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Es muss nicht den ganzen Tag um Tennis gehen

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Im Achtelfinale des Neckar-Cups trifft Yannick Hanfmann heute auf Nachwuchs-Ass Rudi Molleker. Der 26-Jährige hat in den USA studiert und steht derzeit auf Position 127 in der Weltrangliste.

Hanfmanns Jugend und der Beginn seiner Karriere

Herr Hanfmann, Sie haben in Los Angeles gelebt. Sind Sie ein Kind der Sonne?

Yannick Hanfmann: Sonne ist für uns Spieler extrem wichtig. Bei schönem Wetter sind mehr Zuschauer da, und es macht mehr Spaß. In den vier Jahren in Los Angeles habe ich nicht viel Regen oder Wolken gesehen.

Beim Neckar-Cup hat Sie in Runde eins der Regen gestoppt. Wie gelingt es, wieder den Rhythmus zu finden?

Hanfmann: Es ist nicht so leicht, man darf da nicht groß drüber nachdenken. Das hat kein Spieler gerne, aber wir wissen damit umzugehen. Ich bin auch mit dem Gedanken ins Match, dass es passieren kann. 

Sie haben zuletzt die Doppel-Turniere in Panama-Stadt und Mexiko-Stadt gewonnen. Selbstvertrauen satt?

Hanfmann: Ja, wenngleich Doppel schon noch was anderes ist als Einzel. Da lief es leider nicht so gut, aber die Titel haben mir nicht nur viele Matches, sondern auch Selbstvertrauen gegeben. Daher war es auch eine gute Entscheidung. 

Sie sind nicht den klassischen Karriereweg gegangen, sondern in die USA aufs College.

Hanfmann: Als 18-Jähriger, der gerade sein Abi gemacht hat, hatte ich das Gefühl, es reicht vielleicht noch nicht ganz für die ATP-Tour. Das College war eine gute Option. Ich bin in Los Angeles gelandet, für mich war es der perfekte Weg. Ich habe viel gelernt, Tennis gespielt und andere Seiten des Lebens mit coolen Dingen kennenlernen dürfen. Das hilft mir, wenn es nicht den ganzen Tag um Tennis, Tennis, Tennis geht. Auf der Tour hätte ich das nicht machen können. 

Sind Sie dadurch reifer geworden?

Hanfmann: Denke schon – und zwar als Mensch wie im Tennis. Du spielst im College viele Matches. Teils war ich auch viel verletzt, habe aber trotzdem spielen müssen. Da habe ich mental schon mitgenommen, in schweren Situationen immer noch ein Level hochzuschalten. 

Zukunftspläne

Sind Sie jetzt bereit, die Tenniswelt zu erobern?

Hanfmann: Nein, das bin ich nicht. Wer außer Roger, Rafa oder Alexander Zverev kann das schon sagen? Aber ich versuche mein Bestes. Ich habe den Traum, in den Top 100 zu stehen, Grand-Slam-Turniere und Davis Cup zu spielen – und dafür werde ich alles tun. 

Was fehlt denn noch für die Top 100?

Hanfmann: Im Tennis sind es sehr viele Kleinigkeiten. Spieler, die auf 200 stehen, können einen Top-100-Mann schlagen. Es kommt auf die Konstanz an. Bei mir klappt das nur phasenweise. 2017 hatte ich eine Phase, da habe ich unglaublich gut gespielt. Wenn ich das über längere Zeit schaffe, kann ich die Top 50 bis Top 100 ansteuern. Wir arbeiten viel an meiner Fitness. Ein funktionierender, gesunder, fitter Körper erlaubt dir im Jahr mehr Turniere. Da habe ich mit Jonathan Januschke ein super Team, trotzdem habe ich noch viel Spielraum nach oben. 

Schauen Sie sich in Sachen Fitness auch bei anderen Sportarten was ab?

Hanfmann: Es ist eine Kombination aus allgemeiner und tennisspezifischer Fitness. Wir schauen, was die Topspieler machen. Ich habe Basketball-Vorbilder. Wir trainieren auch mal Korbleger auf diverse Arten, das ist ein Riesenspaß. Nur Tennis spielen reicht eben nicht. 

Namhafte Trainingspartner

Ihr Trainer Lars Uebel hat ermöglicht, dass Sie mit Roger Federer und Novak Djokovic trainieren. Was nimmt man aus den Einheiten mit?

Hanfmann: Viele Kleinigkeiten und noch mehr Inspiration, vor allem bei Roger. Mit Novak waren es nur drei Tage. Es war cool zu sehen, wie sich sein Ball anfühlt, mit welcher Intensität er trainiert. Novak geht alles sehr perfektionistisch an. Da muss die Übung so lange gespielt werden bis sie klappt. 

Und bei Roger Federer?

Hanfmann: Er ist eher der Verspielte. Bei ihm habe ich gesehen, was er mit seinem Fitnesscoach macht, das ist unglaublich wertvoll. Er ist ein Vorbild an Konstanz, der perfekte Tennisspieler. Die Woche war super. Ich hoffe, dass es mal wieder klappt. 

Fehlt nur noch Rafael Nadal als Trainingspartner.

Hanfmann: Und Andy Murray, der würde mir noch mehr Spaß machen. Mit Rafa auf Sand trainieren, ich glaube da muss man schon arbeiten. 

In München haben Sie gegen Alexander Zverev gespielt, die Nummer drei der Welt. Beneiden Sie ihn?

Hanfmann: Es ist eher ein Mix aus Bewunderung und Respekt. Sascha ist schon jetzt ein unglaublicher Spieler. Er hat sich das hart erarbeitet. Sein ganzes Leben ist auf Tennis ausgerichtet, seine gesamte Familie hat auf dieses Ziel hingearbeitet. Es ist richtig cool, dass es gekappt hat. 

Hanfmanns Handicap: Er ist schwerhörig

Sie gehen offensiv damit um, von Geburt an schwerhörig zu sein. Haben Sie ein Hörgerät wie in der Schule?

Hanfmann: Nee. Im Angesicht ist es immer leicht für mich. Aber wenn ich von hinten angesprochen werde, ist es manchmal schwer, da habe ich keine Chance. Ein Trick ist, dass ich auch von den Lippen ablese. 

Haben Sie dadurch auch Vorteile?

Hanfmann: Vielleicht ist es so, aber ich habe keine Ahnung, weil ich mein gesamtes Leben schon so bin. Ich weiß nicht, ob ich etwas besser kann als andere Leute. 

Als Athlet aber ist es ein Plus, sich gut zu fokussieren.

Hanfmann: Stimmt, da komme ich sicher leichter rein. Wenn ich auf dem Center Court wie in München gegen Alexander Zverev spiele und sehr viel los ist, höre ich weniger als die anderen. Das tut mir gut. 

Befürchten Sie, auf dieses Handicap reduziert zu werden?

Hanfmann: Nö. Ich bin mir bewusst, dass das ein interessantes Thema ist und die Medien nehmen das auf. Als Werbeträger bin ich aber leider trotzdem noch nicht interessant geworden. 

 

 

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