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Felix, der Überglückliche

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Nudeln. Sportlernahrung. Das kann Felix Loch kochen. Hat zumindest seine Freundin Lisa Ressle kürzlich erzählt. Ob es gestern Abend wieder Nudeln gegeben hat im Hause Loch/Ressle? Wohl nicht.

Goldmedaillengewinner müssen nicht kochen, zumindest nicht am Abend ihres großen Triumphes. Dort werden sie bekocht, im Deutschen Haus in den Bergen rund um Krasnaja Poljana. Der Treffpunkt für die Helden und ihre Bewunderer.
 

Pure Emotionen

Als alles geschafft war, das erste Gold für Deutschland in Sotschi eingetütet, die Siegerzeremonie beendet, rannte Loch zu Lisa Ressle. Er sprang ihr in die Arme, küsste sie und schenkte ihr die gerade erhaltenen Blumen. Emotionen pur. "Es ist einfach nur der Hammer", sagte Loch, "das muss ich alles noch verarbeiten." Um Punkt 22 Uhr Ortszeit schossen die Russen ein imposantes Feuerwerk in den Himmel, kurz bevor Lochs vierter Lauf anstand. Eine verfrühte Ehrerbietung oder ein Versuch, den Deutschen abzulenken? Keines von beidem, das Feuerwerk gibt es jeden Abend um diese Uhrzeit. Und irritiert hat es Loch sowieso nicht.

Loch war der große Favorit bei den Einsitzern im Rodeln. Und Loch hat geliefert. Er hat den Wettbewerb der Olympischen Spiele in Sotschi nach einem etwas schwächeren ersten Lauf mit drei weiteren hervorragenden Durchgängen vor der russischen Goldhoffnung Albert Demchenko dominiert. Mal wieder. Man ist es von den deutschen Sportlern auf ihren Flitzern gewohnt. Bei Georg Hackl war das so, bei Loch hat sich nichts geändert. Zumal beide eine perfekte Symbiose bilden.
 

Eine Menge Spaß

Auf den ersten Blick passt es freilich nicht. Loch, der 1,91 Meter große Athlet mit den braunen Haaren und Hackl, der 1,72 Meter große Bayer mit dem immer grauer werdenden Schopf. Es sieht lustig aus, wenn die beiden rund um Sotschi unterwegs sind. Auf den zweiten Blick passt es dann doch. Loch und Hackl haben eine Menge Spaß. Zumindest hat Loch einige Bilder via Twitter als Beweisfotos verbreitet. Zum Beispiel vor einer imposanten Bergkette mit dem Titel "Zwei Bayern unterwegs im Kaukasus".

Ja, ja die Bayern. Die spielen im Leben des 1989 im ostdeutschen Sonneberg geborenen Loch ohnehin eine entscheidende Rolle. Schon früh zog er mit den Eltern nach Bayern, dem Vater Norbert zuliebe, der früher selbst Olympiarodler war und heute Bundestrainer ist. Mittlerweile lebt Loch junior in Schönau am Königssee – und ist großer Fan des FC Bayern. 2010, nach seinem ersten Olympiasieg, wurde er mit einer Dauerkarte für die Allianz-Arena überrascht. Das beste Geschenk, das man Loch machen konnte. Gestern, drei Stunden vor dem Rennen, twitterten die Münchner ihre besten Wünsche für das Rennen. Es hat geholfen.
 

Erfolgsmodelle

Zu großen Teilen wird Lochs Rodel in Traunstein in einer Spezialfirma für Carbontechnik entwickelt. Es ist eine Tüftelarbeit, bis der exakt angepasste Schlitten auf seine Bedürfnisse passt. Es wird im Windkanal getestet, dann sind drei bis fünf Arbeiter damit beschäftigt, alle Kunststoffteile nach Maß anzufertigen. "Auch Felix selbst ist bei der Entwicklung mit großem Eifer dabei", sagt Franz Wimmer, der Firmeninhaber. Er und seine Mitarbeiter liefern die Sitzschale, zusammengebaut wird der Rodel letztlich in Berchtesgaden. Alles allerdings streng geheim, genaue Pläne gibt es nicht – zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Es wäre ja auch noch schöner, wenn plötzlich andere Nationen die deutschen Erfolgsmodelle kopieren könnten.
 

Olympiasiege

Der Schlitten war auch am Wochenende top. "Ich wusste, dass ich einen perfekten Schlitten hier brauche. Und ich hatte ihn. Zusammen mit Schorsch haben wir den Sommer über hart gearbeitet, offenbar haben wir alles richtig gemacht", sagte Felix Loch. Der Schlitten alleine aber reicht nicht. Um auf den Rodel-Olymp zu kommen, braucht es besondere Typen. So wie Hackl früher oder Loch heute. 24 Jahre ist er alt, in seinem Lebenslauf hat er seit gestern zwei Olympiasiege stehen. Loch ist jung genug, um weitere folgen zu lassen.
                                               

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