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Läufer mit Handicap

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Obwohl der Startschuss noch nicht gefallen ist, kann man auf der Tartanbahn vor der Hohenlohe Halle bereits spüren, dass dies ein ganz besonderer Lauf wird: Alle-Inklusive heißt er. Hinter dem Startband springt Robin (16) aufgeregt auf und ab. Er kreischt vor Freude und klatscht in die Hände. Seine Mama wünscht ihm noch viel Glück. Für ihn und viele weitere Teilnehmer, die körperlich oder geistig behindert sind, ist es der erste große, öffentliche Lauf. Zwei Kilometer umfasst die Strecke, die am Zwinger vorbei in die Innenstadt bis zum Marktplatz führt.

103 Menschen nehmen teil, 50 davon gehören zur Offenen Hilfe, erklärt Dorothy Wolf. Sie arbeitet als Betreuerin für die Organisation. Der Startschuss fällt. Robin legt ein gutes Tempo vor. Hinter ihm gehen Menschen, die Rollstühle oder Kinderwagen schieben, einer der Teilnehmer hat seinen Hund dabei, und manch einer fährt in seinem eigenen motorisierten Rollstuhl. 

 

Pausen


Die zweite Runde auf der Tartanbahn fällt Robin dann schon deutlich schwerer. Er bleibt stehen, geht einige Meter, bevor er wieder zu laufen anfängt. Hinter ihm läuft Kreisrätin Irmgard Kircher-Wieland. Ab und zu motiviert sie den 16-Jährigen. Doch schon bald läuft er ihr davon. Kircher-Wieland blickt um sich und bedauert, dass sie nicht mehr bekannte Gesichter aus dem Gemeinderat entdecken kann. Es hätten doch alle eine Einladung bekommen.

Nach etlichen Zwischenstopps erreichen die Läufer die Innenstadt. Die jubelnden Zuschauer geben ihnen Auftrieb. Die Ersten laufen ins Ziel. Als Bernhard Krahl dort ankommt fragt er die Betreuerinnen: "Und wo kriege ich jetzt meine Lorbeeren?" Obwohl er keinen Pokal bekommt, wird er diesen Lauf nicht so schnell vergessen. "Da war ich mal im Mittelpunkt gestanden, trotz meiner Behinderung", sagt er.

 

Familienerlebnis


Der 41-Jährige berichtet, dass er Schrauben im Bein hat. "Ich hätte auch mit den Gesunden laufen können, aber dann würde ich jetzt am Boden liegen und mein Herz würde rasen", erklärt der Öhringer. So konnte er mit seiner Frau, die schon seit ihrer Kindheit behindert ist, laufen. Ein tolles Familienerlebnis ist der Lauf auch für die Grüns aus Mainhardt. Vater und Mutter konnten mit ihren drei behinderten Töchtern antreten. "Es fühlt sich toll an, wenn man angefeuert wird", sagt Mutter Karin Grün. Sie würde im kommenden Jahr wieder gerne in Öhringen laufen. "So einen Lauf könnte ich jede Woche machen", meint Bernhard Krahl. Auch Robins Mama ist stolz auf ihren Sohn, der im Ziel noch zu erledigt zum Sprechen ist. "Er wollte unbedingt ohne Mama laufen und hat es geschafft. Wir kommen auf jeden Fall wieder", sagt Silvia Renner.


 

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