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Auf dem Besen übers Spielfeld

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Die Jagd nach dem Schnatz ist nicht nur bei den Zauberern in den Harry-Potter-Romanen eine Herausforderung. Sondern auch auf dem Rugbyfeld der Neckarsulmer Sport-Union. Drei Männer und zwei Frauen rasen dort beim Quidditch-Training über das Spielfeld. Drei haben sich einen improvisierten Besenstiel zwischen die Beine geklemmt. 

Ein Mix aus Rugby, Völkerball und Handball

Der Schnatz ist beim Quidditch-Club ein Tennisball in einem gelben Socken und baumelt hinten am Hosenbund von Hendrik Rogalski. Geschickt wendet sich der 27-Jährige, während zwei Spieler versuchen, den Schnatz von seinem Hosenbund zu stehlen. Vor rund einem Jahr hat Rogalski die Sportart Quidditch aus der Magierwelt nach Neckarsulm geholt. Was Autorin Joanne K. Rowling ursprünglich für ein Fantasy-Buch erfunden hatte, ist für die Spieler auf dem Feld nun Wirklichkeit, manchmal eine schmerzhafte. Denn fliegen gehört dazu. Zwar nicht wie in Hogwarts durch die Luft. Dafür aber ab und zu auf den Boden. Der Sport ist ein Mix aus Rugby, Völkerball und Handball.

Ohne Zauberkräfte

"Ich denke nicht, dass Rowling damit gerechnet hätte, dass Quidditch mal wirklich gespielt wird“, sagt Lara Weiß, die eine Trinkpause einlegt. Als Studenten aus dem amerikanischen Middlebury versuchten, das Spiel 2005 in die Welt der Muggel zu übertragen – so heißen die Menschen ohne Zauberkräfte – mussten sie viel ausprobieren. "In manchen Punkten war das Spiel nicht durchdacht“, sagt Rogalski. Auf dem Weg zu einer ernstzunehmenden Sportart wurden ein paar Regeln verändert. Wer den Schnatz fängt, habe beispielsweise nicht automatisch gewonnen, erklärt er. Er bringt nun nur 30 statt 150 Punkten

Weltmeisterschaft alle zwei Jahre

In der Neckarsulmer Mannschaft klemmt sich mittlerweile sogar ein Spieler den Besen zwischen die Beine, der Harry Potter noch nie gelesen hat. Auch das ist möglich. Die Spieler, die sich in der International Quidditch Association (IQA) oder im Deutschen Quidditchbund organisieren, wollen sich von den Fantasy-Romanen abgrenzen. Seit 2012 findet alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft statt. 2016 holte sich Australien in Frankfurt den Titel. Durch die Berichte über das Turnier hat Rogalski erstmals erfahren, dass es die Sportart auch in der Muggel-Welt gibt. Und, dass diese fast genauso komplex ist wie bei den Zauberern. "Das erste Mal ist sehr überfordernd“, stimmt Lara Weiß zu.

Vieles passiert gleichzeitig

Bei einem richtigen Spiel kämpfen zwei Mannschaften aus je sieben Spielern gegeneinander. Sie müssen auf fünf Bälle gleichzeitig achten. Neben dem Schnatz dient ein Volleyball als sogenannter Quaffel. Er muss durch einen von drei Ringen des gegnerischen Teams geworfen werden, die als Tore dienen.

Gleichzeitig haben zwei Spieler aus jedem Team die Aufgabe, die Gegner mit drei weichen Bällen, den Klatschern, abzuwerfen. Wurde jemand getroffen, muss er vom Besen steigen und zu seinen Toren rennen. Fünf Schiedsrichter achten bei Liga-Spielen darauf, dass die Regeln eingehalten werden. "So viel passiert gleichzeitig, man muss seine Aufmerksamkeit in alle Richtungen lenken“, sagt Rogalski

Dass die Neckarsulmer Quidditch-Spieler ihren Sport lieben, merkt man, wenn man die Tore näher anschaut. Hula-Hoop-Reifen dienen als Ringe, die Ständer sind aus Rohren zusammengeschraubt und mit Sand befüllt. Die Besen sind aus beklebtem Kabelschutzrohr gebastelt. Nur eines bedauern die Spieler: Fliegen würden sie gerne können. Dafür fehlen die Zauberkräfte dann doch.

 

 

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