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Das goldene Quartett

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Sie halten sich an den Händen und hüpfen mit ungespielter Leichtigkeit auf ihr Podest. Der Platz der Besten ist für sie freigehalten. Gold. Bei Olympia. Mehr geht nicht. Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund – vier Männer, ein Team. Sie lassen sich erst los, als sie ihr Blumengebinde überreicht bekommen, ein Vorgeschmack auf ihr Goldstück, das sie sich mit konstant guten Sprüngen und viel mentaler Stärke am späten Montagabend erkämpft haben. Acht Flüge, acht Landungen und in der Addition 2,7 Punkte Vorsprung auf Österreich. Immerhin 16,2 sind es auf die Drittplatzierten, die Japaner."Wenn wir jetzt nicht feiern, wären wir falsch hier", sagt Severin Freund.
 

Verantwortung

Er ist der Letzte auf dem Balken gewesen, hat die Verantwortung auf dem Luftwege unsichtbar mit sich getragen. Sein Hofknicks bei 131 Meter hat ausgereicht, um den Satz von Gregor Schlierenzauer auf 132 Meter wettzumachen und den Vorsprung zu retten. Als die Eins auf der Anzeigetafel aufleuchtet, wirft Freund seine Ski in den Schnee und beamt sich mit seinen Kumpels ins Land des Glücks. "Das werde ich erst bei der Medaillenvergabe begreifen", sagt Severin Freund.

Den Glauben an die Gerechtigkeit hatte er auch nach Platz vier im Einzel nie verloren und doch "ist verdammt viel Genugtuung dabei". Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbund meint: "Das ist eine der Medaillen, die eine besondere Wertigkeit hat. Wir wissen, wie viel am Skispringen hängt."
 

Geburtstagskind

Auch die Athleten haben es gespürt. Sie haben zusammengehalten. Sie haben nach Niederlagen gelitten, sich getröstet und wieder aufgebaut. Und nach Weltcupsiegen gemeinsam gejubelt, gefeiert und sich mental gestärkt. Den Teamgedanken leben sie – nicht nur wenn es auf dem olympischen Wettkampfplan steht. Sie verstehen sich und "jeder kann von jedem was lernen", sagt Andreas Wellinger, "wir sind eigentlich schon eine Familie, weil wir etwa ein Drittel im Jahr unterwegs sind. Das schweißt zusammen."

Um Mitternacht singen sie. Ein Ständchen für das Geburtstagskind Andreas Wank. Er, der sich in einer internen Qualifikation wie Andreas Wellinger gegen Richard Freitag durchsetzte, hat sich das schönste Geschenk zum 26. gemacht. Fassen kann er das Geleistete noch nicht.
 

Tiefe Befriedigung

Werner Schuster wickelt mit Genuss eine goldene Folie ab und beißt in seine Medaille aus Schokolade. Ein Bild mit Symbolcharakter, ist es doch seine erste als Skisprung-Bundestrainer. Es ist eine ganz besondere. Eine, die ihn für eine lange und mitunter sehr beschwerliche Deutschland-Reise belohnt. 2008 hat er sie angetreten, 2014 ist er nachhaltig in seiner Arbeit bestätigt worden. Stolz ummantelt den Körper von Werner Schuster.
Schutz Immer wieder hat sich der diplomierte Trainer nach Rückschlägen schützend vor seine jungen Männer gestellt, Geduld eingefordert, aber auch Selbstkritik geübt. Jetzt sagt er: "Ich spüre eine tiefe innere Befriedigung."

Werner Schuster trägt eine Freude in sich, die wenig mit diesen Hurra-Augenblicken auf dem Turm gemein hat. Es ist "eine langsame große Welle", die ihn durchströmt. Ihre Intensität ist ungleich größer. Und es ist eine große Geste, dass er die Hälfte des Schokotalers spontan mit seinem Landsmann, Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner teilt.
 

Fleißige Sammler

"Ich habe mich nicht getraut, den Sekt einzukühlen", sagt Schuster. Ein Geständnis zu später Stunde. "Das Deutsche Haus wird schon zu sein, aber das Kufenstüberl machen sie vielleicht wieder auf." Für die Feierstunde der Flugkünstler. Für Marinus Kraus, den fleißigsten Punktesammler. Für Andreas Wank, den soliden Starter. Für Andreas Wellinger, den Jüngsten mit der Coolness eines Alten. Und für Severin Freund, der sein Projekt vollendet hat. Endlich.
                             
         

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