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Schatten über dem Derbysieg

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Mirko Kirchner kam kaum vorwärts. Wie ein alter Mann humpelte der Verteidiger des VfB Eppingen durch den Kabinentrakt und näherte sich nur langsam dem Ausgang. Kirchner zog sein rechtes Bein nach, das am Mittelfuß blau geworden war – die Folge eines Zusammenpralls mit einem Gegenspieler. Der Fuß, er tat weh. "Ich habe ihn mit Voltaren eingeschmiert", sagte der 23-Jährige und ergänzte: "Es sieht nicht gut aus. Es ist genau an der Stelle, wo ich mir schon zweimal den Mittelfuß gebrochen habe. Ich hoffe nur, dass es nichts Langwieriges ist."

Nein, wie ein großer Derby-Sieger fühlte sich der VfB nicht am Samstagnachmittag. Zwar gewann der Tabellendritte der Fußball-Landesliga Rhein-Neckar den Nahkampf gegen den TSV Kürnbach standesgemäß mit 3:0 (1:0). Doch richtig freuen konnte er sich nicht über diesen Prestigeerfolg vor 380 Schaulustigen – es lag ein Schatten über diesem Sieg.

 

Ausfälle


Wenn der VfB am kommenden Sonntag im Spitzenspiel beim FC Zuzenhausen angreift, dann wird Kirchner aller Voraussicht nach nicht mit von der Partie sein können. Definitiv nicht dabei ist Manuel Hecker. Der Schütze des sehenswerten 3:0 war in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen worden. Warum und wieso, das konnte niemand verstehen beim VfB. "Das war Rot für Nichts", echauffierte sich Trainer Marco Unser. "Manu wollte nur den Ball aufheben. Dabei hat er den Kürnbacher Spieler einfach etwas weggeschoben", sagte Stürmer Enes Zafer, der einer der Augenzeugen war. Der Schiedsrichter hatte die Szene anders wahrgenommen – bis auf Weiteres ist Hecker gesperrt.

Es war das unschöne Ende eines Derbys, das hart umkämpft, aber meistens fair verlaufen war. Und von allen Derbys, die der VfB in dieser Saison bislang absolvierte, war jenes gegen Kürnbach das unangenehmste und unbequemste. Trotz einer guten Anfangsphase, trotz des frühen 1:0 durch Alexander Rudenko (5.) taten sich die Eppinger schwer. Vor allem als der TSV Mitte der ersten Halbzeit begann, frühzeitig zu attackieren, bekam der VfB Probleme, Konstruktives zustande zu bringen. Torwart Kai Sauer hatte zahlreiche Ballkontakte, immer wieder wurde er mit Rückpässen als Anspielstation gesucht. Es gab Pfiffe im Hugo-Koch-Stadion.

 

Schlechte erste Halbzeit


"Eppingen hatte kaum Ideen", meinte TSV-Coach Daniel Kreuzer. Marco Unser konnte nicht widersprechen. Bereits nach einer halben Stunde hatte er sämtliche Auswechselspieler zum Aufwärmen hinters Tor geschickt. Es sei ein Zeichen seiner Unzufriedenheit gewesen, gab der VfB-Trainer zu: "Es gab keinen Anschluss im Spiel nach vorne. Wir haben zu viele lange Bälle gespielt. Auch die Laufbereitschaft hat ein bisschen gefehlt."

Erst in der zweiten Hälfte, nach eindringlichen Worten in der Kabine und mit der Hereinnahme des angriffslustigen Enes Zafer, entwickelte der VfB mehr Zug zum Tor – und machte alles klar. Ben-Richard Prommer staubte nach Vorarbeit von Enes Zafer in Mittelstürmer-Manier zum 2:0 ab (64.). Mit einem Volleyschuss aus 16 Metern erhöhte Manuel Hecker auf 3:0 (77.) – eine Kopfball-Abwehr von Kürnbachs Steve Ebale hatte der VfB-Allrounder als Vorlage benutzt. Weitere Treffer verhinderte der gute Marcel Fesenbeck. Den nächsten Hecker-Schuss wehrte der TSV-Keeper ab (82.), auch gegen den durchgepreschten Prommer war er reaktionsschnell zur Stelle (84.).

 

Arbeit


Einen Sieg mit Glanz und Gloria wie gegen Rohrbach feierte der VfB dieses Mal nicht – was auch am Gegner lag. "Kürnbach hat es richtig gut gemacht. Sie hatten nicht so viel Respekt wie Rohrbach", lobte Marco Unser und fühlte sich an das 4:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar erinnert: "Es ist nicht leicht zu spielen gegen solche Mannschaften." "Es war eklig, gegen die zu spielen. Die standen mit zehn Mann nur hinten drin", fand Mirko Kirchner.

Schönheitspreise? Die will der VfB nicht gewinnen. Was zählt, sind Punkte. 29 hat er jetzt auf seinem Konto. Seit elf Spielen ist er ungeschlagen, seit 310 Spielminuten hat er kein Gegentor mehr kassiert. In der Tabelle ist er auf Platz drei geklettert – nur noch einen Punkt ist der FC Zuzenhausen und Platz zwei entfernt. "Nach dem nicht so guten Start hat sich die Mannschaft super vorgearbeitet. Wir könnten auch irgendwo im Mittelfeld stehen", erklärt Marco Unser.

VfB Eppingen: Sauer – Stötzel, Söder, Schweinfurth, Kirchner (76. Barth) – Gherman (62. Zafer), Hecker, Rudenko, Münzer (46. Hilsenbeck) – Rohr, Prommer.

TSV Kürnbach: Fesenbeck – Genc, Ebale, Wiedemann, J. Mayer (80. Jovicic) – P. Mayer (81. Sauer), Schäfer, Zengerle, Grahm, Martines – Essig.

Tore: 1:0 (5.) Rudenko, 2:0 (64.) Prommer, 3:0 (77.) Hecker.

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Hecker (VfB/90.+2).

Schiedsrichter: Björn Schumann (Igersheim-Harthausen); Zuschauer: 380.


 

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