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#potutweh

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Das Turnier war noch in weiter Ferne, da hatten die Drittliga-Volleyballerinnen des SV Sinsheim bereits Schmerzen. Unter dem Hashtag "potutweh“ kündigten sie auf ihrer Facebook-Seite an, dass sie sich am Wochenende auf den Hosenboden setzen würden – und nach dem Ende ihrer Saison einen neuen Höhepunkt entgegenfieberten: dem 1. internationalen Volksbank Kraichgau und Friends Cup, der Premiere eines Sitzvolleyball-Turniers in Hoffenheim. Da das auch für ehemalige Bundesligaspielerinnen Neuland ist, haben sie mit dem Team Anpfiff Hoffenheim in der Vorwoche einmal gemeinsam trainiert – mit Folgen

Randsportart 

"Am ersten Tag ging es noch, am zweiten kamen dann aber die Nachwirkungen“, sagt Luise Mauersberger. Für die einstige Bundesligaspielerin und ihre Mitspielerinnen war die Probestunde im Sitzvolleyball in erster Linie eine ungewohnte Belastung. "Durch das Rutschen und Fallen müssen Hüfte und Po ordentlich leiden.“ Das potenzierte sich für die eigentlichen Standvolleyballerinnen dann am Samstag und Sonntag noch einmal, als sie sich mit neun anderen Teams, darunter der kroatischen Nationalmannschaft, in der Sporthalle am Großen Wald in Hoffenheim maßen. Dahin hatte die Trainingsgruppe von Anpfiff ins Leben um Trainer Rudi Sonnenbichler geladen.

"Wir wollen Sitzvolleyball in der Region bekanntmachen“, sagt Salome Hermann, Nationalspielerin in Reihen von Anpfiff Hoffenheim. Selbst im Behindertensport ist Sitzvolleyball allenfalls eine Randsportart, führt ein Schattendasein. "Ich war 20 Jahre lang Bundestrainer im Volleyballverband und ich habe bis vor einigen Jahren gar nicht gewusst, dass es Sitzvolleyball überhaupt gibt“, sagt Sonnenbichler, der 2011 die Nationalmannschaft der Sitzvolleyballer übernahm. "Ich war damals sofort fasziniert von den athletischen und technischen Fähigkeiten der Sportler mit Handicap“, sagt er. Ähnlich erging es am Wochenende den Besuchern in Hoffenheim, die über die Schnelligkeit des Spiels erstaunt waren. "Ich bin begeistert“, sagte die 30-jährige Madlen, der erst vor ein paar Monaten ein Bein amputiert werden musste. 

Integrativ

Was sie und ihre Freundin Susi am meisten beeindruckte: der integrative Gedanke des Sports. Der sei konkurrenzlos. "Niemand ist voreingenommen.“ Das durften dann auch die Standvolleyballerinnen aus Sinsheim feststellen. "Wir werden nicht belächelt, sondern respektiert“, sagt Mauersberger. Denn bei allem Können: Im Sitzen sind die Drittligaspielerinnen um ihren Trainer Jörg Binder ohne Chance. "Das ist was völlig anderes hier“, sagte er. Der SV Sinsheim wurde Letzter – was überhaupt nichts ausmachte.

"Es macht mega Spaß, wir fühlen uns integriert“, lobte Mauersberger die besondere Atmosphäre. Die Erfahrung machten auch einige Schüler des Wilhelmi-Gymnasiums Sinsheim, die als Helfer eingebunden waren. "Wir lernen hier eine ganz andere Welt kennen“, sagte die Zwölfjährige Hanna, die den Sport mit ihren Mitschülern in der Pause selber ausprobierte. Für Lehrer Andy Hummel eine wichtige Erfahrung: "Sie sehen, mit wie viel Begeisterung man trotz Handicap Sport machen kann.“

Ehrgeiz gepackt

Die Besten waren die Sitzvolleyballer aus Leverkusen, die im Finale gegen Kroatien gewannen, die Gastgeber wurden Sechste, Sinsheim Zehnter. "Der Ehrgeiz hat uns gepackt“, kündigte Mauersberger an, dass die Standvolleyballerinnen im nächsten Jahr gerne wiederkommen würden. "Wir werden dann aber mehr trainieren.“ Auch wenn’s wieder wehtut. 

 

 

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