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Neuer Trainer, alte Stärke

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Er ist glücklich, na klar. Als der Ball des Gegners an der Netzkante entlangrollt und von dort ins Aus springt, reißt Ahmad Hadi jubelnd die Arme hoch. Das war’s. Der erste Sieg des SV Sinsheim in dieser Saison. Der erste Sieg unter seiner Regie als Trainer. Lächelnd klatscht der 39-Jährige die Spielerinnen ab und bedankt sich. "Das ist der erste Schritt", sagt Hadi.

3:0. Zum Auftakt in der 3. Liga Süd haben die Sinsheimer Volleyballerinnen gleich mal kurzen Prozess gemacht und ihren Gegner, Aufsteiger TSG Bretzenheim, im Schnelldurchgang erledigt. Es war ein Spiel, das auch in der vergangenen Saison hätte stattfinden können. Die Kraichgauerinnen begannen fulminant und gewannen den ersten Durchgang mit 25:8. Dann ließen sie es etwas lockerer angehen und setzten sich nach Höhen und Tiefen mit 25:21 und 25:22 durch.
 

Applaus


Die 120 Schaulustigen in der Realschulhalle, sie sind dankbar für den Auftritt und applaudieren. Sie sind froh, dass es überhaupt noch Volleyball auf diesem Niveau zu sehen gibt. Nach dem umstrittenen Aufstiegsverzicht in der vergangenen Saison und nach dem Rücktritt des geschätzten und beliebten Trainers Waldemar Borgert standen Verein und Mannschaft vor der Zerreißprobe. Letztlich haben sich die Beteiligten wieder zusammengerauft. Bis auf Theresa Kälberer, die aus Studiengründen nach Kehl gezogen ist und nun für den VC Offenburg aufschlägt, sind alle Spielerinnen geblieben – auch jene, die den Verein hart kritisiert hatten.

Zupass kommt dem SV Sinsheim, dass er einen neuen Trainer finden konnte. Ahmad Hadi, ehemaliger irakischer Nationalspieler, hat die Mannschaft vor ein paar Wochen übernommen. Er weiß, wie es ist, Meister zu werden. Die Frauen des SV Fellbach hat er von der Landes- in die Oberliga geführt und dann von der Oberliga in die Regionalliga gehievt. "Er hat ein sehr großes Wissen", sagt Abteilungsleiter Heinz Stegmaier und betont: "Wir haben Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung. Denen können wir nicht irgendeinen Trainer hinstellen."

Um Trainer in Sinsheim zu sein, nimmt Hadi einiges auf sich. Drei Mal in der Woche fährt der Coach von Böblingen, seinem Wohnort, nach Sinsheim. Wer die A81 kennt, weiß, dass das dauern kann. Oft ist die Autobahn eine Stautobahn, auf der nichts vorwärts geht. Ahmad Hadi denkt positiv: "Wenn es gut läuft, brauche ich eine Stunde."
 

Cool


Blaue Jeans, schwarzes Polo-Shirt: In seinem ersten Spiel beim SV Sinsheim kommt Hadi locker daher. Das ist er auch. Ein cooler, unkomplizierter Typ, der mitfiebert am Spielfeldrand, die Faust ballt und mit dem Daumen nach oben zeigt, wenn ihm eine Aktion gefällt. "Er ist ein sehr freundlicher, ein sehr positiver Mensch", sagt Heinz Stegmaier und ergänzt: "Er kommt an und hat einen guten Einfluss auf die Mannschaft. Die Mannschaft zieht voll mit." Die Spielerinnen widersprechen nicht. "Etwas Besseres hätte uns gar nicht passieren können. Wir haben gut zusammengefunden. Das ist supergut", erklärt Nora Faseler, die am Samstag Geburtstag feierte. Ähnlich denkt Mittelblockerin Nora Götz: "Er kann total gut mit uns und nimmt uns so, wie wir sind. Und das Training ist immer anstrengend und sehr intensiv. Er fordert uns. Das tut uns gut."

Klar, ehrgeizig ist Ahmad Hadi auch. Und er ordnet alles dem Erfolg unter. Im ersten Spiel nahm er keine einzige Auswechslung vor. Die Mannschaft, die angefangen hatte, stand auch am Ende noch auf dem Feld. "Wichtig war, dass wir das erste Spiel gewinnen", erklärt Hadi, betont aber: "Ich brauche alle Spielerinnen." Was sein Ziel ist mit dem SV Sinsheim? Er redet nicht um den heißen Brei herum: "Wer Meister ist, will Meister bleiben. Und wir werden auch Meister. Ich will aufsteigen, die Spielerinnen wollen aufsteigen und der Verein will es auch."


 

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