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Naturtalent mit Pfeil und Bogen

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Leon Ehrhardt spannt seinen Bogen. "Es wird knackig“, sagt der 15-Jährige. Was er damit meint? Den OX-BoW-3D-Bogenschützen-Parcours in Jagsthausen. Denn obwohl der Deutsche Meister im 3D-Bogenschießen hier zweimal pro Woche trainiert, ist heute alles neu. "Jedes halbe Jahr wird der Parcours komplett umgestellt. Sonst wäre es ja irgendwann langweilig“, betont Leons Vater Jörg Ehrhardt.

Auf künstliche Tiere schießen

Wer bei 3D an Virtual-Reality-Brillen denkt, liegt falsch. 3D-Bogenschießen bedeutet zum Einen, dass die Ziele dreidimensionale Figuren sind, zum Anderen wird hinauf, hinab, durch Bäume und andere natürliche Hindernisse hindurch geschossen. Etwa 30 Schaumstoff-Tiere – auf richtige würde Leon niemals schießen – sind hier die Ziele für die Bogenschützen.

Bevor es auf den Parcours geht, schießt sich Leon in der 25 Meter langen Trainingshalle ein. Zehn Schuss, jeder ein Treffer ins Schwarze. Ein Naturtalent, wie sein Vater sagt: "Was ich mir hart erarbeiten muss, das kann Leon ganz mühelos.“ Der Erfolg spricht für sich. Erst zweieinhalb Jahre trainiert der Zehntklässler, ist aber seit Ende September schon Deutscher Meister.

Dass er sich bei der DM in Murrhardt gegen 15 Konkurrenten in seiner Altersklasse durchsetzen würde, damit hatte er nicht gerechnet. "Erst nach dem ersten Tag und dem Vorsprung mit 80 Punkten war mir klar, dass ich es schaffen könnte.“ Am Ende lag Leon bei den traditionellen Recurve-Bogenschützen deutlich vorne und siegte mit 610 Punkten, 79 mehr als sein Gegner Leonhard Winke. Zuletzt gewann Leon außerdem auch das Finale der Bowhunterliga des Deutschen Feldbogen Sportverbands (DFBV) in Wertheim.

Nie ohne Armschutz

Im Moment ist aber Trainingsalltag auf dem Parcours in Jagsthausen angesagt. Los geht‘s. Ein paar Meter über offene Wiesen, dann über einen kleinen Weg in den Wald. Hier wartet das erste Ziel, ein Kunststoff-Wildschwein. Drei Pfeile hat der Bogenschütze, um es zu treffen. Leon spannt den Pfeil in den Bogen, zieht ihn bis zur Backe, lässt los und trifft – mitten in den "Kill“. Der Kill ist der Bereich, in dem Herz und Lunge des Tieres liegen würden. Hierfür gibt es die meisten Punkte, für den Rest des Tieres weniger.

Danach geht es zum Vielfraß. Hier legt Leon seinen Armschutz an. "Eigentlich sollte man nie ohne schießen, sonst sieht man schnell aus wie nach einer Schlägerei“, sagt er lachend. Der Armschutz verhindert Verletzungen durch Pfeil und Sehne. Worauf man sonst noch achten muss? "Der hüftbreite Stand und dass man den Pfeil nach dem Spannen einfach loslässt, ihn nicht zerreißt.“ Auch Leon passieren manchmal noch technische Fehler. Aber immer seltener. "Das Wichtigste ist die Übung. Außerdem der Wille und eine lange Konzentrationsfähigkeit.“

Entfernung für Profis

Zum Bogenschießen kam Leon über seinen Vater, der ein paar Monate zuvor damit angefangen hatte. Wenn die beiden hier trainieren, dann durchlaufen sie immer den ganzen Parcours. Erst einmal hat Leon abgebrochen. "Es war 40 Grad heiß und da hat es einfach keinen Spaß gemacht“, sagt er. Und wenn es so richtig kalt ist? "Damit habe ich überhaupt kein Problem. Auch bei minus 17 Grad habe ich schon den kompletten Parcours durchgemacht.“ Der komplette Parcours in Jagsthausen, das sind gut drei Stunden – 30 Ziele plus "Odysseus-Schuss“. Hier muss man durch vier Ringe hindurch einen Kürbis treffen. Für Leon kein großes Problem.

Aber jetzt ist erst einmal das dritte Ziel dran: ein Bison. Der Wind macht es nicht einfach, aus 84 Metern Entfernung zu treffen. "Das ist Leons Distanz, die für Profis“, sagt der Vater Jörg Ehrhardt. Die vielen bunten Markierungen im Boden zeigen, aus welchem Abstand geschossen wird. "Das ist von Parcours zu Parcours unterschiedlich“, sagt Leon. Hier ist gelb für Anfänger, blau für Erwachsene, rot für Leistungssportler.

Unfall mit Wurzel

Im Training sind Leon und Jörg Ehrhardt zu zweit unterwegs. Bei Wettkämpfen in Gruppen von fünf bis sechs Personen. Jeder hat seine Aufgabe: Der Captain klärt Streitfragen, Schreiber notieren die Punkte, und dann gibt es noch drei Pfeilholer. Obwohl der Zehntklässler auch gerne Modellfliegen und Mountainbiken geht, steht das Bogenschießen für ihn ganz klar an erster Stelle.

Wie es mit der Unfallgefahr aussieht? "Leute, die in falscher Richtung durch den Parcours laufen oder ihren Bogen vor der Pfeilsuche nicht am Tier platzieren, gibt es immer wieder.“ Ein Bogen am Tier warnt andere Schützen: Hier werden gerade Pfeile gesucht und es darf nicht geschossen werden. Wenn es nach Leon ginge, dürfte man erst nach einem Kurs loslegen. Zum Glück gab es hier bisher dennoch nur einen einzigen Unfall: "Ein Schütze ist bei der Pfeilsuche über eine Wurzel gestolpert“, sagt Leon Ehrhardt.

 

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