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Peinliches 1:0

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Mit den Erinnerungen ist es in Stuttgart so eine Sache, wenn es um Fußball geht. Den 8. Juli 2006 haben fünf aktuelle Nationalspieler hier hautnah erlebt, waren Teil des 3:1-Sieges bei der Heim-WM gegen Portugal. In Stuttgart war die Hölle los, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Co. wurden gefeiert wie Helden. Nur: Es war das Spiel um Platz drei.

Beim Turnier 2014, das für die Mannschaft von Trainer Joachim Löw am 16. Juni in Brasilien eben gegen Portugal beginnt, soll es noch eineinhalb Schritte weitergehen. Was dann noch vom 5. März 2014 in Stuttgart in Erinnerung sein wird? Wie gehabt Gutes und vor allem weniger Gutes. Der letzte Test, bevor Löw voraussichtlich am 8. Mai seinen vorläufigen WM-Kader nominiert, wurde durch den Treffer von Mario Götze (16. Minute) mit 1:0 (1:0) gewonnen. Es war ein harter Test. Bei dem vor allem Joachim Löw viel richtig gemacht hat.
 

Unzufriedener Löw

Die Frage war ja, ob der Bundestrainer Toni Kroos oder den beim FC Arsenal zuletzt blassen Mesut Özil zentral spielen lässt: Ja, der Bundestrainer setzte gestern Abend auf den Bayern-Block, brachte sechs Münchner in der Startelf – aber auch Özil. Dem tut der Vertrauensbeweis gut, der mit acht Toren erfolgreichste Spieler der WM-Qualifikation zahlte in seiner Währung zurück. Zwar war er nach einem Pass von Schweinsteiger auf dem Weg zum 1:0, strauchelte im Strafraum der Chilenen aber, sah Götze, der genial mit Links in den rechten Winkel lupfte – und den Spielverlauf der Anfangsviertelstunde auf den Kopf stellte. Die Südamerikaner, bei der WM Gruppengegner Spaniens und der Niederlande, traten frech auf. Löw warf immer wieder unzufrieden Fäuste in Richtung Feld der Mercedes-Benz-Arena.

So klärte Philipp Lahm nach einem Eckstoß Arturo Vidals Kopfball auf der Linie (9.), Vidals Schuss (26.) landete ebenso in den Armen von Manuel Neuer wie der von Eduardo Vargas (23.). Glück gehabt. Auf der Gegenseite war Miroslav Klose, der keine Bindung zum Spiel hatte, bezeichnenderweise nur mit einem abgefälschten Schuss von Kevin Großkreutz gefährlich (30.), Götze schoss am langen Eck vorbei (34.). Beim finalen Casting gelang Löws Kandidaten wahrlich nicht alles.
 

Schwer gemacht

So ermöglichte der hochgelobte Kroos kurz vor der Pause einen gefährlichen Gästekonter, ähnlich kurz zuvor der eingewechselte Marcel Schmelzer. Der durfte die linke Abwehrseite beackern, weil Marcell Jansen mit einer Knöchelverletzung vom Platz musste. Der Hamburger, übrigens einer der Fünf vom damaligen kleinen Finale neben Lahm, Schweinsteiger, Klose und Lukas Podolski, verließ das Stuttgarter Stadion weitaus weniger beschwingt als 2006. Ebenso der zur Pause ausgewechselte Klose.

Der agilste Deutsche der zweiten Hälfte war Joachim Löw. "Die Chilenen haben es uns heute richtig schwer gemacht", sagte der Bundestrainer hinterher. Der war so richtig fuchsig, sprang nach einem gewagten Ball von Jérôme Boateng (58.) von der Bank auf, sprintete ans Spielfeld und schimpfte gefühlt wie noch nie.
 

Glück aufgebraucht

Minuten später schlug er die Hände über den Kopf und sah kurz darauf eine ganz dicke Chance der Chilenen, die an der Unterkante der Latte zerschellte. Das Tor von Manuel Neuer war unter Dauerbeschuss, der erhitzte Löw entledigte sich seines Sakkos. Die guten Nachrichten: Joachim Löw geht es gut, und das Spiel wurde tatsächlich gewonnen. Die schlechte Nachricht: Die Nationalelf hat das Glück für das WM-Jahr bereits aufgebraucht. "Das wir bis zur WM noch viel Arbeit haben, das wissen wir alle. Wenn man sich die Chancen von Chile anschaut, dann kann man sicher von einem glücklichen Sieg sprechen", erklärte DFB-Kapitän Philipp Lahm.

Das Stuttgarter Publikum in der nicht ausverkauften Arena war gnädig. Zwar gab es Pfiffe – aber für Freunde des VfB erstmals seit dem 7. Dezember, also vor einem Vierteljahr, wieder einen Heimsieg. Verblichene Erinnerungen.
              

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