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Mit Fußball zur Leselust

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Die meisten Jungen spielen schon lieber Fußball, als zu lesen. An dem Tag, an dem ein ehemaliger Fußball-Profi an der "Kicken & Lesen"-AG der Georg-Fahrbach-Schule Ingelfingen teilnimmt, fragen die Schüler ihren Lehrer: "Lesen wir heute auch wieder?" Lehrer Mathias Weber bejaht das: "So wie jeden Montag."

Denn genau das ist das Ziel des Projekts "Kicken & Lesen": Jungen bei dem packen, was ihnen Spaß macht, um sie zum Lesen zu bringen. Oft sind ihre Fähigkeiten im Lesen schlechter als die der Mädchen. Die Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt mit dem Projekt zehn Schulen im Land, eine davon ist die Georg-Fahrbach-Schule. Dort gibt es seit Februar eine wöchentliche AG mit 18 fußballbegeisterten Jungen aus den Klassen fünf bis neun.

 

Interview


Nun kam Peter Reichert zu Besuch nach Ingelfingen. Er ist ehemaliger Fußball-Profi des VfB Stuttgart und Fanbeauftragter. In der Stadthalle durften ihn Jungen, die am Projekt "Kicken & Lesen" teilnehmen, interviewen. Sie hatten sich eingelesen und fragten Reichert, ob er sich noch an sein erstes Tor erinnere und ob er auch dann VfB-Fan bleibe, wenn der Verein absteigt. Sie wollten auch wissen, was seine schlimmste Verletzung im Fußball gewesen sei: Eine Achillessehnenreizung, lautet die Antwort. Die Mitschüler waren das Publikum und durften Reichert ebenfalls ausfragen: Wie man Fußball-Profi werde, was man dann verdiene und vieles andere wollten sie wissen.

Das Projekt "Kicken & Lesen" wird von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert, zehn Schulen sind im Land mit dabei. In Württemberg ist der VfB Stuttgart Partner, im badischen Raum ist es der SC Freiburg. Für die Bewerbung musste die Georg-Fahrbach-Schule ein Konzept vorlegen: Mathias Weber erarbeitete einen Laufzettel, auf dem die Jungen jede Woche dokumentieren, was sie im Fußball und was sie im Lesen gelernt haben.

Dafür gibt es dann eine Bewertung per Smiley von Weber. Zur AG gehört außerdem, dass die Schüler Texte lesen, etwa die Biografie von Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm. Weber fragt sie hinterher ab. Die Gruppe hat aber auch schon eine Bücherei besucht und sich Fußball- und Jungen-Literatur zeigen lassen. Etwa 40 Prozent der Stunde werden ins Lesen investiert. Alle teilnehmenden Schulen dürfen ihre Schüler in die Fußballschule des VfB schicken. Die Baden-Württemberg-Stiftung hat unter anderem Trikots und Bälle gespendet, aber auch einen Geschwindigkeitsmesser. Weber sagt, er habe den Ball einmal mit 92 Stundenkilometern durch die Halle geschossen.

 

Endlich kicken


Nach dem Interview mit Peter Reichert setzen sie sich in der Turnhalle zusammen. Zu Beginn liest der elfjährige Tim, der in die 5. Klasse geht, einen Text über den ehemaligen VfB-Stürmer Mario Gomez vor. Danach dürfen die Jungs endlich Fußball spielen – und Reichert spielt natürlich mit. Diejenigen, die gerade nicht dran sind, lesen eine Fußballzeitschrift. Mitte Mai geht es nach Hollenbach zum Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Zum Abschluss des Projekts im September dürfen die Jungen dann mit ihren Eltern ins Stadion in Stuttgart.


 

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