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Von Reck und Barren zum Fußballplatz

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Einst wirbelte er bei Europa-und Weltmeisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen in Seoul für seinen Heimatverein SV Leingarten um die Reckstange und über die Bodenmatte – heute sitzt er an Samstagen auf der Ersatzspielerbank im Fußballstadion. Die Rede ist von Dr. Ralph-Ingo Kern, einem der besten deutschen Kunstturner von 1982 bis 1996.

Orthopäde

Kern ist heute Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Limburg/Lahn. Als Turner nahm er unter anderem an drei Weltmeisterschaften und vier Europameisterschaften teil. 16 deutsche Meistertitel stehen in seiner Bilanz. Weil er es "super" fand, "wie unsere Ärzte uns all die Jahre betreut haben", entschloss sich Kern zum Medizinstudium in Frankfurt. Dort war er später Verbandsarzt des Deutschen Turnerbundes und betreute den Basketball-Bundesligisten Skyliners Frankfurt.

Mannschaften aus der Fußball-Hessenliga (RSV Würges) vertrauten seiner ärztlichen Kunst, zumal er Anhänger der klassischen und konservativen Orthopädie ist, die nicht gleich zum Messer greifen will. Heidelberger Kollegen empfahlen Kern vor einigen Monaten der TSG Hoffenheim. Dort betreut er jetzt die in der Regionalliga spielende U 23 und schwärmt von den Bedingungen im Trainingszentrum Zuzenhausen und vom Teamgeist innerhalb des Trainer- und Funktionsteams.

Warum führte ihn der Weg vom Reck und Barren auf den Fußballplatz? "Sportler ist Sportler. Ich habe das Ziel, dass die Spieler gesund sind und ihre Leistung abrufen können." Dass ihm dies in Hoffenheim gelingt, ist spürbar. Kern spricht die Sprache der Spieler. Sie vertrauen ihm und seiner Fähigkeit, eine schnelle und korrekte Diagnose zu stellen. Kern praktiziert im Trainingszentrum Zuzenhausen im Arztzimmer von Dr. Thomas Frölich. Der ist eine Kapazität auf dem Gebiet der Sportorthopädie und Sporttraumatologie und amtierender Teamarzt der Bundesligamannschaft. Dass Thomas Frölich und Ralph Kern gut miteinander können, ist bekannt.

"Ich fühle mich bei meiner U 23 pudelwohl. Ich kann mit allen Spielern gut, und als Kind des Leistungssports will ich den Jungs helfen, immer besser zu werden," beschreibt Mediziner Kern seine Motivation. Seine Spieler wissen sich bei ihm in besten Händen.

Manchmal kommen bei Ralph Kern Erinnerungen an frühere Zeiten. Wenige Tage nach den Feierlichkeiten zum 25. Geburtstag der Deutschen Einheit erinnert sich Kern: "Wir waren fixer als Kohl und de Maiziere am 3. Oktober."

Das wiedervereinte deutsche Kunstturn-Team startete nämlich drei Tage vor der offiziellen Einheit beim Kunstturn-Masters 1990 in München gegen die UdSSR und USA. Schirmherr war Wolfgang Schäuble und gespielt wurde Beethovens Ode "Freude schöner Götterfunken" , als die jungen Sportler einzogen und noch gar nicht die historische Tragweite dieses Wettkampfes begriffen. Einträchtig standen sie in einer Linie wie selbstverständlich. Vorbei die Zeit, in der für private Kontakte mit dem einstigen Klassengegner härteste Konsequenzen drohten.

Patzer

Zwei Jahre zuvor hatte die DDR bei den Olympischen Spielen in Seoul die Silbermedaille gewonnen. "Wir waren Zwölfte," erinnert sich Kern. Ein Patzer an seinem Paradegerät Reck hatte ihn um den Einzug ins Finale gebracht. Drei Jahre später wurde er bei der WM in Indianapolis für sein Olympia-Pech entschädigt: Er gewann Bronze mit der deutschen Nationalmannschaft.

Der frühere Reckweltmeister Eberhard Gienger ist der Mensch, der Ralph Kern nachhaltig geprägt hat. Noch heute gehört Ralph Kern zum Show-Team des populärsten deutschen Turners. Und weil diesen auch das eine oder andere Wehwehchen plagt, hat das Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestages seinen Besuch in Zuzenhausen signalisiert.

Die familiäre Bande nach Leingarten ist bestens. Dass das vom SV Leingarten geplante Bewegungszentrum gestoppt wurde, bedauert Kern. Seine geplante Patenschaft kam daher nicht zustande.

 

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