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Offiziell getrennt, im Herzen vereint

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Der Ist-Zustand erscheint absurd. Heilbronn leistet sich zwei Vereine in der Nischensportart Baseball. Der eine verfügt über eine aktive Männermannschaft im Ligaspielbetrieb. Der andere über eine vorwiegend jugendlich bunte Mischung außerhalb des Spielbetriebs. Ersterer, die Heilbronn Pirates, startete nicht zuletzt wegen fehlender Jugendmannschaft vor zwei Jahren in der untersten Klasse neu. Der zweite Verein, die Heilbronn Fireballs, plant für 2019 den Einstieg in den Ligabetrieb, um seinen Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Das liefe auf ein Derby hinaus. Gäbe es ausreichend Spieler in der Region, besäße das sogar seinen Reiz, doch die Konkurrenzsituation hemmt die Entwicklung des Sports. 

Warum gibt es zwei Vereine? 

Warum gibt es überhaupt zwei Vereine? "Eine berechtigte Frage“, sagt Michael Lorengel. Der Vorsitzende der Fireballs war lange Spieler und Trainer bei den Pirates. 2012 gelang dem Team der Aufstieg in die Landesliga, 2013 wurde erstmals seit Jahren gar eine zweite Mannschaft gemeldet. Die Pirates schienen auf gutem Wege, an die Pionierzeiten der Heilbronn Outlaws anzuknüpfen, die Ende der 90er Jahre zwei Männer-, ein Jugend- und ein Frauen-Softball-Team stellten.

Eklat

Doch dieser Weg endete 2015 abrupt. Innerhalb des Vereins gab es Differenzen über die Ausrichtung. "Ich wollte den Fokus auf die Jugendarbeit lenken, dafür gab es aber keine Unterstützung“, sagt Lorengel, der damals Trainer der zweiten Mannschaft war. Es kam zum Bruch. Mit einigen Gleichgesinnten kehrte Lorengel den Pirates den Rücken. Die zweite Mannschaft wurde abgemeldet, die erste ging freiwillig in die Bezirksliga zurück. Qualitativ wäre das Team gut genug, eine Liga höher zu spielen, doch dann wären Strafzahlungen für fehlende Jugendarbeit fällig. "Das können wir uns nicht leisten“, meint Mario Naumann, Marketing-Beauftragter der Pirates und früherer zweiter Vorstand der Outlaws. 

Ziel: Gewinnung von Mitgliedern und Sponsoren 

Daher lautet das Ziel für die am Sonntag (15 Uhr) auf der Böckinger Viehweide beginnende Saison: "Gewinnung von Mitgliedern und Sponsoren, Aufbau einer zweiten Mannschaft über verstärkte Jugendarbeit“, teilt Naumann mit. Die Agenda der Fireballs liest sich nicht viel anders. Jugendteams ausweiten, eventuell über eine Spielgemeinschaft ein Frauen-Softball-Team gründen und ein Männer-Team in den Spielbetrieb bringen. "Uns geht es darum, den Sport einer breiteren Masse vorzustellen, damit er in Heilbronn Fuß fasst“, sagt Lorengel.

American Spirit 

Vorbild ist ein Stück weit American Football, das einen enormen Popularitätsschub erlebt. Nicht zuletzt durch Live-Berichterstattung im Free-TV. Davon träumt Baseball nur. Dabei gibt es mit dem Berliner Max Kepler von den Minnesota Twins gar ein deutsches Aushängeschild in der amerikanischen Profiliga. "Die Regeln sind sehr komplex, es ist kein klassischer Links-nach-Rechts-Sport, wie wir es vom Fußball, Handball oder Eishockey gewohnt sind“, sagt Lorengel. "Es ist aber alles andere als langweilig.“

Davon wollen die Pirates viele Zuschauer bei ihren Heimspielen überzeugen. "Wir wollen die Leute den American Spirit spüren lassen“, sagt Naumann. Vielleicht bietet ein Saisonauftakt auch die Chance, unter Baseball-Freunden mal wieder ins Gespräch zu kommen. Auf Dauer werden sich in Heilbronn kaum zwei Baseballvereine tragen können. Im Eishockey hat die Versöhnung zwischen HEC und Eisbären doch auch funktioniert.

 

 

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