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Der große Sprung zum Sieg

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Als ob sie sich einschwören, knien sie zu viert im Schnee. Ganz eng kauern sie beieinander und verbringen diesen schönen Moment gemeinsam. Ein Bild mit Symbolcharakter an einem Tag für die Historie. Dieser Moment macht aus einer Truppe ein Team mit Siegerin. Die Glückliche verbirgt ihr Gesicht in den Händen: Carina Vogt.

Gesprungen, gebangt, gejubelt. Nicht über alle Maßen, das hätte auch gar nicht zu dieser zurückhaltenden und eher wortkargen jungen Frau gepasst. Mit Sprüngen auf 103 und 97,5 Meter hat sie sich auf ihre Weise ausgedrückt, mit einem sportlichen Superlativ. Carina Vogt ist Olympiasiegerin, die erste im Frauenskispringen. Premierengold für die 22-Jährige aus Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd.
 

Gegen Kritiker

Sie haben gekämpft: Gegen Vorurteile, gegen ihre Kritiker, gegen die Bedenkenträger. Helmut Weinbuch, langjähriger hochrangiger Funktionär beim Deutschen Skiverband, glaubte, die weibliche Wirbelsäule sei der Belastung bei der Landung nicht gewachsen. Legendär ist die Aussage von Gian Franco Kasper, inzwischen nicht weniger als Präsident des Ski-Weltverbandes Fis und obendrein verdienter Olympier.

Er verbreitete noch in den Neunzigern die Mär, durch die Wucht des Aufsprunges würde die Gebärmutter zerstört. Gegen alle Widerstände haben die Skispringerinnen gestern Abend ihre 2011 beschlossene olympische Premiere gefeiert - mit Carina Vogt als würdiger Vertreterin. "Das kann ich alles noch gar nicht fassen. Unglaublich. Die Sekunden bis das Ergebnis auf der Anzeigetafel aufleuchtete, waren schrecklich", sagte die Goldfrau und wischte sich immer und immer wieder die Tränen von der Backe.
 

Vor dem Karriereende

Vor fünf Jahren hat nicht mehr viel gefehlt und das Mädchen aus dem Schwäbischen hätte ihre Karriere beendet noch ehe sie so recht den Weg in die Anlaufspur gefunden hatte. Trainer haben ihr diese Zweifel eingehaucht, beinahe die Perspektive geraubt. Aufgegeben hat Carina Vogt nicht. Aus gutem Grund. Sie bringt alles mit, was eine Springerin der zweiten Generation für die Weltklasse braucht: Einen dynamischen Absprung, viel Fluggefühl und mentale Fähigkeiten.

"Mit Platz zwei oder drei haben wir geliebäugelt", sagt Bundestrainer Andreas Bauer, "aber Olympia und der Sport schreiben immer wieder neue Geschichten." Der Oberstdorfer, der seit 2011 verantwortlich zeichnet, hat mit Akribie und harter Arbeit die Mannschaft geformt.
 

Triumph im Weltcup

Carina Vogt hat in dieser Saison zwar noch keinen Triumph im Weltcup geschafft, sich mit acht Podestplätzen aber beharrlicher als alle anderen aus dem Elitezirkel im Windschatten der leichtgewichtigen und hochtalentierten neunmaligen Siegerin Sara Takanashi gehalten.

Die Serienbeste aus Japan ist mit Platz vier ohne eine Belohnung geblieben. Silber geht an die Skisprung-Pionierin Daniela Iraschko-Stolz, die mit 104,5 im zweiten Durchgang den weitesten Satz durch die Nacht gestanden hatte, ist seit 1995 als Skispringerin unterwegs. Sie hat noch die Zeiten erlebt, als die Gewinnerinnen noch Puddingpulver geschenkt bekommen haben. Dritte bei der Olympiapremiere wurde die Französin Coline Mattel .

Im Fernsehen hat Carina Vogt Skispringen mit Martin Schmitt und Sven Hannawald geschaut. Mit Vier. Die Faszination ist bis heute geblieben. Thomas Aubele hat sie beim SC Degenfeld gefördert – als einziges Mädel unter einem Haufen Jungs.
 

Emanzipation

Erst 2011, im April, ist Skispringen für Frauen in das Olympische Programm aufgenommen worden. "Es hat uns gezeigt, dass die Fortschritte durchaus wahrgenommen werden", sagt Carina Vogt. Ein erster Schritt in die Emanzipation war die Weltmeisterschaft 2009 in Liberec, es folgten der Weltcup und Olympia. Für Carina Vogt ein goldiger Höhepunkt.
                         

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