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Wie die mächtigen Krieger der Antike

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Auf den Gipfeln des Taygetos-Massivs glänzt noch der Schnee, als sich Poseidon, Herr über Meere und Erdreich, 464 vor Christus erhebt und Sparta in Stücke reißt. Donnernd steigt sein Groll aus der Tiefe empor, lässt Wälder, Olivenhaine und Weiden am Ufer des Eurotas erzittern, schneidet tiefe Klüfte in die Ebene, sprengt in den Bergen Steinblöcke ab. Sein Zorn sitzt tief: Seit Jahrhunderten beherrschen die Spartiaten, mächtige Krieger, das Land und beuten die Ureinwohner aus. Soweit die Sage.

Ehre erlangen

Fast 2500 Jahre später bebt die Erde der Halbinsel Peloponnes aus einem anderen Grund. 1000 Kämpfer gehen Anfang November bei der ersten Weltmeisterschaft der weltweit ausgetragenen Extrem-Hindernislauf-Serie Spartan Race an den Start. Einer von ihnen: der Oedheimer Robin Siegel.

Unter dem Blick des sagenumwobenen Feldherrn Leonidas treffen die Sohlen von Sportschuhen auf die antike Straße, an der das Rennen seinen Anfang nimmt. Zumindest unter denen seiner Statue. "Ein wahnsinniges Gefühl“, sagt Siegel.

"Sparta schreibt wieder Geschichte“ – so stand es in der Ausschreibung. Jetzt geht es für die Athleten durch die Wasser des Eurotas. Über Geröll und Feldwege. Serpentinen hinauf und über extreme Hindernisse hinweg. Drei Strecken gilt es zu bewältigen. Am Samstag stehen die Kategorien "Sprint“ über acht Kilometer und "Super“ über 18 Kilometer auf dem Programm. Am Sonntag gilt es dann, das "Beast“ mit 30,5 Kilometern zu bezwingen.

Eisenblock ziehen

Die Hindernisse erfordern Kraft, Geschicklichkeit sowie eine ausgeklügelte Technik. Und sind wahre Herausforderungen. "Wir mussten zum Beispiel einen Eisenblock Hunderte Meter wie ein Sträfling durch ein trockenes Flussbett ziehen“, erinnert sich der Oedheimer. Die Athleten kriechen zu Wasser und zu Land unter Stacheldraht hindurch.

Auch Speerwerfen steht auf dem Programm, allerdings unter verschärften Bedingungen. "In der linken Hand, die man sonst zum Anvisieren nutzt, mussten wir einen Schild halten.“ Wer versagt, auf den warten jedes Mal 30 Burpees, Liegestütze mit Strecksprung.

Auch wenn er wie ein echter Krieger aus den Tiefen der Geschichte einige Wunden davonträgt, blutende Schienbeine um genau zu sein, macht er weiter. "Ich bin gleich zu Anfang zwei Mal im Fluss auf Steinen ausgerutscht. Im Getümmel und dem aufgewühlten Wasser sieht man nicht gut.“ Die irren Sachen haben es dem Entwickler bei Audi, der jeden Tag drei bis vier Stunden trainiert, eben angetan.

Herausforderung für den ganzen Körper

Vom Strongman Run am Nürburgring bis zum Gettingtough in Thüringen: Rund 15 Hindernisläufe im Jahr stehen im Terminkalender des 25-jährigen Triathleten der Neckarsulmer Sportunion. Warum die Schinderei? "Beim Triathlon ist alles strukturiert. Bei den extremen Sachen weiß man nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt. Das macht die Sache interessant.“

Wie einst die Spartiaten wolle er seinen ganzen Körper fordern, erklärt Siegel. "Als reiner Läufer bekommst du beim Spartan Race Probleme bei den Kraftsachen, als Bodybuilder schaffst du es nicht über die Distanz. Man muss Allrounder sein.“

Siegel geht in der Elite-Klasse an den Start und schafft es auf Platz 18 von rund 300 Startern. Unter allen 1000 Teilnehmern erringt er Platz 19. Als er im Ziel über die Feuerlinie springt, weiß er es schon: Im nächsten Jahr will er wieder dabei sein. "Egal ob meine Schienbeine geblutet haben, meine Knie, Hüften und Achillessehne höllisch wehtaten – ich habe den Wettkampf genossen.“

 

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