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Celine holt Gold

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Ein paar Worte gehen. Die Arme unterhalb des Startblocks ausgebreitet, lehnt sich Celine Rieder zurück. Um den ersten Schmerz wegzuatmen und mit Sarah Köhler zu plaudern. Über 1500 Meter ist die Vizeweltmeisterin eine Bahn neben ihr geschwommen, doch schnell zieht die Frankfurterin weg – und dem Titel entgegen.

Zwei Medaillen

Für die junge Frau von der Neckarsulmer Sport-Union bleibt nach 16:34,82 Minuten Silber. Ein Auftakt-Tag, der Mut macht und Celine Rieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Schließlich ist sie am Vormittag schon mit der Mixed Staffel der NSU über 4 x 200 Meter in 7:40,62 Minuten zur Goldfrau geworden, weil sie mit Henning Mühlleitner, Fynn Minuth und Annika Bruhn das schnellste Team ergeben hat. "Das war wichtig und gut für Celine", sagt Trainer Christian Hirschmann, "auch, weil sie weiß, dass sie noch Trainingsrückstand hat". 

In den vergangenen Wochen hat Celine Rieder mit dem finnischen Spezialisten Riku Rimpelä viel an ihrer Technik gefeilt, ist zudem mit einem individuellen Kraft-Athletik-Programm ihre muskulären Defizite angegangen. Anstrengungen, um noch schneller zu werden. Nun weiß die 18-Jährige von der Neckarsulmer Sport-Union, wo sie derzeit im nationalen Vergleich steht, was im Wettkampf möglich ist.

Mit viel Fleiß

Mitte Juli ist Celine Rieder nach München gefahren. Zu einer Lungenspezialistin. Ihre Lungenkapazität beträgt nur 60 Prozent. Nicht auszudenken, welch Potenzial in dem Talent steckt, das vor einem Jahr bei den European Games im Finale gestanden hat. Allen voran, wenn es ihr gelingt, das Mehr an Luft in eine noch höhere Kraft im Wasser umzuwandeln. Daran arbeiten sie.

Denn Celine Rieder ist eine Fleißige. Im Becken. Und außerhalb. Das Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium ist geschafft – obwohl Celine Rieder erst zum Schuljahr 2017 aus Saarbrücken nach Neckarsulm gewechselt ist. Mit ihrem Notendurchschnitt von 1,8 hat das Mitglied des Sporthilfe Perspektivteams für 2024 in Paris einmal mehr bewiesen, wie strukturiert sie die Dinge angeht. 

Neuer Lebensabschnitt

Dennoch gibt sich die Schwimmerin sympathisch bescheiden, verweist lieber auf die wertvollen Hilfestellungen seitens der Schule mit einem Stundenplan, der ihr das Morgentraining ermöglicht hat. "Klar war es hart und ich musste mich schon hinsetzen, aber es ging", sagt Celine Rieder. Von September an ist sie Studentin der Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn. Dazu kommt ein Umzug. Weg von ihrer Neckarsulmer Gastfamilie, den Härdtners. Rein in die Schwimm-WG zu Annika Bruhn.

Seit fünf Jahren kennen sie sich, inzwischen sind sie Freundinnen. „Klar kann ich mir auch mal Tipps holen, Annika hat viel Erfahrung.“ Doch wer des Sports wegen mit 14 von zu Hause auszieht, hat Eigenständigkeit gelernt "und mal nicht von Mama und Papa verwöhnt zu werden, sondern sich um sich selbst zu kümmern", wie Rieder sagt. Nun folgt ein weiteres Lebens-Kapitel, eng verzahnt mit dem nächsten Abschnitt in ihrer Schwimm-Laufbahn. Erstmals wird Celine Rieder keine Sommerpause machen, stattdessen durchtrainieren. Weil sie ohne Schule auch mal Zeit für eine Mittagsruhe hat, andererseits aber die verpassten Einheiten vor der Zeit der Reifeprüfung aufholen mag.

Große Ziele

Das Talent hat Ziele: "Wir peilen die Qualifikation für Olympia an", sagt Celine Rieder, schließlich sind die 1500 Meter der Frauen erstmals im Programm der Spiele. "Ob es dann klappt, sehe ich. Da mache ich mir keinen Druck, ich werde 19, da ist noch alle Zeit der Welt."Nach den Eindrücken von den Olympischen Jugendspielen wäre es gar zu schön, diese mit Erlebnissen bei den Aktiven zu vergleichen. Mehr als nur ein Wunsch von Bundestrainer Hannes Vitense ist jedoch ein Start bei der EM

Druck macht sich die Frau mit der Lockenmähne, "aber er spornt mich an, drückt mich nicht runter." Seit einiger Zeit arbeitet die dreifache Vizeeuropameisterin der Junioren mit einer Sportpsychologin. Die eigenen Ansprüche sind gestiegen, eine Reaktion auf Erfolg. Celine Rieder aber schaut, was machbar ist. National ist da nur noch die Frau von der Nebenbahn, Sarah Köhler. "Sie hat mehr Erfahrung und weit mehr Trainingsjahre als ich", sagt die Neckarsulmerin über die 25-Jährige.

 

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