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Machtkampf um Trainer Pawlow

Übersicht
Vielleicht versteht man die schwierige Situation bei den Heilbronner Falken am besten, wenn man nicht nur das Große und Ganze in den Blick nimmt, sondern die Einzelheiten. Wer am Sonntagabend erst kurz vor acht zum Spiel gegen Kaufbeuren gekommen wäre, der hätte eine Heilbronner Mannschaft gesehen, die den Gegner dominierte und nach 20 Eishockey-Minuten mit einem 2:0 von der Spielfläche fuhr. Zwei Tage zuvor hatte man auch in Weißwasser ein 2:0 der Falken im Schlussdrittel erlebt.

Sie können es also.

Nur: wollen sie auch?
 

Hartes Training

Das ist die Frage. Und die Antwort lautet: nein. Viel deutet darauf hin, dass zumindest ein beträchtlicher Teil  der Heilbronner Mannschaft Interesse daran hat, Trainer Igor Pawlow möglichst schnell los zu werden. Der Coach hat es mit seinen Profis verscherzt. Durch zu hartes Training, das teilweise Züge von Rücksichtslosigkeit offenbart hat, wie Insider berichten. Vor allem aber durch seine autoritäre, unzugängliche, sture Art. Deshalb stand es in Weißwasser 0:5, als die Falken zu zeigen begannen, dass sie es auch besser können. Deshalb stand es gegen Kaufbeuren 2:6, als das Schlussdrittel begann.
 

Verantwortung

Die Falken werden in der jetzigen Konstellation große Probleme haben, sportlich den Klassenerhalt in der DEL 2 zu schaffen. Zwar steht die Mannschaft in der Pflicht, ihr Bestmögliches zu geben, denn dafür wird jeder einzelne Profi bezahlt. Und es ist bekannt, dass die Leistungsträger im Heilbronner Kader sogar fürstlich bezahlt werden.  Doch die Macht liegt bei den Spielern. Wenn sie Dienst nach Vorschrift machen wollen, kann man sie daran nicht ernsthaft hindern. Der Heilbronner Weg würde wohl Richtung Oberliga führen - es sei denn, die Verantwortlichen verschließen nicht die Augen vor dem, was offensichlich ist, und entlassen Igor Pawlow.
 

Nicht aufgeben

Allerdings ist ein weiterer Trainerwechsel bei den Falken gar nicht so leicht durchzuführen, denn die ganz spezielle Machtkonstruktion dieser Tage verhindert anscheinend einmütiges Handeln. Da gibt es auf der einen Seite Timo Dietz, den Vorsitzenden des Stammvereins Heilbronner EC, und Atilla Eren, den von ihm gewählten künftigen Geschäftsführer der Falken-GmbH, die den Spielbetrieb abwickelt. Auf der anderen Seite steht Ernst Rupp, der langjährige Geschäftsführer, der zum Saisonende gehen muss. Er hat Igor Pawlow geholt. Er will diesen Trainer nicht aufgeben, das hat sich am Sonntagabend in der Kolbenschmidt-Arena bei einem Gespräch über Pawlow deutlich erkennen lassen.

Ein Machtkampf im Hintergrund überlagert also die sportliche Misere. Es wird gerungen - mit offenem Ausgang. Gut möglich, dass am kommenden Wochenende, wenn es gleich zweimal gegen den SC Riessersee geht, weiterhin Igor Pawlow hinter der Bande stehen wird. Dann aber wohl unter enormem Erfolgsdruck. Ein weiteres Null-Punkte-Wochenende dürfte der angezählte Coach nicht  überstehen.
 

Notfallplan

Und was könnte der Notfallplan sein? Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Die Falken-Mannschaft ist womöglich untrainierbar. Sie hatte in dieser Katastrophensaison ganz unterschiedliche Chefs, Ken Latta, Gerd Wittmann, Igor Pawlow. Drei unterschiedliche Eishockeytypen, drei ganz unterschiedliche Menschen. Mit keinem gab es dauerhaft Erfolg. In diesem Team steckt der Wurm. Aber es steckt trotz aller Abgänge immer noch beträchtliches Potenzial drin. Also kann der allerletzte Plan eigentlich nur lauten: Lasst die Herrschaften Spaß haben. Sie haben es nicht verdient, aber es ist fürs Überleben in der DEL 2 wohl die einzige Chance.
 

Motivation

Ein Trainer muss her, der als Motivator taugt, der es schafft, die Spieler an der Ehre zu packen. Der langjährige Falken-Kapitän Luigi Calce, der seine Spielerkarriere ja erst kürzlich  beendet hat, könnte jetzt der richtige Mann sein. Er weiß, wie es in der Kabine zugeht. Er hat als überaus aktiver Kapitän bewiesen, dass er Führungsqualitäten hat. Calce im Zusammenspiel mit Milan Maruschka, dem Trainer der 1b-Mannschaft, der die nötige Lizenz vorweisen könnte, vielleicht ist das die letzte Variante in dieser turbulenten Spielzeit? Die Variante fürs Happy End?   
           

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