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Sport lässt die unsichere Zukunft vergessen

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Die gelbe Kugel rollt auf der glatten Bahn, sie sucht sich ihren Weg und lässt sechs Kegel fallen. Alamdar Hussain freut sich – ein guter Wurf. Der junge Pakistani lebt seit Mai in Weinsberg. Der Sport ist eine willkommene Abwechslung für ihn.

Bei Zulfiqar Hussain, seinem Mitbewohner in der Öhringer Straße, läutet auf der Nebenbahn die Glocke, die Anzeige blinkt. Alle Neune sind gefallen. Das gibt begeisterten Beifall der Kegler. Elisabeth Germann, Abteilungsleiterin der Kegelabteilung des TSV Weinsberg, freut sich mit. Jeden Montagnachmittag öffnet sie die Kegelanlage am Stämmlesbrunnen für die Flüchtlinge in Weinsberg.

Heute sind zehn gekommen. Die Gruppe aus Pakistan ist dabei, syrische Flüchtlinge vom Lindich und die albanische Familie. Elton spielt mit seinem Vater Sami Bala im Team. Sein verschwitztes T-Shirt zeigt, er ist ganz dabei. "Es ist gut", meint der Dreizehnjährige. Für zwei Stunden wird beim gemeinsamen Sport die unsichere Zukunft vergessen. Wird vergessen, ob der Asylantrag genehmigt wird, ob es der Familie im Heimatland gut geht.

Talente

Elisabeth Germann stellt Getränke auf den Tisch und erklärt die Handhabung der Anlage. Sie spricht deutsch und irgendwie wird sie verstanden. Die Kegler können für sich trainieren oder in der Gruppe spielen. Dabei spielt die Nationalität keine Rolle. "Wir haben momentan keine Mannschaft im Verein", sagt die Abteilungsleiterin. Vielleicht bilde sich ja eine neue Mannschaft mit den jungen Männern, wenn sie länger hier bleiben. "Talente sind dabei", sagt sie. Nach ersten Gesprächen, wie man Flüchtlinge in Weinsberg integrieren könne, wurde sie aktiv. Sie hilft ihnen im Alltag, holte sie anfangs zum Kegeln ab. Jetzt kommen sie selbständig mit dem Fahrrad.

Adham Assaf ist sofort nach dem Deutschunterricht auf die Kegelbahn gekommen. Bereits zum zweiten Mal rollt der Syrer die Kugel. "Mehr Power" bräuchte er noch, meint er lächelnd. 15 Kegler sind jetzt beim TSV angemeldet und versichert. Den Beitrag bezahlt der Verein, auch für die Fußballer aus den Reihen der Asylsuchenden. Die Gruppe um Marc Esslinger startet demnächst. Der Torwarttrainer beim TSV Weinsberg engagiert sich hier.

Freundschaftlich

Ute Schulz-Kuhnt ist immer am Donnerstagabend in der Mühlrainturnhalle anzutreffen. Dort sind ebenfalls Ballspiele angesagt. "Da könnte ich noch junge Weinsberger Männer gebrauchen, die mitmachen", sagt die Übungsleiterin des TSV.

Sie engagiert sich auch beim Deutschunterricht. "Mir ist es wichtig, dass wir die Menschen freundschaftlich aufnehmen", sagt sie. "Sport führt zusammen, Sport macht Spaß, Sport kann jeder", meint der Vorsitzende des TSV Weinsberg, Helmut Deininger. "Der Verein unterstützt hier jede Aktivität." Er rechne dies hoch an, wenn sich Menschen ehrenamtlich engagierten. Die Kugel in der Anlage am Stämmlesbrunnen rollt unterdessen munter weiter. Gute Würfe werden bejubelt, über "Pudel", die an der Bande landen, wird gelacht. Die Stimmung ist gut.

 

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