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Kurzarbeit beim Comeback

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Das Ringerlebnis für Dominik Britsch währte am Samstagabend nur gut drei Minuten. Bereits in der zweiten Runde beendete er mit einem rechten Haken auf die Milz von Suleyman Dag seinen Comeback-Kampf. Der 29. Sieg im 32. Profikampf seiner Karriere war einer seiner leichtesten. "Mir war total egal, wer da mit mir im Ring steht. Ich wollte einfach unbedingt wieder boxen", sagte Britsch nach dem ungleichen Duell mit dem 36-jährigen Journeyman (siehe Begriffserklärung unten) aus dem niedersächsischen Sulingen.

Der eigentlich vorgesehene georgische Gegner Mindia Nozadze hatte am Freitagabend plötzlich abgesagt. Visa-Schwierigkeiten waren die offizielle Begründung. Eine Hiobsbotschaft für Veranstalter Thomas Holefeld

Britschs neuer Promoter wollte den Kampf keinesfalls absagen. Also blieb nur die Option, einen Mann für alle Fälle wie Dag zu engagieren. Der brachte zwar die Erfahrung aus 73 Profikämpfen mit, von denen er allerdings 63 verloren hatte. Ein ernstzunehmender Gegner sieht anders aus. "Ich bin trotzdem hochkonzentriert gewesen. Eine unglückliche Hand kann man immer bekommen", sagte Britsch. Nach einer zwar vorsichtig, aber dominant gestalteten ersten Runde war in den zweiten drei Minuten schnell Schluss. "Der war viel zu gut für mich", sagte Dag knapp.

Mentale Herausforderung

Im Fazit des Team Britschs spielte der Auftritt im Ring letztlich nur eine untergeordnete Rolle. "Klar musst du wieder den Weg in den Ring wagen, dich dem Publikum stellen. Das ist nach einer langen Pause natürlich eine mentale Herausforderung. Ich bewerte aber die ganze Vorbereitung der vergangenen sechs bis acht Wochen", sagte Trainer Jürgen Britsch. Und in diesem Zeitraum hat er bei seinem Sohn zahlreiche positive Entwicklungen festgestellt. "Dominik war schon im Training viel dynamischer und explosiver. Wir konnten viel mehr Schlagtraining absolvieren als früher, weil er nach der längeren Pause endlich mal keine Probleme mit seinen Händen hatte."

Die Hände sind sozusagen Britschs Achillesferse. An der linken Hand bereitete die operierte Sehne am Mittelfinger immer wieder Schmerzen. Noch weiter zurück reicht die Problematik mit der rechten Hand. Noch als Amateur ließ sich Britsch im Jahr 2006 für seinen Verein BC Heidelberg zwei Gewichtsklassen höher aufstellen, um einen ausgefallenen Teamkollegen zu ersetzen und die Chance auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu wahren. Der damals 18-Jährige gewann den Kampf, doch der rechte Mittelhandknochen wurde fortan zum Problemgebiet. "Den entscheidenden Schlag zum Sieg heute habe ich seit damals nicht mehr so von ihm gesehen", freute sich Jürgen Britsch. "Er hat die rechte Hand immer nur dosiert eingesetzt." Eine Vorbereitung ohne Verletzung, Schmerzen, Einschränkungen. Das war auch für Dominik Britsch eine Erleichterung. "Ich würde am liebsten einfach weitertrainieren und so schnell wie möglich wieder in den Ring", sagte er noch in voller Kampfmontur.

Kampf im Unterland?

In jedem Fall soll der Neckarsulmer bei der nächsten Holefeld-Boxveranstaltung im September in Koblenz dabei sein. Der umtriebige Boxstall-Chef hat aber schon weitergehende Pläne. "Einen Kampf um die deutsche Meisterschaft habe ich beim Bund Deutscher Berufsboxer bereits blocken lassen", sagt Holefeld. Ein solcher Titelkampf könnte auch im Unterland stattfinden. "Ich bin da grundsätzlich offen", sagt Holefeld.

Begriffserklärung

Ein Journeyman ist jemand, der von Boxabend zu Boxabend reist. Ein Mann auf Abruf, der die Lücken füllt, wenn jemand ausfällt. Der Journeyman verdient zwar sein Geld mit dem Boxen, plant aber keine Karriere mehr.

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