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Die verlorenen drei Minuten

Übersicht

Auf 21.28 Uhr steht die große Uhr in der Konstanzer Schänzle-Sporthalle, als die Weinsberger den letzten Angriff starten. Alexander Ruck vollendet wenige Sekunden vor Spielende zum 32:31-Sieg der Gäste – dachten alle. Offenbar auch der Kameramann der HSG Konstanz. Denn hier folgt in der obligatorischen Spielaufzeichnung ein Schnitt, erst um 21.33 Uhr läuft das Video weiter. Die große Uhr ist wieder zu sehen, die Mannschaften stehen an den Ersatzbänken, es wird lebhaft diskutiert. Schließlich tritt Benjamin Schweda zum Siebenmeter an und verwandelt zum 32:32-Ausgleich für die HSG. Jetzt ist wirklich Schluss.

Doch was ist in den verlorenen drei Minuten geschehen, warum nimmt Weinsberg nur einen, statt zwei Zähler vom Bodensee mit, warum fehlen die entscheidenden Szenen im Video und warum war das Ergebnis am Wochenende nicht auf der Verbands-Homepage zu finden?

Keine Manipulation

"Es kam alles zusammen“, sagt Michael Schweda, Teammanager des Konstanzer Perspektivteams. "Unser jugendlicher Kameramann hat zu früh ausgeschaltet und erst Minuten später bemerkt, dass das Spiel noch weitergeht.“ Es habe keine Manipulation des Spielvideo gegeben, versichert Schweda in Richtung der Weinsberger Verantwortlichen. Die hatten sich über den Punktverlust geärgert, noch mehr aber über das Fehlen der entscheidenden Szenen im Video. "Bewusst herausgeschnitten von Konstanz, um keinen Beweis zu haben?“, fragte TSV-Abteilungsleiter Eberhard Saup schriftlich bei der Heilbronner Stimme an.

Das bleibt wohl ewig ungeklärt, aber was ist denn in den drei Minuten überhaupt geschehen? Nach dem Tor der Weinsberger nahm Konstanz eine Auszeit. Eine Sekunde stand noch auf der Uhr. Die Konstanzer feuerten nach Ende der Auszeit den Anwurf also direkt aufs Tor, TSV-Keeper Nicolai Fasano parierte, die Schlusssirene ertönte.

Weinsberg hatte jetzt also endgültig gewonnen – dachten fast alle, die Gästespieler jubelten bereits. Einige Zuschauer protestierten jedoch lautstark. Der Vorwurf: Bei diesem ohnehin recht aussichtslosen letzten Wurfversuch hätte Weinsberg einen siebten Spieler auf dem Feld gehabt. "Wie aus dem Nichts ertönte plötzlich ein Pfiff“, erinnert sich TSV-Trainer Markus Kübler. Das Schiedsrichtergespann wertete den Wechselfehler als groben Regelverstoß in den letzten 30 Sekunden, zeigte dem vermeintlich siebten Mann Dennis Geiger die Rote Karte und sprach Konstanz einen Siebenmeter zu.

Kein Wiederolungsspiel

"Dennis haben sie willkürlich ausgewählt, weil sie selbst gar nicht gesehen hatten, wer das war“, sagt Kübler. Unabhängig davon wäre die richtige Entscheidung gewesen, den Wechselfehler mit einer Zwei-Minuten-Strafe zu ahnden, was eine statistische Randnotiz bedeutet hätte. Konstanz wurde durch den Weinsberger Regelverstoß schließlich nicht am Wurf gehindert, oder einer Torchance beraubt – das wäre – nach Rücksprache mit erfahrenen Schiedsrichtern – aber für die Anwendung der Letzte-30-Sekunden-Regel erforderlich gewesen. 

Ein Weinsberger Protest gegen die Spielwertung hätte dementsprechend wohl gute Erfolgsaussichten gehabt – trotz der fehlenden Videosequenzen. "Ein Wiederholungsspiel müsste unter der Woche stattfinden. Da hätten wir keine gute Vorbereitung gehabt, weil viele meiner Spieler berufstätig sind“, erklärte Kübler die pragmatischen Gründe, warum Weinsberg letztlich das Unentschieden akzeptierte. 

Warum aber tauchte der Spielbericht erst am Montagnachmittag auf der HVW-Homepage auf? "Wir hatten am Samstag Probleme mit dem WLAN in der Halle. Daher ist der Spielbericht per SMS verschickt worden und musste vom Spielleiter per Hand eingetragen werden. Wie gesagt, es kam alles zusammen“, erläuterte Schweda die Verzögerung. Gleichzeitig warb er um Verständnis: "Ich kann den Weinsberger Ärger über die fehlenden Minuten im Video verstehen, aber letztlich haben die Schiedsrichter die Siebenmeter-Entscheidung gefällt – nicht wir.“ Es kam eben alles zusammen.

 

 

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