geist zur Fee umgestylt werden und sie genüsslich eine Bratwurst verspeist. Nur zum Finale, da wird es richtig hektisch, verraten Juliane und Sophia. "Da müssen wir ganz schnell unsere Overboots wechseln und andere Perücken aufziehen", erzählen die Zehnjährigen.

 

Massenszenen


Nicht erst beim großen Finale beeindrucken die durch-choreographierten Massenszenen über die gesamte Hallenbreite mit bis zu 60 Läufern auf einmal, bei denen sich keiner in die Quere kommt. Eine Handvoll junger Männer fällt ins Auge, weil sie keine Rollschuhe, sondern Inlineskates tragen. Sie spielen eigentlich Inline Hockey. Christoph Traub ist zum zweiten Mal beim Musical dabei. "Es ist einfach schön, über einen so langen Zeitraum etwas aufzubauen und dann den Erfolg zu sehen", findet er. Erstmals müssen sie dieses Jahr sogar mit Hebefiguren ran, aber alles klappt. "Ganz ehrlich, ich bin noch nie auf Rollschuhen gestanden", erzählt er grinsend.

Dann rollen sie noch einmal alle in die Halle, zeigen ihr Können mit Anmut und Witz und ernten dafür den wohlverdienten tosenden Applaus der Zuschauer.


 

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