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Künstler im Schnee

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Am Abend geht nichts mehr. Die Glieder sind müde, der Kopf ist es ebenso. Die körperliche Anstrengung, die mentale Ausdauerleistung, die Arbeit bei Wind und Wetter. Was leicht aussieht, ist häufig besonders schwierig. "Die vergangenen Tage war das Programm immer so, dass ich nach dem Berg zu nichts mehr fähig war“, sagt Ole Pavel. Auch Freigeister üben hart für ihre Kunst. 

Dieser Typ liebt die Herausforderung. Und Schnee ist sein Ding. Der Fleiner, der schon als Bub das Alpinfahren gelernt hat, kommt übers Snowboarden zum Freeski. Slopestyle und Big Air – hier tobt er sich aus, macht Grenzerfahrungen, ist kreativ.

Diese Freiheit genießt der 20-Jährige. Mal ist der Parcours sein Raum, wenn er zwischen Schanzen und Geländern seine Elemente kombiniert und Tricks präsentiert. Beim Big Air ist die große Schanze seine Bühne.

Im Wettkampf wertet die Jury Style, Schwierigkeit, Höhe des Tricks und die Landung. "Ich fahre kreativer, oft eine andere Linie“, sagt Ole Pavel. Mit stylisher Strickmütze und Sonnenbrille passt der junge Mann, der seit Oktober im Fernstudium Sportmanagement studiert, ins klischeebehaftete Bild der coolen Freeski-Freaks.

"Das hat sich extrem verändert“, sagt Ole Pavel auch mit Blick auf die Zugehörigkeit zum Deutschen Skiverband (DSV). "Die Urgesteine haben noch Partys gefeiert, getrunken und sind Ski gefahren. Doch das ist ein extrem strapaziöser Sport, körperliche Leistung auf höchster Ebene, eine Gratwanderung zwischen lebensmüde und riskant. Das sind coole Typen, die alle immensen Ehrgeiz haben.“

Kämpfertyp

Wie er. Nach dem Abitur will Ole Pavel reisen. Doch in Kanada verletzt er sich bei Filmarbeiten. Das Kreuzband ist gerissen, das Innenband, beide Menisken sind kaputt. Eine Welt bricht zusammen. Eine Woche lang heult er, fällt in ein Loch. "Früher hat es mir in die Karten gespielt, einen lockeren, lässigen Sport zu betreiben“, sagt Ole Pavel, "doch die Verletzung hat etwas bewirkt, denn der Grad der Verletzung war kein Spaß mehr.“ Der Kämpfer in ihm beißt sich durch.

Acht Monate Reha. Schinderei am Olympiastützpunkt in Stuttgart mit den Turnerinnen Kim Bui und Kim Janas, damit das Knie wieder belastbar wird. Eine Leidenszeit. In der vergangenen Saison bleiben dem begeisterten Surfer und Skater gerade mal drei Monate, um sich langsam wieder ranzutasten. "Ich sage nicht, ich will Profi werden, ich sehe die Sache realistisch, bin auf dem Boden“, meint Pavel, der einst auch beim FC Union Heilbronn, im DFB-Stützpunkt und in der württembergischen Auswahl Fußball gespielt hat. Er wählt die Kompromisslösung: Studium und Sport. 

Die Prime Park Session auf dem Stubaier Gletscher ist "sehr gut gelaufen“, meldet Ole Pavel, "die ersten beiden Wochen sind perfekt gewesen, um sich wieder an Kicker und Airtime zu gewöhnen.“ Hier trifft sich die Weltelite, hier beäugen und bestaunen sie sich gleichermaßen. Hier geht es darum, sich zu messen und doch seinen eigenen Stil zu performen.

Auch für Ole Pavel. Das erste Ziel des B-Kader-Athleten und Mitglieds der Nationalmannschaft ist es, "wieder loszulegen und zu zeigen, wo es hingeht“. Soll heißen: sich hochkämpfen und über gute Platzierungen anbieten. Beim ersten Big-Air-Weltcup der Saison in Mailand sind Tobias Müller und Florian Preuß gestartet. Liefern sie gute Leistungen ab, profitiert indirekt auch Ole Pavel. Holen die deutschen Athleten mehr Quotenplätze, steigen die Chancen des Fleiners, international dabei zu sein. Eventuell schon beim Big-Air-Weltcup Anfang Dezember in Mönchengladbach.

Risiko

"Ich will mir beweisen, dass ich es kann“, sagt Ole Pavel. Wissend, dass sich viel im Kopf abspielt. Sich sicher sein, den Trick zu stehen, ist die Basis. "Man muss ihn visualisieren, sich jede Millisekunde vorstellen können. Den psychologischen Aspekt darfst du nicht unterschätzen, denn du stehst da oben und hast immer das Risiko. Auf einem Blatt Papier kannst du das nicht trainieren.“

Bei den Spielen in Sotschi vor zwei Jahren war Slopestyle erstmals olympisch, die Einschaltquoten waren prima. Die Artistik begeistert, die Action gepaart mit Lässigkeit kommt nicht nur bei der jungen Zielgruppe ausgesprochen gut an. "Olympisch zu sein, hilft dem Sport“, sagt Ole Pavel.

Na klar, auch für ihn ist Olympia Traum und Vision zugleich. Er lacht: "Aber dafür muss ich erstmal Weltcups fahren.“

Premiere in Aspen

Ole Pavel macht nebenbei zahlreiche Filmprojekte, unter anderem mit dem Oberstdorfer Lukas Joas, der ebenfalls dem Freeski-Nationalteam angehört und als Cutter in einer Filmagentur arbeitet. Mit Matchstick Productions hat Ole Pavel in Bulgarien gedreht und in Kanada Heli-Shootings gemacht. Premiere hatte der Film im September in Aspen, am 3. November ist er in Innsbruck gelaufen, zudem in London und in Amsterdam. Auch in das Programm des European Outdoor-Filmfestivals ist der Film aufgenommen worden. 

 

 

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