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Zwei Hohenloher für Deutschland

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Das erste Mal im DFB-Trikot und dann das: "Ich werde es zurückgeben. So wie alle Mitspieler eben auch“, sagt Manuel Fischer am späten Montagabend. Das Debüt des ehemaligen Stuttgarter Bundesligaprofis in der deutschen Futsal-Nationalmannschaft ist da gerade ein paar Minuten beendet.

Sieg gegen die Schweiz

Das weiße DFB-Leibchen als Souvenir? Nicht bei der Länderspielvariante in der Halle, mit lauter Amateurkickern. Beim Futsal-Testspiel in der ausverkauften Stuttgarter Scharrena ist alles ein paar Nummern kleiner, aber vor den 2250 Zuschauern nicht minder stimmungsvoll und actionreich. Auch das Ergebnis passt beim 2:1-Sieg der DFB-Kicker gegen die Schweiz.

Zum DFB-Team gehören auch zwei Hohenloher. "Es war unser bisher bestes Länderspiel“, befand Torhüter Philipp Pless (27) hinterher. Der Mann aus Crailsheim steht sonst beim TSV Essingen im Verbandsligator. Nur zu einem Kurzeinsatz kommt Jonathan Baur, der wie Pless für die Hohenloher Futsaltruppe Brothers Keepers aktiv ist.

Jede Minute wertvoll

"Ich bin neu dabei, da ist man froh um jede Minute, die man spielen darf“, sagt der 25-jährige Baur, der sonst für den Hohenloher Fußball-Landesligisten SSV Gaisbach im Mittelfeld spielt. Mit den Hohenlohern Brothers Keepers sollen auch im Futsal auf Vereinsebene Erfolge her. "Es ist natürlich nicht optimal, dass wir nicht in der obersten Liga sind“, sagt Pless.

Um den sehenswerten Sport insgesamt voran zu bringen, müssen Reformen her. "Eine Nationalmannschaft kann nur so stark sein, wie die Liga.“ Die gibt es aktuell noch gar nicht, sondern nur auf regionaler Ebene. Ab 2020 soll das anders sein. Eine Futsal-Bundesliga ist geplant. "Es wäre schön, wenn der VfB Stuttgart einsteigen würde“, sagt Philipp Pless. "Es würde sicherlich weiterhelfen, wenn der eine oder andere Bundesligist sich engagieren würde“, sagt Manuel Fischer.

Genügend Chancen

Bundesligavereine setzen aktuell lieber auf E-Sport, statt auf die Hallenvariante des Fußballs. "Eine Bundesliga wäre natürlich wünschenswert. Der DFB kann nur den Rahmen schaffen. Die Vereine müssen das wollen“, sagt Bundestrainer Marcel Loosveld, ein Niederländer. Am Mittwoch gab es in Stuttgart eine Sitzung zum Thema Futsal-Bundesliga. "Wir sind auf einem guten Weg“, glaubt der Bundestrainer. Wo steht das deutsche Futsal-Team international?

Chancen spielen sich die Nationalspieler genügend heraus. "Wir müssen einfach mehr daraus machen, mehr Tore schießen“, sagt der Bundestrainer. "Wir sind weiter als noch vor ein paar Monaten“, meint Kapitän Timo Heinze. Das macht immerhin Mut für die WM-Qualifikation ab Ende Januar 2019. Klar ist aber auch: "Realistisch ist eine WM-Teilnahme noch nicht. Vielleicht in ein paar Jahren“, sagt Timo Heinze. Erst seit zwei Jahren hat der DFB ja überhaupt erst eine Futsal-Auswahl. "Die anderen schon seit 30, 40 Jahren“, sagt Heinze.

Rückstand zu den Top-Nationen

Nächste Woche werden die Qualifikationsgegner für die erste Runde ausgelost. Mehr als die zweite Quali-Runde erscheint in Sachen WM wenig realistisch. Um die Lücke zu Top-Nationen wie Portugal oder Spanien mit Profiligen zu schließen, braucht die Sportart höhere Akzeptanz und Wertschätzung durch den großen Bruder Fußball.

"Mir hat Futsal viel gebracht“, sagt Cacau, einst deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart. Bis er 17 Jahre alt war spielte er in seiner Heimat Brasilien nur Futsal, dann erst begann die große Fußballkarriere.

"Es hilft ja schon, dass die Jugendturniere mittlerweile nach Futsalregeln gespielt werden“, sagt Jonathan Baur. Der angehende Realschullehrer aus Hohenlohe hat gerade sein Examen gemacht und wäre bei der WM-Qualifikation gerne wieder im DFB-Kader. "Dann dürfen wir vielleicht nach einem Pflichtspiel auch mal das Trikot behalten. Es käme in eine Vitrine“, sagte Baur am Montagabend lächelnd.

 

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