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Kampfsport als Lebensschule

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Nein – Mama, Tante und Schwester waren von der Idee nicht begeistert. Warum sie denn nicht zum Basket- oder Volleyball gehen wolle? Doch Duygu Kiyak ließ sich von ihrem Plan nicht abbringen und erkor das Thaiboxen zu ihrem Sport. Seit drei Jahren ist die 16-Jährige aus Sontheim nun dabei, trainiert viermal die Woche bei den Thaibulls Heilbronn.

Am Samstag, 22. Februar, trat sie in der Ludwigsburger Rundsporthalle zu ihrem achten Kampf in den Ring. "Ich war schon immer Kickbox-Fan, habe viele Filme gesehen. Als ich hörte, dass das in Heilbronn angeboten wird, war ich dabei", sagt Kiyak.
 

Zeitintensives Hobby

Zwei Möglichkeiten Sie ist nicht die einzige weibliche Sportlerin, die für die Thaibulls in den Ring steigt. Sarah Glandien hat ebenfalls vor drei Jahren den Kampfsport für sich entdeckt. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man verfällt dem total, oder man kann gar nichts damit anfangen", sagt die Heilbronnerin. "Ich bin total dankbar für das, was ich hier machen darf." In der Kampfvorbereitung ist sie an sechs Tagen in der Woche im Gym in der Schoettlestraße.

Zum Ausgleich geht sie zusätzlich schwimmen und laufen. Daneben absolviert die 24-Jährige eine kaufmännische Ausbildung und jobbt in einer American Sports Bar. "Meine Freizeit ist hier im Gym. Hier sind meine besten Freunde, hier habe ich zu mir selbst gefunden", sagt Glandien.
 

Aufregung, Adrenalin, Aggression

Dabei begann ihr Kampfsport-Auftakt wenig verheißungsvoll. Ein Freund hatte sie zum Training mitgenommen. "Nach 20 Minuten war ich total platt", erinnert sie sich. Er sagte: "Das ist nichts für dich." Ihr Ehrgeiz forderte trotzig: "Ich will das unbedingt können." Also trainierte sie fleißig. Nach 18 Monaten stand sie erstmals im Ring, das Kampfsportfieber hatte sie endgültig gepackt. "Für das Gefühl im Ring fehlen mir die Worte. Es ist überwältigend, da alles zu geben."

"Das Adrenalin kocht hoch, die Aufregung ist gewaltig. Und das Ringgefühl wird von Mal zu Mal besser", ist Stallkollegin Kiyak ebenso süchtig. Bei ihrem ersten Kampf war sie 14 Jahre alt. Sie verlor und erkannte: "Ich muss mehr machen, um zu gewinnen. Einfach reingehen, die Gegnerin umhauen – das funktioniert nicht."
 

Selbstvertrauen gesteigert

Aggression und Adrenalin im Ring, körperliche Grenzerfahrungen im Training, Ausgeglichenheit im Alltag – Kampfsport ist für beide Frauen eine Lebensschule. "Seit ich trainiere, kann ich viel besser lernen und mich konzentrieren", hat Kiyak festgestellt. "Ich sehe vieles lockerer, gehe nicht mehr so leicht an die Decke. Mein Selbstvertauen ist größer geworden, ich habe eine ganz andere Körpersprache entwickelt und viel Lebenserfahrung gewonnen", sagt Glandien. Ihr Lebensmotto "Fighter" (Kämpfer) hat sie auf ihren Unterschenkel tätowiert. "Das beziehe ich auf alle Lebensbereiche. Ich will nie aufhören, zu kämpfen."

Für beide ist der Sport ein zwar zeitintensives Hobby, in den Profibereich streben sie aber nicht. "Ich will sehen, wie weit ich kommen kann und solange meinen Traum leben, wie es geht", sagt Glandien. Kiyak hat bereits ein wesentliches Ziel erreicht. Ihre älteren Cousins vergreifen sich nicht mehr an ihr.
            

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