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Hitziger Kampf bei frostigen Temperaturen

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Wie ein Biathlet am Schießstand drückte Thorsten Damm nach aufreibenden 90 Minuten seinen Puls schnell von gefühlt 200 auf 80 herunter. Während der Begegnung ärgerte sich der Trainer des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union mehrfach über strittige oder ausgebliebene Schiri-Entscheidungen, diskutierte immer wieder mit dem Linienrichter, war nach dem Abpfiff aber die Ruhe selbst und analysierte die vermeidbare 1:2-Niederlage gegen Spitzenreiter TSG Balingen, die sein Team von Platz drei auf vier abrutschen ließ, gewohnt sachlich: „In den ersten 20 Minuten sind wir nicht auf Betriebstemperatur gekommen. Ich denke aber, ein Punkt wäre verdient gewesen. Vom Verlauf her, haben wir 60 Minuten lang mehr vom Spiel gehabt.“ 

Doppeltes Pech

Den 287 Zuschauern wurde auf dem Neckarsulmer Kunstrasen am Samstag bei frostigen Temperaturen ein hitziges Kampfspiel mit vielen Nickligkeiten geboten. In der 3. Minute gab es eine Doppelchance für die NSU, doch erst wurde der Schuss von Adrian Beck und dann auch der zweite Versuch von Alexander Albert durch Balinger Abwehrbeine geblockt. Wenig später brannte es im Neckarsulmer Strafraum.

Nach einer Ecke verfehlte ein Kopfball von Matthias Schmitz sein Ziel nur knapp (7. Minute). Knapp 60 Sekunden später war es soweit. Patrick Lauble nahm aus zehn Metern Maß. NSU-Schlussmann Marcel Susser bekam noch die Hand an den Ball, lenkte ihn an den Innenpfosten, von wo aus das Spielgerät ins Tor trudelte. 

Die Hausherren kamen mit der robusten Gangart der Gäste nicht klar. Es dauerte, bis sich die NSU-Akteure ebenfalls körperlich zur Wehr setzten. In der 12. Minute flog ein Kopfball von Robin Neupert über die gegnerische Latte und eine Viertelstunde später fischte Torhüter Julian Hauser ein Schuss von Beck aus dem Dreieck. Kurios war das 1:1 (30.). Nach einer Flanke vor das Tor rutschte der Balinger Keeper aus und prallte unglücklich mit Albert zusammen. Beide blieben am Boden liegen während der Ball zu Beck kullerte, der keine Mühe hatte ins leere Tor einzuschieben. Doppeltes Pech für Hauser, er musste mit einer Schulterverletzung ausgewechselt werden.

Schlechte Chancenverwertung

Entscheidend war die 51. Minute. Nach einem Pass in die Spitze brachte Susser den umtriebigen Lauble zu Fall. Manuel Pflumm verwandelte den fälligen Elfmeter zum 1:2. Der Unmut der Neckarsulmer richtete sich einmal mehr gegen den Unparteiischen Philipp Reitermayer, der zuvor im Mittelfeld ein Balinger Foul durchgehen ließ. "Der Schiedsrichter hat es von Beginn an nicht geschafft, das Auftreten der Balinger einzudämmen. Da kommt der Spieler mit offener Sohle und der Schiedsrichter lässt weiterspielen, das verstehe ich nicht“, kritisierte Damm, der seine Mannschaft nun noch offensiver einstellte. Doch immer wieder war es vor allem Pflumm, der in der Luft wie auch am Boden brenzlige Situationen bereinigte. War der Abwehrchef nicht zur Stelle, landete der Ball in den Armen von Ersatzkeeper Marcel Binanzer oder die NSU-Kicker standen sich selbst im Weg. 

"Wir haben mit der robusten und abgezockten Balinger Spielweise Probleme gehabt. Die wissen wo und wie man foulen muss, um den Spielfluss zu unterbinden“, sagte Damm. "Die Chancen, die man hat, muss man nutzen. Und das waren für ein Spitzenspiel relativ viele, das spricht für uns. Aber wenn man sie nicht rein macht, spricht das wiederum nicht für uns.“

Balingens Trainer Ralf Volkwein war erleichtert das erste Pflichtspiel 2018 erfolgreich absolviert zu haben. "Fußballerisch war das nicht das Gelbe vom Ei“, sagte Volkwein und meinte fair: "Vor dem Elfmeter gab ein gestrecktes Bein, da haben sich die Neckarsulmer völlig zu recht aufgeregt. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“ Anders wie Damm hatte Volkwein aber keinen Grund, sich über nicht geahndete Fouls zu ärgern. Sein Puls ging daher lediglich beim Siegtreffer in die Höhe. 

Kunstrasen

Rückblickend auf die vergangenen Jahre war die Partie gegen Balingen gefühlt die Partie der Neckarsulmer Sport-Union mit den meisten Spielunterbrechungen wegen Foulspiel auf beiden Seiten. Und das, obwohl der Schiedsrichter längst nicht alle Nickligkeiten geahndet hatte. Vor allem in den letzten zehn Minuten kam keinerlei Spielfluss mehr auf. "Das ist der große Unterschied. Testspiele sind Friedensspiele und Punktspiele echter Wettkampf“, sagte NSU-Sportdirektor Marco Merz.

"Balingen hat knallharten Fußball gezeigt, den wir in der Anfangsphase nicht angenommen haben.“ Fast alle Neckarsulmer bekamen im Verlauf des Spiels die Robustheit der Gäste zu spüren. Es gab mehrere Behandlungspausen zu notieren. Abwehrrecke Marcel Busch musste zur Pause angeschlagen ausgewechselt werden. Kritik am Neckarsulmer Kunstrasen gab es von beiden Seiten. Der "Betonplatz “ auf dem Pichterich ist äußerst schwer zu bespielen. Die NSU-Spieler klagen nicht erst seit dieser Saison über den nicht oberliga-tauglichen Spieluntergrund, der jegliche Dämpfungs-Eigenschaften verloren hat und somit die Gefahr von Verletzungen deutlich erhöht. tok

 

 

 

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