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Die Medaillenverteilung

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Olympische Winterspiele sind ein gigantisches Sportfest. Es gibt Gewinner, die auch Verlierer sind − und umgekehrt. Spannender als schnödes Medaillenzählen waren auch in Sotschi und in Krasnaja Poljana die Hintergründe. Eine Bilanz ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
 

Platz sechs im Weltspiegel

Die Deutschen: "Wir sind hier nicht zum Schönwettersegeln da", hat Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) über die enttäuschende Medaillensumme gesagt. Acht plus sechs plus fünf ist gleich 19. Obendrein nur Platz sechs im Weltspiegel. Was in Woche eins so effektiv begann, ist nach Tag elf mit einem Knack abgebrochen. Alle hatten sie Michael Vesper schon auf die in seiner weißen Teamjacke versteckten Schultern geklopft. Doch an diesem ominösen Mittwoch haben seine Olympioniken sieben Chancen liegenlassen. Und dann? "Seither fühle ich mich wie bei einem Fußballspiel, bei dem man 4:0 führt und am Ende ein 4:4 nach Hause fährt", sagte Vesper in seiner Bilanz. Oh, da hat einer im Oktober Jogis Jungs gegen Schweden angeschaut.
 

Unrealistische Ziele

Hilft nichts: Der Medaillenkorridor hat zwischen 27 und 42 gelegen. Ziel verfehlt, das gibt Ärger − und womöglich weniger Geld für die Sportförderung? "Wenn wir zum wiederholten Male erleben, dass die formulierten Ziele völlig unrealistisch sind, muss man sich doch fragen: Wo liegen die Fehler?", sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. Angekündigt hat sie unbequeme Fragen. Auch der Politikerin ist aufgefallen, dass sich die Breite der Sportarten und Disziplinen in der Bilanz nicht widerspiegelt: "Das sollte zu denken geben." Es war eine nicht gerade dezente Anspielung auf Sportarten wie Eisschnelllaufen.

Die waren ohne Medaille geblieben und haben in ihren feindseligen Gefühlen mehr gegen ihre Teamkollegen als gegen die Sportler aus anderen Nationen gekämpft. Nachhilfe geben sicher gerne die Nachbarn aus den Niederlanden. Sie haben zwei Drittel aller Podestplätze geholt. An Alfons Hörmann hat das schlechteste deutsche Abschneiden seit der Wiedervereinigung übrigens nicht gelegen. Seine olympische Leistung lässt sich sehen. Der Allgäuer hat mehr als die Hälfte aller Wettbewerbe live gesehen.
 

Kübelweise Kritik

Die Flops: Ja, wo gibt es denn so etwas? Da stehen gleich zwei wuchtige Wachstrucks in Krasnaja Poljana. So ausladend in Höhe und Breite sind sie, dass es gar keinen Sinn macht, sie die engen Kehren hinauf zum Langlaufzentrum zu steuern. Ein Millionenprojekt haben die Norweger gestartet, um bei Olympia das beste Material zu haben. Und dann das: Frühlingshafte Temperaturen und chancenlose Olympiasieger und Favoriten in der Loipe. Es hagelt kübelweise Kritik und einzig die Ehefrau von Knut Nystad hofft, dass ihr Mann − der Cheftechniker − zum Saisonende gefeuert wird. "Dann hat er mehr Zeit für unsere zwei Kinder und mich", sagte sie einer norwegischen Zeitung.
 

Ohne Medaille

Völlig fassungslos, konsterniert, aber auch erbost waren die Russen, nachdem ihr Held auf dem Eis nicht mehr konnte. Das Kreuz mit dem Kreuz. Vor dem Kurzprogramm und nach unzähligen Operationen hat Jewgeni Pluschenko nicht nur kurzfristig verzichtet, sondern auch sein Karriereende bekannt gegeben. Endgültig: "Gott sagte mir, ich muss aufhören."

Wie sich eine Fahrt im langsamen Bob von Thomas Florschütz anfühlt, hat sein Anschieber Joshua Bluhm anschaulich beschrieben. Er sagte: "Das ist, als ob man sich auf den Boden kauert und verhauen wird." Die deutschen Piloten sind erstmals seit 50 Jahren ohne eine olympische Medaille geblieben. Der Frust über die völlig missratenen Gefährte ist seit Saisonbeginn groß. Kevin Kuske sagte nach der Zweierbob-Entscheidung: "Das war heute ein Trabi."
 

Der erfolgreichste Mann

Die großen Gewinner: Es ist schon fast langweilig, wenn die deutschen Rodler Gold im Abo bestellen − und auch liefern. Felix Loch, Natalie Geisenberger und Tobias Wendl/Tobias Arlt haben in allen vier Wettbewerben abgeräumt. Die TV-Quoten waren großartig, doch im Weltcup wird trotzdem kaum ein Zuschauer mehr an die Bahn kommen.

Die russische Medaillenbilanz haben zwei Athleten ziemlich aufgeplustert, die einst gar keine Russen waren. Der frühere US-Snowboarder Vic Wild hat zwei Mal Gold beigesteuert und damit nicht nur die Küsse seiner mit Bronze dekorierten Frau Aljona erhalten, sondern auch die Liebe der entzückten Zuschauer. Drei Goldstücke und ein bronzenes hat den ehemaligen Südkoreaner Victor An zum erfolgreichsten Mann der Spiele gemacht. Sein Pendant ist neben der norwegischen Langläuferin Marit Björgen die weißrussische Biathletin Darja Domratschewa mit drei Mal Einzelgold. Neben ihrem Freund Ole Einar Björndalen jubelte vor allem ihr deutscher Trainer Klaus Siebert. Der 58-Jährige hat mehrere Krebserkrankungen überstanden, muss nach Olympia aber erneut operiert werden.
 

Zeichen von Macht

Die Gastgeber: Alles richtig gemacht. Jedenfalls mathematisch betrachtet. Mit 13 Mal Gold, elf Mal Silber und neun Mal Bronze haben die Russen die Nationenwertung gewonnen. Das freut den Sportfan Wladimir Putin. Daheim die Nummer eins zu sein, ist ein Zeichen von Macht − und um die geht es ihm. Doch nicht alle haben die teils unmenschlich hohen Erwartungen erfüllt. Als die Sbornaja im Viertelfinale ausgeschieden ist, war Staatstrauer angesagt. Gold im Eishockey war oberste Profipflicht. Jetzt hat Sportminister Witali Mutko "bittere Konsequenzen" angekündigt. Das klingt nach Donnerwetter.

Schelte muss es für die gnadenlosen Umweltsünden geben, die in den Bergen begangen worden sind. Mit Nachhaltigkeit hat das nicht im Geringsten zu tun. Und es besteht die Gefahr, dass manches Gebäude vergammelt, noch ehe es vollständig fertig gebaut ist.
                  

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