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Über alle Hindernisse hinweg

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Wurzeln, Brücken und Schanzen: Wer die neue Freeride-Strecke im Heilbronner Stadtwald mit dem Rad hinuntersaust, muss einige Hindernisse bewältigen. Die Mountainbiker hatten bis zur Freigabe auch vielerlei Hürden zu überwinden.

"Der Weg war steinig", blickt Bernd Bührer bei der feierlichen Eröffnung der Abfahrtsstrecke zurück. Der Sprecher des DAV-Vorstands verweist auf fast drei Jahre Vorlaufzeit. Es folgten Gespräche, Arbeitsgruppen und ein runder Tisch. Bedenkenträger gab es zuhauf. Der gesamte Heilbronner Wald gehört zum europäischen FFH-Schutzgebiet, Wanderer und Jäger wollen keine Radler in ihren Bereichen. Und es gilt in Baden-Württemberg ein besonders rigides Waldgesetz, das Radfahren auf schmalen Wegen grundsätzlich untersagt. Allerdings lässt es ausdrücklich Ausnahmen zu, wenn das Forstamt vor Ort grünes Licht gibt.

 

Der Deal


Den Durchbruch für das vom Forstamt vorgeschlagene Waldstück brachte schließlich ein Naturschutzgutachten. Die Heilbronner Sektion des Deutschen Alpenvereins investierte dafür mehrere Tausend Euro. Das Gutachten bescheinigte, dass für Flora und Fauna keine Schäden zu erwarten seien. "Wir wollten die Jugendarbeit unterstützen", begründet Bernd Bührer den Einsatz des DAV. Besonders bedankt er sich bei der früheren Forstrevierleiterin Dr. Gunda Rosenauer. Sie hatte vor Jahren die Initiative ergriffen, Forstamt und Biker an einen Tisch zu bringen. Daraus erwuchs der Deal: Die Mountainbiker verzichten auf illegale Streckenbauten kreuz und quer im Wald, meiden empfindliche Wege und respektieren Verhaltensregeln. Dafür bekommen sie legale und attraktive Strecken im Wald.

 

Attraktiv


So wie die neue Freeride-Strecke. "Wir wollen die Jugend einsammeln, die hier im Wald unterwegs ist", setzt Joachim Thonig auf die Anziehungskraft der neuen Strecke. Der Leiter der DAV-Mountainbikegruppe stellt die neue Strecke vor. "Hier haben die Jungs Totholz zusammengeklaubt und mit Erde verdichtet", erklärt er, wie eine Steilwandkurve entstanden ist. Alles Handarbeit auf dem 700 Meter langen Trail. "Keine Maschinen, keine Bagger", erzählt Thonig stolz.

Aus Wurzeln werden Rampen, aus Baumstümpfen Schanzen. Zwei große Exemplare gibt es bisher. Die Cracks springen hier bis zu sieben Meter weit. Wem das zu heikel ist, der folgt dem blauen Pfeil und fährt um das Hindernis herum – der "Chickenway" (Hühnerweg) wie die Könner lästern. Dass im Winter Wochenende für Wochenende selbst bei miesem Wetter immer acht bis zehn Leute an der Strecke geschuftet haben, hat Thomas Kappel gefreut. Er hat die Arbeiten zusammen mit Joe Kegel koordiniert.

 

Downhill


Und sie haben Ausbaupläne. Der Freeride-Trail soll aufgepeppt werden. Parallel im Wald zeichnet sich die Downhill-Strecke ab, die im Herbst fertig sein soll. Steiler, schneller, schwieriger – für die, die ihr Rad perfekt beherrschen. Stephan Drescher, Nachfolger von Gunda Rosenauer als Revierleiter des Forstamts Heilbronn-Ost, sieht die Arbeiten mit Wohlwollen: "Ich bin ganz begeistert, wie die Strecke in den Wald eingebettet ist."

Größtenteils seien die wilden Strecken schon zurückgebaut. Drescher glaubt an den Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen: "Ich denke, dass dies funktioniert." Auch Joachim Thonig ist zuversichtlich. Nicht nur in Bezug auf die Strecke, sondern auch mit Blick auf die Verhaltensregeln, die im Heilbronner Wald an vielen Stellen auf Schildern nachzulesen sind. "95 Prozent halten sich daran", schätzt er. Einzelne Rücksichtslose nicht ausgeschlossen – "wie im Straßenverkehr".

 

Nur Mitglieder


Wer auf der neuen Strecke fahren möchte, muss aus versicherungstechnischen Gründen DAV-Mitglied sein. Der Jahresbeitrag kostet für Jugendliche 13, bis 25 Jahre 26 und für Erwachsene 70 Euro. Familien zahlen 99 Euro.


 

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