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Weitsprung-Siegerin aus Heilbronn

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Michael Bühler sieht die Dinge positiv. Auch die Autofahrten mit Anna. Er nutzt sie für Gespräche. Dann haben Vater und Tochter Zeit, über das zu reden, was zwischen Ganztagsschule in Osterburken, Leichtathletik und Alltag daheim in Forchtenberg-Metzdorf mitunter etwas kurz kommt. Die Bühlers sind stolz auf die Leistungen ihrer 17-Jährigen. Am Samstag ist die Weitspringerin, die das Trikot der Unterländer LG trägt, im Heilbronner Frankenstadion mit 6,06 Meter Landesmeisterin geworden – und dabei sogar zehn Zentimeter weiter gesprungen als die Beste bei den Frauen. "Der Sieg war kein Muss, aber ich freue mich natürlich darüber", sagt Anna Bühler.

Am Wochenende entscheidet sich, ob Anna Bühler bei den Weltmeisterschaften U 20 in Eugene dabei sein darf. Um sich diesen Traum zu erfüllen, muss sie bei der Junioren-Gala in Mannheim ihre Bestleistung von 6,26 Meter nochmal bestätigen. Binnen weniger Wochen hat sich die groß gewachsene junge Frau mit der Flechtfrisur um einen halben Meter gesteigert. Was für ein Satz. "Ihre unglaubliche Entwicklung kommt über ihre Schnelligkeit, die macht 80 Prozent der Leistung aus", sagt Steffen Hertel, "aber sie schafft es auch, das Tempo umzusetzen." In Weite. "Dass sie sechs Meter springen kann, hat sich bereits gedeutet."

 

Guter Ratgeber



Der Landestrainer hätte Anna Bühler gerne häufiger im Stützpunkttraining in Stuttgart. Doch das klappt meist nur bei Kader-Lehrgängen oder im Trainingslager – der Schule wegen. Steffen Hertel vertraut auf Albert Strähle, er ist seit einem Jahrzehnt Heimtrainer von Anna Bühler. Der 72-Jährige hat auch in Heilbronn Tipps gegeben, wie sie mit den böigen Winden besser zurecht kommt. Albert Strähle ist es auch, der mit Anna Bühler zu Einheiten nach Künzelsau fährt. Dort sind die Bedingungen besser und das Talent hat hier auch noch die Möglichkeit, beim Staffel-Training dabei zu sein. "Sie ist ehrgeizig und bei der Sache", sagt Albert Strähle. Das bestätigt auch der Papa. "Zielgerichtet war sie schon immer", sagt er. Auch in der Schule klappt es recht gut. Und die Chance, für die WM vom 22. bis zum 27. Juli in den USA nominiert zu werden, "erfüllt uns gleichermaßen mit Angst und Stolz", sagt Michael Bühler.

 

Präzise Maßarbeit



Die Probleme im Oberschenkel, die sich Anna Bühler beim Turnen in der Schule eingehandelt hat, haben sie bei den Landesmeisterschaften nicht behindert. Eher die wechselnden Bedingungen. Doch auch hier hat sie – wie schon beim Länderkampf in Brixen – dem Druck Stand gehalten und mit Saskia Kossmann ihre stärkste Konkurrentin (6,02 Meter) im fünften Versuch übersprungen. Maßarbeit.

Apropos. Um zu begreifen, wie weit sie springen kann, hat Anna Bühler nach ihrer Bestleistung die 6,26 Meter daheim mit dem Maßband einmal abgemessen, denn "ich merke das ja gar nicht", sagt sie, "unglaublich". Die Gedanken an die WM nennt die 17-Jährige, die von der Sporthilfe Unterland gefördert wird, noch "irreal". Ihre Freundinnen aber sind begeistert und sehen sie schon bei Olympia.

 

Beinbruch



Dabei ist der Weitsprung früher gar nicht ihr Ding gewesen, doch nach einem Bruch des Beines an der Wachstumsfuge und drei Monaten Pause hat sich Anna Bühler um 50 Zentimeter gesteigert und den Sprung in den Kader geschafft. Der erste Sechs-Meter-Satz war zudem ein schönes Erlebnis.

Ziele hat Anna Bühler noch einige. Noch nie hat sie ein vernünftiges Hallentraining absolviert, sich meist mit Krafteinheiten über die kalten Monate gerettet. Auch die Europameisterschaften im nächsten Jahr in Schweden sind eine reizvolle Vorgabe. Vorher stehen allerdings noch andere Dinge auf der To-do-Liste. Anna Bühler macht gerade den Führerschein. Die Fahrerlaubnis beschert ihr etwas mehr Zeit und Freiheit, dafür werden dann die Fahrten mit ihrem Papa weniger.
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