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Auf und Ab im Hügelland

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Dieser Putt ist gut, sehr gut sogar. Wie auf Schienen rollt der Ball sechs Meter bergauf und will nichts anderes als ins Loch. Plopp! Drin ist er – nach dem vierten Schlag an Bahn fünf, einem 441 Meter langen Par fünf. "Das war echt okay", sagt Paul Stiller und freut sich über das Birdie.

Golf ist ein aufregender Sport. Stiller erlebt es bei der International Matchplay-Trophy (imt) in Sinsheim, wo er derzeit abschlägt. Der 17-Jährige aus Gemmingen-Stebbach hat nicht seine besten Tage bei den Titelkämpfen und dennoch gelingen ihm immer wieder sensationelle Schläge. Es ist, als ob der hügelige Platz im Buchenauerhof seine Leistungskurve nachzeichnet: ein ständiges Auf und Ab, mit Höhen und Tiefen. An Bahn 16, die Mitglieder des GC Sinsheim ehrfurchtsvoll "Mausefalle" nennen, puttet Paul Stiller vom Vorgrün aus zum Eagle ein. An der leichten Bahn 18 donnert er den Ball dann ins Aus und muss einen Strafschlag in Kauf nehmen.

Ziel verpasst

Stiller hätte bei der imt gerne die K.o.-Runde der besten 16 erreicht, die Finalspiele Mann gegen Mann. Doch die 81 Schläge in der Qualifikation am Mittwoch haben nicht gereicht, um ins Achtelfinale einzuziehen. So spielt er in der Platzierungsrunde weiter, in der er gestern 80 Schläge folgen lässt. Die sind besser als die 81 vom Vortag, aber längst nicht das, was er sich vorstellt: "Ich bin absolut nicht zufrieden. Das kann ich besser."

An seinen Drives liegt es nicht. Stiller schlägt weit, sehr weit. Bis zu 280 Meter weit kann er den Ball raushauen, wenn alles passt. Das Problem ist das kurze Spiel – "ab 50 Meter abwärts", wie er sagt. "Da hapert es. Da muss ich noch arbeiten. Am Mittwoch habe ich einige kurze Putts nicht gemacht."

Dass es nicht immer läuft, damit kann er umgehen. Jeder, der Golf spielt, weiß: Rückschläge gehören dazu im Sport der Chips und Putts. "Es ist nichts vorgeschrieben. Jeder Schlag ist anders", erklärt Stiller. Das ist ja auch das Faszinierende daran: Irgendetwas Außergewöhnliches passiert immer. Der Golfplatz ist ein Abenteuerspielplatz, der voller Überraschungen steckt.

Stiller hat vor ein paar Jahren damit angefangen – und sehr schnell sehr viel gelernt. Er war in der Kaderauswahl des Baden-Württembergischen Golfverbandes und spielte bei deutschen Jugendmeisterschaften mit, wo ihm 2012 in Mülheim sogar ein Hole in one glückte. Mit den Herren des Golf- und Landclubs Schloss Liebenstein locht er in der Regionalliga ein und kämpft nun um die Meisterschaft. Am Sonntag steigt das Saisonfinale in Hilzhofen, die Liebensteiner müssen nur den GC Augsburg hinter sich lassen, dann sind sie oben – in der 2. Liga. "Das ist das große Ziel. Wir waren letztes Jahr schon knapp dran. Jetzt sind wir bereit", sagt Stiller und fügt hinzu: "Hoffentlich geht es uns nicht wie dem KSC."

Wie der Karlsruher SC in der Relegation am HSV scheiterte, das erlebte der KSC-Fan Paul Stiller live im Wildparkstadion mit. Die Fußball-Leidenschaft schlägt sich auch im Golfbag nieder. Stillers Driver steckt in einer Schlägerhaube mit dem Wappen von Real Madrid. "Vom KSC gibt es leider keine Schlägerhaube", grinst Stiller.

Wie ihm eigentlich der Buchenauerhof gefällt? Obwohl es von Stebbach nur wenige Minuten zum GC Sinsheim sind, hatte Paul Stiller den Platz vorher nur zwei Mal gespielt. Das aber wird sich ändern: "Ich komme wieder hierher. Der Platz ist in einem super Zustand und hat mich voll überzeugt."

 

 

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