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Das Spiel mit 3-D-Effekt

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Schon nach wenigen Minuten fällt mir auf: Squash ist total unfair. Ich muss mindestens vier Mal so viel laufen wie mein Gegenspieler, der locker aus dem Stand spielt. Ich keuche und schwitze, Stefan Rodekurth grinst. So ist das eben, wenn ein blutiger Squash-Laie auf einen Zweitliga-Spieler trifft. Das Schöne dabei: Der Sportwart der Hotsox Heilbronn spielt die Bälle immer so, dass ich sie mit entsprechendem Einsatz noch erreichen kann – wenn ich sie treffe.
 

Technik und Erfahrung

Boom Squash? Da werden sicher gleich viele gedanklich in die 80er Jahre zurückversetzt. In diesem Jahrzehnt erlebte die Sportart ihren Boom, Squash-Hallen schossen hierzulande wie Pilze aus dem Boden. Heute plagen nicht nur die Hotsox, die ihre Heimat im Happy Match in Obereisesheim gefunden haben, Nachwuchssorgen. Denn es gibt zwar viele Freizeitsportler, die gerne mal Squash spielen gehen, aber nur sehr wenige treten einem Verein bei. "Bei Turnieren ist die Altersklasse über 40 Jahre meist am stärksten vertreten", sagt Rodekurth. Dabei kann man schon mit sechs, sieben Jahren anfangen und bis ins hohe Alter spielen. "Ältere Spieler sind vielleicht nicht mehr so schnell, aber mit Technik und Erfahrung lässt sich vieles ausgleichen", sagt Rodekurth.

Angst vor Verletzungen muss man trotz des harten Parkettbodens nicht haben. "Die Gefahr ist nicht allzu hoch. Ich habe mich in zehn Jahren nicht einmal schwerer verletzt", sagt Rodekurth. Wie bei allen Sportarten gehört natürlich auch beim Squash ein ausführliches Aufwärmprogramm dazu, das der Verletzungsvorbeugung dient.
 

Einfaches Prinzip

Das Prinzip des Spiels ist so einfach wie ungewöhnlich. Im Gegensatz zu allen verwandten Racket-Sportarten wie Tennis, Badminton oder Tischtennis stehen sich die Gegner beim Squash nicht gegenüber, sondern teilen sich das 9,75 mal 6,40 Meter große Spielfeld. Der Ball muss abwechselnd an die Stirnwand geschlagen werden und darf maximal einmal auf dem Boden aufkommen, sonst geht der Punkt an den Gegner. "Diese Konstellation erfordert natürlich eine gewisse Grundfairness der Akteure", erklärt Rodekurth. Denn der Spieler, der an der Reihe ist, den Ball zu schlagen, muss dafür von seinem Gegner ausreichend Platz bekommen. Ansonsten gibt es einen sogenannten Letball – und der Ballwechsel wird wiederholt.

Eine weitere Besonderheit: Der 3-D-Effekt des Spiels. Der Ball muss zwar an die Stirnwand geschlagen werden, darf von dort aber gegen die Seiten- und die verglaste Rückwand springen. Diese Bälle richtig einzuschätzen, erfordert ein gutes Koordinationsvermögen. Ich merke mehr als einmal, dass ich völlig falsch positioniert bin, um die Bälle von den Seitenwänden kontrolliert zurückzuspielen. "Das ist reine Übungssache", erklärt mein Coach.

Zumal wir das Problem haben, dass unser Ball (aufgrund meiner geringen Schlaghärte und der geringen -frequenz) nicht richtig warm wird und daher nicht gut abspringt. Die kleine Gummikugel besitzt nämlich einen Hohlraum, in dem sich ein Tropfen Flüssiggas befindet, der bei Wärme Druck erzeugt und die Sprungfähigkeit des Balls erhöht. Für Anfänger gibt es deshalb spezielle Bälle mit einer anderen Gummimischung, die auch im kalten Zustand besser springen. Doch wer mit einem Zweitligaspieler auf dem Court steht, der muss mit den Profibällen klarkommen – das ist Ehrensache.
 

Verschnaufen

Nach einer Viertelstunde brauche ich eine Verschnaufpause. Meine Bilanz: Ich habe einen Punkt gemacht. Ich habe extreme Schwächen auf der Vorhandseite und Schwierigkeiten mit dem Aufschlag. Dafür habe ich es in der kurzen Zeit zwei Mal geschafft, den Ball über das seitliche Fangnetz hinaus auf das Nachbarspielfeld zu schlagen. "Das ist rekordverdächtig", lobt mein Trainer. Immerhin – ist doch nicht so unfair, dieses Squash.
                     

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