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Die meisten jungen Menschen freuen sich aufs Wochenende, weil sie dann chillen und lange schlafen können. Bei Christian Utz ist das anders. Der 16-Jährige aus Flein freut sich aufs Wochenende, weil er dann endlich tun kann, was er am liebsten macht: arbeiten, mit Pferden, auch wenn er dafür früh aufstehen muss. "Ich mache nächstes Jahr die Schule fertig", sagt Christian Utz. "Ich will dann eine gute Ausbildung machen und nebenher in meinem Sport so gut werden wie möglich." Vermutlich haben nicht alle Gleichaltrigen so klar formulierte Ziele, mit Sicherheit würden sie diese nicht so überzeugend vorbringen wie der Zweite der baden-württembergischen Junioren-Meisterschaften im Springreiten. In Schutterwald glänzte er im Juli, es war sein "größter Erfolg".

Christian Utz ist mit Pferden aufgewachsen – die Gene. "Ich hatte aber die Lust verloren, bin oft runtergefallen", erinnert sich der junge Mann. "Mir hat der Biss für einen Turnierreiter gefehlt." Vor drei Jahren hat er zwei grundlegende Entdeckungen gemacht: "Ich hatte im Stall keine Angst mehr. Und ich hatte gemerkt, dass die Mädchen nach einem schauen." Der Braungebrannte startet seither richtig durch, gewinnt mittlerweile Springen der Klasse M.

Natürlich könnte er schon deutlich weiter sein, hätte er das mit den Mädchen im Stall früher herausbekommen. Aber der Schüler der St.-Veit-Werkrealschule in Flein weiß, was er kann. Und er weiß, was er will.
 

Ire als Vorbild


Utz’ Vorbild ist Jonathan Gordon. Der Ire ist 20 Jahre alt, "ich kenne ihn sehr, sehr gut. Er muss noch viel lernen." Warum nicht ein Ludger Beerbaum das Vorbild ist? "Der kann schon alles." Christian Utz weiß, dass das noch lange nicht für ihn selber gilt. Er möchte gerne in den Landeskader. Aber: "Für die Junioren bin ich zu alt, für die Jungen Reiter noch nicht weit genug." Das sieht auch Landestrainer Jürgen Kurz aus Leingarten so: "Das ist noch zu früh, muss sich noch entwickeln. Aber das kann noch werden." Arbeit ist angesagt.

Christian Utz ist viel unterwegs wegen der Reiterei. Die beiden Stuten Mori’s Casalla (neun) und Chique (sieben) stehen im Stall seines Vaters, in der Nähe von Freudenstadt – das sind 155 Kilometer einfach von Flein. Mutter und/oder Stiefvater fahren ihn. Unter der Woche kann der Hauptschüler also nicht reiten. "Nach dem Abschluss mache ich eine Ausbildung als Werbetechniker in Talheim", sagt der junge Mann. "Danach will ich meinen Vater unterstützen, wir haben einen Verkaufsstall." Mutter Miriam Utz schaltet sich ins Gespräch ein: "Wenn es nach Chrissi geht, würde er reiten, reiten, reiten." Der Sohn ergänzt: "Mein Wunsch wäre eine Bereiterausbildung. Aber was ist, wenn ich mal vom Pferd falle?" Für den Fall der Fälle wäre es eine Sicherheit, den Werbetechniker in der Tasche zu haben. Ein vernünftiger Umweg, Jugendliche können unheimlich erwachsen sein.
 

Einmaliger Fehler


Christian Utz ist ehrlich. Früh aufstehen tue er ungern, Partys auslassen ebenso wenig. Doch es müsse sein. "Der Fehler ist mir ein Mal passiert, ich war danach einfach nicht fit", erinnert er sich an die kurze Nacht. "Die Distanzen sind in der Müdigkeit untergegangen." Das kann gefährlich werden. Wenn man nur begrenzte Zeit zum Trainieren und die Turniere hat, ist es zumindest ärgerlich. Und bei einem Perfektionisten als Papa, bei dem unter anderem Timo Beck gelernt hat, sollte das auch nur ein Mal passieren. Entsprechend professionell ist das Motto des Filius: "Habe vor großen Zielen keine Angst." Große Worte.


 

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