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Charakterlos in der Hölle

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Das Schlamassel bei den Heilbronner Falken ist allumfassend. Trainer Igor Pawlow hat seine Spieler nach der schlimmen 4:6-Heimpleite gegen Kaufbeuren und dem Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz als charakterlos und teilweise nicht DEL-2-tauglich gescholten. "Natürlich fehlt Qualität", sagte er.

Aber es stellt sich immer mehr auch die Frage, ob Pawlow der richtige Mann für den Abstiegkampf ist. Selbstbewusst tönte er am Sonntagabend: "Ich mache maximal gute Arbeit." Tatsächlich steht sein Eishockey-Sachverstand außer Frage. Bezweifeln muss man allerdings seine zwischenmenschlichen und psychologischen Fähigkeiten.
 

Freie Tage gestrichen

Es sieht so aus, als habe ihm die Mannschaft die Gefolgschaft aufgekündigt. Igor Pawlow ist wegen seiner Trainings-Schinderei und seiner harten Art vom ersten Tag an nicht beliebt gewesen. Nun will er den Druck weiter erhöhen. "Alle freien Tage" hat er nach den beiden bitteren Niederlagen des Wochenendes bei den Lausitzer Füchsen (2:5) und gegen den ESV Kaufbeuren gestrichen. Eine Maßnahme, die in Krisenzeiten nicht ungewöhnlich ist. Doch bei den Falken könnte sie dazu führen, dass die Spieler endgültig auf Dienst nach Vorschrift umschalten.

Schon während der gesamten Saison ist zu sehen, dass die potenziellen Leistungsträger nicht Willens sind, den tief im Schlamm steckenden Karren mit außergewöhnlichen Kraftanstrengungen frei zu bekommen. Nach der massiven Anklage, die Igor Pawlow am Sonntag in Richtung der hochbezahlten Stars im Kader formuliert hat, dürfte die Kluft zwischen ihm und den Top-Spielern so groß geworden sein, dass man das Schlimmste befürchten muss.
 

Kein Happy End in Sicht

Nur mit jungen Rennern werden die Falken den Klassenerhalt kaum schaffen. Für ein Happy End sind die Scorerqualitäten der Herren Hock, Fenton, Carciola, Blank, Mrazek oder Leisenring unabdingbar nötig.

Igor Pawlow hat diese Spieler gewiss nicht auf seiner Seite, wenn er sagt: "Ich habe diese Spieler nicht eingekauft. Ich muss mit den Spielern arbeiten, die da sind."

Aber ist er selbst denn bald noch da? Die Bosse denken über einen erneuten Trainerwechsel nach. Zu krass war der negative Eindruck der letzten Spiele. Der HEC-Vorsitzende Timo Dietz, der amtierenden Falken-Geschäftsführer Ernst Rupp und sein Nachfolger Atilla Eren werden von Igor Pawlow ein Überlebenskonzept einfordern und dies dann bewerten. Sie wissen genau, welche Häme sie ernten würden, sollten sie nach Ken Latta, Gerd Wittmann, dem co-trainierenden Sportdirektor Rico Rossi und nun Pawlow einen weiteren Coach verpflichten. So etwas hätte es auch im turbulenten deutschen Eishockey nur ganz selten gegeben. Aber irgendetwas muss passieren, sonst gibt es im der kommenden Saison Oberliga-Eishockey in Heilbronn.
 

Planungsfehler

Recht hat der Trainer, wenn er beklagt, dass bei der Zusammenstellung des Kaders im vergangenen Sommer und bei den Nachbesserungsarbeiten nach dem missratenen Saisonstart gravierende Fehler gemacht worden sind. Die Verantwortung hierfür liegt in großen Teilen beim damaligen Sportdirektor Rossi und bei Manager Rupp. Doch wenn man sich den Kader des ESV Kaufbeuren anschaut, dann findet sich darin nicht ein einziger Profi der Preisklasse Hock, Fenton, Carciola, Blank, Mrazek oder Leisenring. Es ist die Aufgabe von Igor Pawlow, aus diesen Spielern Leistungen herauszuholen, die den Klassenerhalt wahrscheinlich machen, am besten gleich in den Playdowns und nicht erst in der anschließenden Qualifikationsrunde mit den besten Oberligisten.

Dass es ganz schwer wird, sportlich in der DEL 2 zu bleiben, hat der Trainer am Sonntag ohne Umschweife eingestanden: "Wir müssen durch die Hölle", sagte er. "Es gibt keine Geschenke, man muss jeden Punkt hart erkämpfen."

Gerade am Kampfgeist mangelt es allerdings gewaltig. Pawlow hat sein Team nach dem 4:6 gegen Kaufbeuren zum wiederholten Mal rustikal öffentlich abgewatscht. "Es ist unverantwortlich, so zu spielen. Es fehlt die innere Motivation", schimpfte er. Und: "So wie heute zu Hause gegen einen direkten Konkurrenten in der Abstiegsrunde, mit so einer Einstellung − das geht nicht. Man muss kämpfen um jeden Zentimeter auf dem Eis." Die heftigste Anklage hatte der Trainer gleich zu Beginn der Pressekonferenz formuliert: "Es war ein charakterloses Spiel, wenn man überlegt, um was es geht, ums Überleben für diesen Club."
 

Abgehängt

Selbstkritik kennt Igor Pawlow nicht. Schuld sind die anderen ("Falsche Automatismen sind in den Köpfen der Spieler gespeichert"). Aber es ist Fakt, dass die Falken bei seinem Amtsantritt acht Punkte Rückstand auf Platz acht (Nauheim) und damit die Playoffs hatten. Drei Punkte lagen sie hinter den Lausitzer Füchsen. Jetzt haben diese Füchse den achten Platz inne − 14 Punkte vor den Falken.
                       

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