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Die Bundesliga-Geschwister

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Die Nachbarn in Sontheim brauchten Ende der 90er Jahre sicher gute Nerven, wenn die Geschwister Gröger am heimischen Garagentor Sprungwürfe übten. Das Handball-Gen bekamen Tim und Annika praktisch in die Wiege gelegt – Mama Birgit war für beide beim TV Flein die erste Trainerin. Heute spielen die Geschwister A-Jugend-Bundesliga. Die 17-jährige Annika bei der SG Schozach-Bottwartal, der eineinhalb Jahre ältere Tim als Kapitän beim TSB Horkheim. Eine ungewöhnliche Konstellation.

"Wir führen schon einen kleinen familieninternen Konkurrenzkampf", verrät Annika. Allerdings immer mit der angemessenen geschwisterlichen Rücksicht. Da ist besonders der große Bruder gefragt. "Natürlich kritisiere ich nicht zu hart. Wir können uns aber gut über unsere Spiele unterhalten und geben uns gegenseitig Tipps", sagt Tim. Immer wenn es zeitlich passt, schauen sie sich die Spiele des anderen an. "Bei den Jungs geht es brutaler zur Sache. Das Spiel ist sehr athletisch", sagt Annika.

Comeback absehbar

Auf Tipps seiner Schwester muss der 18-Jährige zurzeit allerdings verzichten. Ausgerechnet im ersten Bundesliga-Heimspiel Ende September erlitt der Spielmacher einen Kreuzbandanriss, ist seitdem zum Zuschauen verdammt. "Leider habe ich bisher nur das eine Mal das Einlaufen vor 400 Zuschauern in der Stauwehrhalle erlebt. Das will ich unbedingt wieder." Ende November in Pforzheim will der Maschinenbaustudent sein Comeback feiern. Noch ohne den Kapitän gelang den Horkheimern nach vierwöchiger Spielpause am Sonntag ein überraschender 31:28-Sieg gegen den bis dato Tabellenzweiten SV Zweibrücken.

Annika Gröger war mit der SGSB beim Bundesligaspieltag in Ketsch. Dort gab es gegen die Gastgeber und Bayer Leverkusen zwar zwei Niederlagen, die letztlich aber unbedeutend waren, weil der Einzug in die Runde der besten 16 Teams bereits feststand. "Gegen den deutschen Meister Leverkusen haben sie nur ganz knapp verloren", war Tim Gröger am Sonntag in Horkheim bestens informiert, was gerade in Ketsch vor sich ging. Während der Qualifikationsturniere im April und Mai lief das ähnlich. "Jeder hat dem anderen den Sprung in die Bundesliga gegönnt. Ich war sehr froh, dass wir auf den letzten Drücker nachziehen konnten", sagt Annika. Vielleicht hätte sonst der Familienfriede ein wenig gelitten. "Sie hat mir schon immer nachgeeifert, ist ehrgeizig und hat großen Biss", sagt Tim über seine Schwester.

Lob für Eltern

Beide betonen, dass ihre Handball-Karrieren ohne die Unterstützung der Eltern Birgit und Jörg nicht möglich gewesen wäre. "Sie haben immer 100 Prozent hinter uns gestanden. Allein wegen der ganzen Fahrten zum Training und zu den Spielen. Zum Glück fällt das inzwischen weg", sagt Annika. Seit März hat ihr Bruder den Führerschein und ein eigenes Auto.

Die Karrierefahrt soll für beide im Aktivenbereich weitergehen. Annika hat in der Vorbereitung bei den Neckarsulmer Zweitliga-Frauen mittrainiert, ihr Bruder in dieser Saison sein Drittliga-Debüt beim TSB gefeiert. "Klar ist Horkheim mein erster Ansprechpartner", sagt Tim. "Ich konzentriere mich jetzt zuallererst auf mein Abitur und habe ja noch ein zweites A-Jugend-Jahr vor mir", sagt Annika. Beide trauen sich zu, mindestens Drittliga-Niveau zu erreichen. Gegenseitig angestachelt ist vielleicht sogar noch mehr möglich.

 

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