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Mollekers Momentum

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German hat Geburtstag. Das ist eine Party wert. Daher entscheidet sich Rudolf Molleker für die Abendmaschine nach Berlin, um rechtzeitig zur Fete seines Bruders in Berlin zu sein. Er bringt ein ganz besonderes Geschenk mit. Einen Pokal. Für seinen ersten Sieg bei einem Challenger-Turnier. Denn Rudolf Molleker gewinnt am Pfingstsonntag dank einer konzentrierten Leistung und reichlich Kampfgeist das Finale des 5. Neckar-Cups in Heilbronn gegen Jiri Vesely mit 4:6, 6:4, 7:5. Mit 17 Jahren. Damit ist der Profi aus Oranienburg seit Alexander Zverev 2014 in Braunschweig der Jüngste, dem solch ein Riesencoup gelingt. 

Harte Arbeit zahlt sich aus

Nur: Auf derlei statistische Daten legt der Blondschopf keinen Wert. Ihm bedeutet der Titel weit mehr. Nicht nur, weil er ihn in der Weltrangliste von Position 497 auf Platz 300 katapultiert und 12.250 Euro Preisgeld beschert. Vielmehr ist er eine Bestätigung, "dass ich in die richtige Richtung gehe und es sich auszahlt, hart zu arbeiten“, wie Rudolf Molleker sagt. Dennoch bedankt er sich artig bei Turnierdirektor Metehan Cebeci für die Wildcard fürs Hauptfeld.

Nach der zehnten Klasse verlässt das Talent das Gymnasium, trainiert in der Tennis-Base Hannover und lebt im dortigen Internat wie ein Profi. Konzentriert auf die Einheiten und den eigenen Körper, beseelt davon sich stetig zu verbessern. Auf den Reisen von Bangkok bis Melbourne ist Trainer Jan Velthuis seine Bezugsperson, "er ist eine zweite Vaterfigur für mich. Wir erleben das beide miteinander und mit ihm kann ich über alles reden“, sagt Molleker.

Unbeschreiblich

Auf dem Platz geht er im Moment des größten Glücks in die Knie, kanalisiert die "unbeschreiblichen Gefühle“ in einen Schrei und blickt voller Stolz hinüber zu Trainer, Mama Tanja und Papa Roman. Der hat ihn als Bub das Tennis-ABC gelehrt. Seine Eltern ruft er täglich an, sie haben ihm viel mit auf den Weg gegeben – und sie liegen sich innig den Armen, als alles vorbei ist und sie unter sich sind. 
In einem ungestörten Moment in der Tennishalle zieht Rudolf Molleker sein verschwitztes Shirt aus, legt die Socken sorgfältig auf den Stuhl. Er atmet tief, murmelt gedankenversunken einige Worte zu sich und ballt dabei beide Fäuste.

Gänzlich bescheiden sagt er wenig später: "Ich halte mich selber auf dem Boden. Für mich ist das hier ein super Erfolg, jedoch bin ich weit davon entfernt wie Alexander Zverev zu sein. Ich will auch gar nicht so sein wie er, sondern meine eigene Karriere erleben, meine eigenen Höhen und Tiefen haben.“ Und doch sieht es danach aus, dass Rudolf Molleker die Reihe jener Profis fortsetzt, die einst beim Neckar-Cup angetreten sind, inzwischen aber längst auf der ATP-Tour etabliert sind. Wie 2015 Alexander Zverev, inzwischen Nummer drei der Tennis-Welt oder wie 2017 Filip Krajinovic. Der (Vorjahres-)Sieger aus Serbien wird aktuell auf Position 29 geführt. Rudolf Mollekers nächste Station wird Paris sein. Bei dem Grand-Slam-Turnier auf Sand wird er sich jedoch im Junioren-Wettbewerb mit Altersgenossen messen. Jan Velthuis, ein ebenso erfahrener wie besonnener Trainer, sagt: "Rudi ist ein Juwel. Ein Rohdiamant, an dem man noch viel schleifen muss. Aber Tennisspielen kann er.“

Große Zukunft

Das erkennt auf faire Weise auch Jiri Vesely an. Der Tscheche, der als Junior für den TC Lauffen aufschlägt und als Kleinkind ein Jahrzehnt in Niedersachsen lebt, sagt über Rudolf Molleker: "Er hat eine ganz große Zukunft.“ 
Losgelöst vom letzten Schritt, der ihm in Heilbronn verwehrt bleibt, ist auch Jiri Vesely zufrieden. Nach einer Streptokokken-Infektion und Halsentzündung im Frühjahr fühlt sich der 24-Jährige wieder physisch fit, ihm fehlen einzig Matches. "Der Neckar-Cup ist eine sehr gute Vorbereitung für Paris gewesen“, sagt Vesely. Nun soll es auch für ihn im Sauseschritt nach oben gehen.

 

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