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Enthusiasten auf Rollen

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Bernd Rumpus ist zwar ein Speedskating-Enthusiast, aber selbst für den Bundestrainer war der Juli hart. "Ich war 20 Tage auf Wettkämpfen unterwegs plus das Heimtraining. Das ist schon viel Aufwand für ein Hobby", sagt der Fleiner. Das Engagement fällt natürlich leichter, wenn die Arbeit entsprechende Früchte in Form von guten Ergebnissen trägt. So wie jetzt bei den Europameisterschaften in Österreich. Erstmals hatte der SSF Heilbronn bei den kontinentalen Titelkämpfen vier Sportler am Start. "Das allein ist schon eine tolle Leistung. Mit den Ergebnissen bin ich aber auch sehr zufrieden", sagt Rumpus.

Allen voran natürlich mit Ronja Binus, die am Montag mit drei Medaillen im Gepäck die Heimreise antreten durfte. Als beste Juniorin des deutschen Teams hat die 17-Jährige nun gute Aussichten, für die Weltmeisterschaften im November in Taiwan nominiert zu werden. "Ich bin da guter Dinge", sagt Rumpus.
Dabei liefen längst nicht alle Rennen für seinen Schützling optimal. Beim Staffelrennen auf der Bahn verpatzte Binus einen Wechsel, wodurch das deutsche Trio disqualifiziert wurde. Im 10 000-Meter-Ausscheidungsrennen war die von der Unterländer Sporthilfe geförderte Athletin in einen Massensturz verwickelt – zum Glück mit glimpflichem Ausgang.

Zeitgleich

Erst am dritten Tag der Wettkämpfe kehrte das Glück zurück. Gegen ein fast unschlagbares Trio aus Italien holte Binus über 1000 Meter Bronze – auf die Tausendstelsekunde zeitgleich mit Veronica Luciani. Noch besser lief es auf ihrer Paradestrecke, den 15 000 Metern Ausscheidung auf der Straße: Auf der nur 265 Meter langen Strecke in Innsbruck mit einer sehr engen Zielkurve holte sich die Heilbronnerin hinter Luciani Silber.

Und quasi als Wiedergutmachung für den Wechselfehler kam noch Staffel-Silber auf dem Straßenkurs hinzu – trotz eines weiteren Fauxpas’. "Beim ersten Wechsel ist meine Teamkollegin Larissa Gaiser gestürzt. Zum Glück war das Tempo anfangs nicht hoch, so dass wir wieder an die Spitze heranlaufen konnten", erzählt Binus. Italien war aber nicht zu schlagen. "Ich bin mit der EM sehr zufrieden. Meine Chancen auf eine WM-Teilnahme sind sicher nicht schlechter geworden", ist Binus optimistisch, sich im November ihren WM-Traum zu erfüllen.

Dort will auch Katharina Rumpus wieder angreifen. Von der EM kehrte die 22-Jährige studienbedingt erstmals seit Jahren ohne Edelmetall zurück. "Da mussten wir schon einmal schlucken", sagt Vater Bernd Rumpus.

Doch praktisch ohne Vorbereitung, ausgepowert von Matheprüfungen und bei nur drei Rennstarts gewinnt auch Katharina Rumpus nicht eben mal EM-Medaillen. "Bei den Frauen sind zehn Vollprofis am Start, die im Gegensatz zu Kathi im Vorfeld lange auf der Bahn und dem Straßenkurs trainieren konnten", erklärt Bernd Rumpus. Der fünfte Platz im Marathon sicherte seiner Tochter zum Abschluss aber die WM-Qualifikation, und die wichtige Mathematik-Klausur hat sie ebenfalls bestanden. "Das sind beides sehr gute Leistungen gewesen", lobt der Vater.

Stolz ist Rumpus auch auf die beiden Jungs aus seinem Verein, die bei den A-Junioren starteten. Der Kornwestheimer Patrick Reuter musste bei seinen Starts die immer etwas undankbare Helferrolle für seinen Kapitän Sebastian Mirsch einnehmen. "Patrick hat sich von Rennen zu Rennen gesteigert. Am Ende war er leistungsmäßig auf einem Level mit seinem Kapitän", sagt Rumpus.

Blinddarm-OP

Noch erstaunlicher waren die Auftritte von Fabian Dieterle. Eine Blinddarm-OP mit dreiwöchigem Krankenhaus-Aufenthalt im Juni schien einen EM-Start unmöglich zu machen. Doch der Böblinger ackerte wie verrückt, um dabei sein zu können. "Er hat sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt. Fabian liebt diesen Sport über alles. Ihm zolle ich größten Respekt " , sagt Rumpus. Der eine Speedskating-Enthusiast versteht eben den anderen.

 

 

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