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Hohe Begabung

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Die Kommunikation holpert noch ein bisschen. Auf dem Fußballplatz aber spielt das keine Rolle. Die Spieler der ersten Mannschaft des TGV Eintracht Beilstein verstehen sich auch so – untereinander und mit ihrem Neuzugang Hussam Moustafa sowieso. "Er ist tatkräftig dabei", sagt Spielerkollege Mario Cotura. "So, als ob er noch nie irgendwo anders gekickt hätte." Seit dem Sommer trainiert der syrische Flüchtling beim TGV – und schießt Tore für seine Mannschaft in der Kreisliga A. Einen wichtigen Ausgleichstreffer gegen Löwenstein zum Beispiel.

Mit sechs Jahren hat der 25-Jährige angefangen, Fußball zu spielen, erzählt Moustafa. "Aletehad" hieß seine Mannschaft. Seit acht Monaten lebt er in Beilstein und hat inzwischen eine Aufenthaltsberechtigung für drei Jahre bekommen. Seit Oktober lernt er Deutsch. Wo Moustafa mit seinen wenigen Wörtern nicht weiterkommt, hilft Mitspieler Orcun Poslu. "Stürmer war er schon immer", sagt der Syrer schmunzelnd. Ausgestattet hat ihn der Verein, mit Jacke, Trikot und Schuhen. "Er hat sich wirklich gesteigert", meint Cotura. "Und er gehört zu den Trainingsfleißigsten." Zweimal pro Woche – dienstags und donnerstags – spielen die Aktiven auf dem Sportplatz bei der Langhanshalle. Begonnen hat alles mit dem Beilsteiner Freundeskreis Asyl, erzählt Abteilungsleiter Günter Wanner. Der fragte an, ob die syrischen jungen Männer beim TGV mittrainieren können. "Sieben oder acht Spieler sind dabei."

Die meisten von ihnen – zwischen 30 und 35 Jahre alt – bei den Alten Herren. Im Training sei schnell klar geworden, dass Moustafa "doch ein bisschen besser kicken kann", ergänzt Cotura. Im Sommer gab es bei der ersten Mannschaft einen Trainerwechsel, einige Spieler hörten auf. "Das hat einfach gepasst", betont Wanner. Moustafa fuhr mit ins Trainingslager an den Brombachsee. Seither ist der 25-Jährige dabei. "Das ist ein gelungenes Beispiel für Integration", bekräftigt Wanner. Für die Mannschaft, wie Cotura es ausdrückt, eine Selbstverständlichkeit.

Seit wenigen Wochen hat der Syrer einen Spielerpass vom Württembergischen Fußballverband. Bis dahin war es ein langer Weg, aber Trainer Armin Reinert ließ nicht locker. Erst muss eine Anfrage an den Verband gestellt werden, bei dem ein Spieler zuletzt gemeldet war – im Fall von Moustafa die Türkei. Der Verband muss ihn freigeben. Noch komplizierter ist das Prozedere bei Minderjährigen, deren Eltern unterschreiben müssen – doch gerade die jungen Flüchtlinge sind vielfach alleine in Deutschland angekommen. Auch in der B- und C-Jugend sind Beilsteiner Flüchtlinge in die Teams integriert.

Talent

Der Trainer ist überzeugt vom Talent des jungen syrischen Fußballers. "Er verfügt über sehr gute Basics, ist technisch stark." An der einen oder anderen Stelle fehle ihm noch das Methodische. "Aber er hat uns sportlich schon wirklich geholfen." Vorbildlich aufgenommen worden sei er von der Mannschaft, meint Reinert. "Die Integration kann man sich nicht besser vorstellen." Und die Mannschaftskollegen schätzten ihn für seine ruhige, hilfsbereite Art. Ende Dezember gehen die Spieler in die Winterpause. Trainiert wird wieder ab 23. Januar 2016. "Dann wird Hussam intensiv teilnehmen", betont Reinert.

Aber auch außerhalb des Fußballplatzes unterstützen die Kollegen den Neuen im Team. Moustafa ist gelernter Möbelschreiner und war in Syrien selbstständig. Der Bekannte eines Spielers sucht händeringend nach Fachkräften. Wenn alles klappt, kann der 25-Jährige bei ihm zunächst ein Praktikum machen – und anschließend wieder in seinem Beruf für ihn arbeiten.

Ehrenamtliches Engagement

Rund 65 Flüchtlinge sind in Beilstein untergebracht. Für 2016 rechnet Bürgermeister Patrick Holl mit weiteren Asylsuchenden, wie er in der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte. Der Freundeskreis Asyl Beilstein betreut die Menschen. Die Kooperation mit dem TGV Eintracht Beilstein ist nur eine von mehreren Initiativen. Der Freundeskreis bietet jeden Freitag einen Treff im Kelter-Café an, donnerstags gibt es einen regelmäßigen Basteltreff. Im Projekt "Mobilität" statten die Ehrenamtlichen die Asylsuchenden mit Fahrrädern aus und bringen ihnen bei, sie zu reparieren.

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