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Gut angelaufen

Übersicht

Jetzt ist Struktur drin. Jetzt, wo nahezu jedes Detail verändert worden ist, passen die Schritte. Jetzt ist der Anlauf kein Zufallsprodukt mehr, sondern der so wichtige Beginn im Bewegungsbild. Über ihre Arbeit mit Trainer Tamas Kiss sagt die Hohenloherin Anna Bühler: "Ich habe vollen Respekt vor ihm. Er ist einer der Besten in Deutschland." Seit Oktober optimieren sie als Team die Talente der 18-Jährigen.


Ausrufezeichen

Weitspringen ist mehr als sprinten, springen, segeln und im Sand sitzen. Das Ergebnis in dieser Saison: 6,47 Meter. Der Bestwert von Anna Bühler als Ausrufezeichen. Auch für die U 20-Europameisterschaften in Eskilstuna, wo es das Ziel der jungen Frau von der Unterländer LG/TG Forchtenberg ist, sich in der Qualifikation (Samstag, 11.50 Uhr) fürs Finale am Sonntag (17.50 Uhr) zu empfehlen.

"Das ist wieder eine große Nummer", sagt Anna Bühler, "aber ich kann mich diesmal psychisch besser vorbereiten." Vor einem Jahr ist sie bei der WM in Eugene vorzeitig gescheitert. Auch, weil Vieles neu war. Inzwischen hat die Springerin, die von der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe gefördert wird, nicht nur das Abitur bestanden, sondern auch mehr Wettkampferfahrung.

Reifeprozesse

In Schweden scheint einzig die Rumänin Florentina Marincu mit ihren 6,79 Meter aus der Halle und einem Satz auf 6,66 Meter im Freien unerreichbar. "Mein Trainer meint, ich könnte schon eine Medaille holen", sagt Anna Bühler, "aber das ist halt auch Kopfsache. Ich muss das psychisch mit mir ausmachen." Soll heißen: Sich nicht zu massiv unter Druck setzen, sonst geht die Lockerheit verloren. Seit Montag ist die Athletin aus dem Forchtenberger Teilort Metzdorf in Schweden.

Anna Bühler hat ihre Schwierigkeiten mit dem Anlauf gelöst – und damit mächtig an Selbstvertrauen gewonnen. Dank ihrer Weite zählt sie zur jungen aufstrebenden Generation in der derzeitigen Boom-Disziplin. "Ich bin auch überrascht, dass es derzeit bei vielen so weit geht", sagt Bühler. Im Trainingslager im türkischen Belek hat die C-Kader-Athletin die Großen der nationalen Szene wie Sosthene Moguenara beobachtet – und bewundert. Ihr selbst fehlt es hauptsächlich noch an Schnellkraft und an Sprintvermögen.

Daran will Anna Bühler arbeiten. Noch intensiver. Nach dem Abi und der zehrenden Doppelbelastung mit Schule in Osterburken und Training in Stuttgart hat die groß gewachsene Springerin nun endlich mehr Zeit. Wäre da nur nicht die ernsthafte Sorge nach der beruflichen Zukunft, die die 18-Jährige seit Wochen umtreibt. Eine Ausbildung bei der Landespolizei, das ist ihr Wunsch. Der Plan: Dort eine Sportstelle zu ergattern, um auch weiterhin die enormen leistungssportlichen Anforderungen zu meistern.


Keine Reaktionen

Die Schwierigkeit aber ist, dass es auf der politischen Seite ordentlich hakt. Bereits im vergangenen Jahr ist seitens der Olympia-Stützpunkte in Baden-Württemberg über den Landessportverband (LSV) ein Anforderungsprofil für ein Programm für Spitzensportler bei der Ladespolizei eingebracht worden. Ein Jahr lang ist nichts passiert – obwohl die Leiter der Ausbildungsstellen längst parat stehen. Obendrein sind statt des nahe gelegenen Standorts Göppingen nun die weit entfernt gelegenen Orte Lahr und Biberach vorgesehen, die über keine direkte Anbindung an einen Stützpunkt verfügen. Das sorgt für Ärger.

Auch bei Anna Bühler. "Ich hatte mich darauf verlassen, aber so macht das gar keinen Sinn, da kann ich es gleich lassen. Für 2016 wissen wir auch noch nichts." Eine Ausbildung in Lahr ohne Hilfestellung für die sportlichen Ambitionen, das kommt für die Hohenloherin, aber auch für Hochspringer David Nopper und Jennifer Schwille nicht in Frage. "Wir haben nicht mal eine Begründung erhalten, warum es trotz der langen Zeit mit dem Förderprogramm bisher nicht geklappt hat", sagt Bühler. Bei einem Termin vor wenigen Wochen in Stuttgart mit Ehrungen für Polizisten hatte sie vergebens gehofft, Innenminister Reinhold Gall zu treffen.

Anna Bühlers Plan B ist es nun, vom 1. September an ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu machen. In Stuttgart. Dazu braucht sie dort aber eine Wohnung, doch die kostet viel Geld. Bühlers Heimatverein tüftelt an einer finanziellen Unterstützung, um seine beste Athletin zu halten. Doch die Zukunft ist offen.

 

 

 

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