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Der Fall Rolf H. und die sportlichen Folgen

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In außergewöhnlichen Situationen hilft es, zur Tagesordnung überzugehen. Die Situation beim TC Lauffen ist außergewöhnlich: Die Unruhe im Tennisclub mit seinen 17 Mannschaften im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich ist groß nach dem spurlosen Verschwinden von Rolf H., dem Vorsitzenden des Fördervereins und einstigen Zweiten Vorsitzenden des TCL. Privatleute sollen von Rolf H. um mehr als eine halbe Million Euro geprellt worden sein; die Polizei ermittelt. "Das Thema ist nach wie vor unfassbar“, sagt Sven Meinl, der Präsident des TC Lauffen. "Wir freuen uns, dass nun Normalität einkehrt.“ Am Wochenende begann unter anderem für die erste Frauen- und Männermannschaft des TC Lauffen die Saison. Es hilft, zur Tagesordnung, zum Spielbetrieb übergehen zu können. Anna-Benita Fuchs kann und will das nicht. 

Anwalt genommen

Die 25-Jährige aus Sternenfels ist enttäuscht und verärgert. Weil sie entgegen der Planungen beim TC Lauffen nichts zu ihrem gerade abgeschlossenen Studium hinzuverdienen kann. Es gehe um 9.000 Euro – 4500 aus der vergangenen Saison, 4500 aus der laufenden. "Das ist mehr als ein Jahr Miete für mich“, sagt die angehende Gymnasiallehrerin, die in Pfinztal lebt. Sie habe sich, wie weitere Spielerinnen "zum Beispiel Jessica Raith“ einen Anwalt genommen. Die Situation für die Frauen der ersten Mannschaft ist vertrackt. 

"Am 2. April 2018 erhielt ich eine Mail vom Vorstand des TC Lauffen, nicht vom Förderverein, dass es ungewiss sei, ob die Mannschaft 2018 Regionalliga spielen könne“, sagt Anna-Benita Fuchs. Wäre die Information zwei Wochen früher gekommen, wäre ein Vereinswechsel noch möglich gewesen. Es habe ein Treffen gegeben mit Rolf H., dem Vorstand des TC Lauffen und einigen Spielerinnen. Ein (finanzielles) Kompromissangebot sei nicht angenommen worden, die Mannschaft wurde abgemeldet, so Fuchs. "Der Verein hat sich seither nicht mehr gemeldet, sich nicht entschuldigt, nichts. So lasse ich das nicht stehen“, sagt Anna-Benita Fuchs. Natürlich spiele sie in keinem Fall mehr für den TCL.

Sven Meinl, Präsident des TC Lauffen, widerspricht: "Ich habe mehrfach versucht, Anna-Benita Fuchs zu erreichen, ihr auch auf die Mailbox gesprochen.“ Die Türe sei nach wie vor offen, so Meinl. Denn nach Gesprächen mit dem Württembergischen Tennis-Bund dürften alle Spielerinnen – so wie am Sonntag Antonia Schmidt – in der zweiten Mannschaft, die nach der Abmeldung die erste geworden ist, aufschlagen. Für Fuchs, Raith und Co. sei das alles schlimm, "das kann ich nachvollziehen“, sagt Hansi Hochmuth. Der Trainer des TCL versichert: "Für uns alle kam das genauso überraschend wie für sie.“ Kontakt mit diesen Spielerinnen habe Hochmuth nicht – Absprachen seien immer über Rolf H. gelaufen. 

Gute Stimmung

Hansi Hochmuth beschreibt die Stimmung vom vergangenen Wochenende auf der Anlage als gut, normal. Der Sport stehe im Vordergrund. "Aber es ist natürlich komisch.“ Schließlich würden alle "schon ewig“ Rolf H. kennen. Für die Verbandsligafrauen um die 16-jährige Antonia Schmidt – diese Mannschaft bildet mehr oder weniger auch die Juniorinnen-Mannschaft des TCL – lief es am Sonntag gut. Beim SC Mengen gewannen sie 6:3. "Wir wollen erst mal nicht absteigen“, nennt Hochmuth das Saisonziel. Er betreute zeitgleich die Verbandsliga-Männer beim Heimspiel gegen den TC RW Spaichingen. Auch diese Mannschaft wurde in den vergangenen Jahren zweimal zurückgezogen, spielte freiwillig jeweils eine Klasse tiefer. Es wurde eine 2:7-Niederlage – beide Punkte steuerte der Sohn von Rolf H. bei. "Vor allem für ihn ist es nicht einfach“, sagt Hansi Hochmuth

Auch für Anna-Benita Fuchs und den TC Lauffen bleibt es nicht einfach. Roland Hirschmüller, Vorstand für den Sportbetrieb, sagte vor ein paar Wochen: "Sportlich wird es eine schwierige Saison für den TC Lauffen.“ Immerhin hat die Saison nun angefangen.

 

 

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