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Schlag auf Schlag nach vorne

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Eine dicke Wolkendecke hängt über dem Bootshaus der Union Böckingen. Die Temperaturen liegen lange nicht mehr im zweistelligen Bereich. Ein kühler Wind fegt über das weitläufige Areal. Und doch haben die Kanuten ihre Boote noch nicht in die Winterpause geschickt. "Die Wettkämpfe gehen zwar erst im Frühling wieder los, doch jetzt, wenn es draußen kalt ist, wird am härtesten trainiert – sechsmal die Woche, auch auf dem Wasser, da muss man schon hart sein", sagt Greta Köszeghy schmunzelnd. Ihre breiten Schultern wippen. Nach einer extrem erfolgreichen Saison fällt der 15-Jährigen das Lachen leicht.

Siegreich

16 Athleten aus der Region gingen Ende August bei den deutschen Kanumeisterschaften ins Wasser. Sieben davon stellte die Union. Dort holte Köszeghy vier Siege und zählte zu den erfolgreichsten Teilnehmerinnen unter den etwa 1000 Sportlern. Aber auch ihre Vereinskollegen und die Kanuten der Neckarsulmer Sport-Union (3) und der TSG Heilbronn (6) zeigten starke Leistungen.

"Wir haben hier tolle Möglichkeiten, auch den ganzen Winter über", sagt die ehemalige Olympionikin Marion Lachmann. Die 63-Jährige Rentnerin ist Cheftrainerin bei den Böckingern. Der Kanurennsport am Stützpunkt Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren nicht zuletzt dank ihr prächtig weiterentwickelt. Ewig wird sie aber nicht weitermachen können: "Im Prinzip ist bei uns die ganze Woche Betrieb, nur sonntags ist es etwas ruhiger. Eigentlich will ich schon etwas kürzer treten, aber es ist schwer, jemanden zu finden, der das komplett übernehmen will." Der Trainernachwuchs sei zwar da, richtig am Anlaufen sei das Ganze aber noch nicht. "Die Elternteile haben teilweise eine Ausbildung als Übungsleiter gemacht und die steigen dann mit ein und helfen."

Doch nicht nur deshalb kommt den Eltern der jungen Athleten eine wichtige Aufgabe zu. "Ich bin auch Chauffeur", sagt Greta Köszeghys Vater lachend. Schließlich müssen die Gymnasiastin und ihre Geschwister Zoe und Leander, die ebenfalls beide im Boot sitzen, aus Bad Friedrichshall ja irgendwie nach Böckingen kommen. Die Zeit überbrückt der Papa, indem er sich selbst im Kajak versucht. Seine Kinder paddeln ihm dabei allerdings spielend davon.

Funktional

Stützpunktleiter Volker Jung verrät augenzwinkernd: "Man muss den Eltern da schon ein bisschen was an die Hand geben. Sie selbst mal ins Boot setzten, oder ihnen anbieten, ums Bootshaus zu joggen – dann funktioniert das."

Auch mit Marion Lachmann funktioniert es richtig gut, findet er: "Sie ist für uns fachlich und menschlich ein echter Glücksfall. Ihre Handschrift zeigt sich immer mehr und der Erfolg gibt ihr recht." Einen Nachfolger für sie zu finden, sei aber nicht so leicht wie im Fußball oder Handball. Zu rar seien mögliche Kandidaten dafür gesät. "Aber uns ist auch klar, dass wir nicht bis zum Tag X warten dürfen", sagt Jung.

 

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