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Der Talentschuppen

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Es wird laut in der ehemaligen Viehauktionshalle am Volksfestplatz in Crailsheim. Gerade hat Trainer Kai Buchmann noch Anweisungen gegeben, jetzt dröhnt wieder das Trumpfen der Basketbälle durch das Trainingszentrum der Crailsheim Merlins. In Dreiergruppen üben die hoch aufgeschossenen Jugendbundesliga-Basketballer Körbe werfen. Es gewinnt die Gruppe, die zuerst sechsmal in Folge trifft. Aus diesen Jungen sollen einmal Basketballprofis werden. Mit dabei drei Jugendliche aus Neckarsulm: Die Brüder Stefan und Mihailo Vasovic sowie Alexander Rib.

Zwar steht auch bei den Merlins die Profi-Mannschaft im Vordergrund. Immerhin kämpft die um den Wiederaufstieg in die erste Basketball-Bundesliga. Aber Merlins-Manager Martin Romig betont: "Die Nachwuchsarbeit ist Teil unserer Identität.“

Das Team der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) ist eines von zehn Nachwuchsteams der Crailsheimer. Die ehemalige Viehauktionshalle ist das Trainingszentrum der Merlins und praktisch rund um die Uhr belegt. Über Kooperationen mit Vereinen und Schulen versuchen Romig und seine Kollegen, Basketball-Nachwuchs zum Verein zu bringen. Bei drei jungen Talenten aus Neckarsulm hat das geklappt: Die Vasovic-Brüder und Alexander Rib gehören zum Kader der JBBL-Mannschaft. 

Auch wenn die Merlins nach zwei Jahren in der 1. Bundesliga mittlerweile wieder in Liga zwei spielen, sind sie zusammen mit den Riesen Ludwigsburg in Sachen Basketball das Aushängeschild in der Region. Die gute Nachwuchsarbeit der Crailsheimer bleibt auch auf Bundesebene nicht unentdeckt. Und so schaut Nachwuchsbundestrainer Kay Blümel im Trainingszentrum vorbei. "Die finanziellen Mittel bei Alba Berlin oder dem FC Bayern München sind natürlich andere, aber für das Volumen ist es toll, was hier geleistet wird“, zeigt sich Blümel beeindruckt.

Besonders wichtig aus seiner Sicht: das Internat. In Kooperation mit der Schlossschule Kirchberg bieten die Merlins jetzt drei Internatsplätze für besonders talentierte Nachwuchsspieler an. Einen davon hat der 15-jährige Stefan Vasovic aus Neckarsulm bekommen. "Das ist total praktisch“, sagt der 1,96-Meter-große Shootingguard. "Ich muss jetzt nicht mehr pendeln.“ Für jedes Training eine Stunde hin, eine Stunde zurück hieß es für Vasovic bisher. Auch wenn die Kosten der Verein übernahm, die Zeit fehlte. 

Finaler Schritt

Bevor "Stevko“, wie er von seinen Kollegen genannt wird, nach Crailsheim kam, spielte er zwei Jahre für die Neckarsulmer Sport-Union. "Aber mein Trainer dort hatte wenig Lust und ich wollte weiterkommen.“ Dann kam das Angebot von den Merlins. Dort bekam er nicht nur motivierte Trainer, sondern hat sogar schon die ersten Minuten Einsatzzeit im Regionalliga-Team der Merlins. "Er hat den finalen Schritt geschafft und ist ein Kandidat für die Jugendnationalmannschaft“, lobt ihn Kai Buchmann, Cheftrainer der zweiten Mannschaft und des JBBL-Teams. 

"Micky und Alex sind Talente“, sagt Buchmann über die beiden anderen Neckarsulmer. Mihailo Vasovic, genannt Micky, ist mit 13 Jahren bereits 1,88 Meter groß. Auch sein Idol der Serbe Boban Marjanovic ist mit 221 cm ein ganz Großer. Gemeinsam mit Alexander Rib greift Mihailo Vasovic mehrmals die Woche auf den Fahrservice der Merlins zurück. Doch die beiden 13-Jährigen wissen die Zeit zu nutzen: "Ich habe immer Lernsachen dabei oder wir fragen uns gegenseitig ab“, erklärt Alex Rib. 

Fahrservice, vier hauptamtliche Jugendtrainer und ein stetig wachsendes Trainingszentrum – Nachwuchsarbeit ist teuer. Rund 300.000 Euro investiert Crailsheim pro Jahr. "Es geht nicht nur darum den perfekten Basketballer zu holen“, erklärt Manager Romig, "es geht auch darum, junge Menschen an den Sport heranzuführen und der Fußball-Monotonie Einhalt zu gebieten.“ Der Verein will sich in der Region etablieren – und dabei neben Nachwuchsspielern auch Fans und Ehrenamtliche gewinnen. 

Klares Ziel

Für die Jungs aus Neckarsulm ist das Ziel klar: Sie wollen Basketballprofis werden. "Ich möchte in die NBBL und international spielen“, sagt Stevko Vasovic. Und ergänzt mit einem Blick zu Manager Romig: "Natürlich gerne bei den Merlins.“ Auch sein Bruder und Alexander Rib träumen von der Profi-Karriere. Man sage, dass es von 100 Nachwuchsspielern einer schaffe, sagt Trainer Kai Buchmann. "Aber in unserem JBBL-Team haben fünf bis sechs eine realistische Chance.“ Aus der Viehauktionshalle ist längst eine riesiger Talentschuppen geworden.

 

 

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