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Die schnellste Sportart auf zwei Beinen

Übersicht

Wieder nur Laub. Vergeblich suche ich in der Auffangtasche meines Lacrosseschlägers nach dem weißen Gummiball – stattdessen finde ich jede Menge gelbe Blätter. Die erfahreneren Spieler trainieren weiter abseits im Schein der Flutlichtanlage schon Wurf- und Fangübungen. Ich bin immer noch mit der nicht ganz einfachen Aufgabe beschäftigt, den am Boden liegenden Ball im Vorbeirennen in das Netz meines Sticks zu schaufeln. Für die schnellste Sportart auf zwei Beinen, als die Lacrosse gerne bezeichnet wird, braucht ein Neueinsteiger offenbar erstmal Geduld. "Nicht mit den Händen aufheben", ermahnt mich Coach Alberto und fügt grinsend hinzu: "sonst setzt es zehn Liegestütze."

Wie einige seiner Heilbronner Teamkollegen kam Alberto Hoffmann erstmals in den USA mit Lacrosse in Berührung. In der elften Klasse ging er für ein Jahr nach North Carolina. Nach Fußball und Skisport zog es ihn im letzten Trimester eigentlich auf den Tennisplatz. Doch ein amerikanischer Mitschüler ließ nicht locker, versuchte den Deutschen ständig zu Lacrosse zu überreden. Schließlich siegte die Neugier. "Dann hat er mir einen Stick in die Hand gedrückt und wir haben Passen geübt." Seitdem ließ ihn das Spiel nicht mehr los. "Es ist ein sehr schneller, sehr körperbetonter Sport, der extrem viel Spaß macht", schwärmt der 24-Jährige.

Spielweise

Das Grundprinzip von Lacrosse klingt vertraut: Auf einem Platz in der Größe eines Fußballfeldes kämpfen zwei Mannschaften mit jeweils zehn Spielern darum, den Ball ins gegnerische Tor zu werfen. Die Tore stehen allerdings nicht am Ende des Spielfelds, sondern jeweils etwa zwölf Meter eingerückt auf dem Feld. Den Ball vom Boden aufheben, ihn werfen, fangen und mit ihm laufen – für all das dürfen die Spieler nur ihre Sticks verwenden. Und weil der faustgroße Ball mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometer durch die Luft saust und im Gerangel auch Bodychecks und Schläge auf den Stick erlaubt sind, tragen die Spieler eine Schutzausrüstung. Mit Helm, Ellenbogenschoner und Handschuhen bin ich ja versorgt, aber tragen nicht alle anderen noch einen Tiefschutz? Als nächstes stehen jedenfalls Mann-gegen-Mann-Spielzüge auf Albertos Trainingsplan.

"Früher bereiteten sich die Indianer mit Lacrosse auf den Krieg vor", klärt mich der Wahlheilbronner auf. Anfang des 20. Jahrhunderts noch Olympische Disziplin, verlor das Mannschaftsspiel ab den 1950ern an internationaler Bedeutung. Hauptsächlich an amerikanischen Colleges hielt sich das Ballspiel. Seit einigen Jahren fasst Lacrosse auch hierzulande im Umfeld von Hochschulen wieder Fuß.

Als Alberto im August letzten Jahres von Mannheim nach Heilbronn zog, setzte er sich ein Ziel: "Ich möchte hier was aufbauen." Drei Jahre lang hatte er zuvor während seines Studiums in der Quadratestadt in einem Team gespielt, war bei der EM 2014 für die spanische Nationalmannschaft mit am Start. Kaum in Heilbronn angekommen, schickte er eine Mail an die Hochschule, ob sie sich vorstellen könne, Lacrosse im Hochschulsport anzubieten. Sie konnte.

Heilbronner Anfänge

Bereits zum Wintersemester trainierten jeden Donnerstagabend zehn Studentinnen und Studenten in einem gemischten Team. Der Deutsche Lacrosseverband lieh den Sportlern Sticks und Bälle. Das Tor finanzierten sie mittels Spenden. Immer mehr Externe stießen dazu. Inzwischen kümmert sich Albertos Trainerkollegin Nadine Pinner um die Frauenmannschaft.

Nun gelang es den Teams außerdem dienstagabends Trainingszeiten bei der TSG Heilbronn zu bekommen. "Wir möchten eine eigene Lacrosse-Abteilung bei der TSG gründen und uns damit beim Deutschen Lacrosseverband melden", umreißt Alberto die weitere Marschroute. Im nächsten Jahr soll dann der Einstieg in den Ligenbetrieb folgen. Für heute reicht es jedoch. Nach zwei Stunden Training versammeln sich alle für ein dreifaches "Cheer" – und Bier. Eine der leichtesten Übungen des Abends.

Trainingszeiten

Die Heilbronner trainieren dienstags (20 Uhr, Rasenplatz der TSG Heilbronn) und donnerstags (20 Uhr, Sporthalle Justinus-Kerner-Gymnasium).

 

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