Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Gehirntraining durch Bewegung

zurück zur Übersicht
Nehmen Sie sich zwei kleine Bälle. In jede Hand einen. Dann werfen Sie sie beide gleichzeitig etwa 20 Zentimeter nach oben und fangen sie wieder auf. Einfach? Okay. Halten Sie beide Bälle fest und überkreuzen Sie jetzt mehrmals die Unterarme so, dass abwechselnd der rechte und linke Oberarm oben ist. Kinderleicht? Dann verbinden Sie jetzt beide Übungen: Werfen Sie beide Bälle 20 Zentimeter nach oben, überkreuzen die Arme und fangen die Bälle mit überkreuzten Armen auf. Es wird schwieriger? So soll es sein. Was anmutet wie eine kleine Jongliereinlage, basiert auf dem Prinzip von Life Kinetik. Einer Art Gehirntraining – und zwar durch Bewegung. Genau darin liegt auch der Unterschied zu klassischen Denksportaufgaben oder Rätseln wie Sudoku.
 

Konzentration fördern

Erfunden wurde Life Kinetik von Horst Lutz, Diplomsportlehrer aus Ebenhausen bei München. Seit 2007 verbreitet er das Konzept durch Trainerausbildungen und Coachings. "Unser Ansatz ist es, Stress zu reduzieren, mehr Konzentration zu haben und schneller denken zu können", erklärt Life-Kinetik-Geschäftsführer Josef Bauer.

Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 2000 freie Trainer, die zum Teil eigene Kurse anbieten. Einer von ihnen ist Oliver Utz (43) aus Oberheinriet. "Es geht darum, Übungen zu machen, die nicht alltäglich sind, die man so vermutlich noch nie durchgeführt hat. So werden neue Synapsen, also Verbindungen, im Gehirn geschaffen." Das Wichtige: Keine der Übungen wird so lange praktiziert, bis sie perfekt sitzt. Vielmehr geht es darum, das Gehirn ständig mit etwas Neuem herauszufordern, es zu überraschen. Die Folge: "Man verbessert seine Wahrnehmung, macht weniger Fehler, kann Dinge schneller erfassen oder in bestimmten Situationen schneller reagieren." Das gilt laut Utz für Situationen im Straßenverkehr oder im Beruf ebenso wie für den sportlichen Bereich – Fußball zum Beispiel.
 

Synapsen bilden

Gerade im Spitzensport gibt es viele Anhänger von Life Kinetik. Von Ski-Legende Rosi Mittermaier über Slalomfahrer Felix Neureuther bis zu Borussia-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp oder Nationaltorhüter Manuel Neuer loben die Profis auf der Life-Kinetik-Homepage das Training. Wer einmal damit begonnen hat, etwa in einem Zwölf-Wochen-Kursprogramm, wie es viele Trainer anbieten, der sollte dranbleiben, empfiehlt Utz. "Synapsen im Gehirn lösen sich auch wieder auf, wenn sie nicht genutzt werden", erklärt er. Vorstellen könne man sich das wie bei einer Fremdsprache, die man nicht mehr nutzt und deren Vokabeln man nach und nach vergisst.

Eine sogenannte Präventionszulassung hat Life Kinetik derzeit noch nicht, die Kosten für Kurse werden nicht von Krankenkassen erstattet. Dennoch empfiehlt Josef Bauer Interessenten, bei ihrer Krankenkasse nachzufragen, ob eventuell ein Zuschuss gewährt wird.

Life-Kinetik-Trainer wie Oliver Utz gehen mittlerweile verstärkt auf Firmen zu, um sie von der Effizienz des Programms für ihre Mitarbeiter zu überzeugen. Beispielsweise in Form einer täglichen zehnminütigen Bewegungspause. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung benennt die Barmer GEK neben anderen Programmen auch Ansprechpartner von Life Kinetik. Vertragliche Kooperationen bestehen derzeit allerdings nicht, erklärt Thorsten Jakob, Pressesprecher der Barmer GEK.
 

Der Profi

Neben der anfangs erwähnten Übung, dem Parallelball, gibt es viele weitere Bewegungsübungen – von Fingerspielen über Kopfwackler bis zum Augenrollen. Durch Variationen erhält man eine schier endlose Zahl an Trainingsmöglichkeiten. Zum Beispiel so: Alle, die die Anfangsübung gemeistert haben, springen jetzt parallel zum Werfen der Bälle in die Luft und kreuzen dabei die Beine. Wer das schafft, ist schon richtig gut. Und versierte Skifahrer können es handhaben wie Felix Neureuther. Ihm gelingt das Ballspiel sogar mühelos bei der Abfahrt.
                 

Galerien

Regionale Events