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Eine Familie, ein Sport

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Bunt gemischt sitzen sie an den Tischen beim Italiener um die Ecke. Muntere Gespräche an der Landsberger Allee, die stocken, als Teller mit Nudeln dastehen. Sportlernahrung. Kohlenhydrate nach einem langen Arbeitstag. 

Meister formen

Das Schwimmteam der Neckarsulmer Sport-Union ist mit einem Großaufgebot von 17 Athleten zu den deutschen Meisterschaften nach Berlin gereist. Mit dem klaren Ziel, die erfolgreichste Mannschaft zu werden. Und zu beweisen, wie effizient und rasant sich das Projekt um die Trainer Christian Hirschmann und Hannes Vitense entwickelt. "Bleibt fokussiert und konzentriert. Das war stark, und die nächsten Tage sollen noch stärker werden“, sagt Christian Hirschmann in seiner Ansprache, in der er den Medaillengewinnern gratuliert. Auch der Ehrengast Norbert Warnatzsch, einst Trainer von Olympiasiegerin Britta Steffen, applaudiert. Er weiß, was es heißt, Meister zu formen.

Zu ihnen gehört Bente Fischer. Sie strahlt. Mit der Staffel über 4 x 100 Meter Freistil holt sie zum Auftakt ihr erstes Gold bei nationalen Titelkämpfen der Aktiven. "Das ist sehr schön, weil es überraschend war“, sagt die Frau mit den langen blonden Haaren. Gestern folgt im Finale über 100 Meter Brust mit 1:10,55 Minuten Platz sechs. Ihr erstes in einem Einzelwettbewerb auf der 50-Meter-Bahn. "Es geht stetig aufwärts bei ihr“, sagt Christian Hirschmann, "sie bringt auch sehr viel Leidenschaft mit.“ Und: Ihre Spezialstrecke, die 200 Meter Brust, steht erst am Sonntag an.

Fester Zusammenhalt

Brustschwimmen. Ausgerechnet in der technikintensivsten Disziplin hat die Lehramtsstudentin ihr größtes Talent entdeckt. "Brust wird immer ein bisschen belächelt“, sagt Bente Fischer, "aber es steckt viel mehr dahinter.“ 

Die 21-Jährige ist genetisch vorbelastet, für die Eltern wie die zwei Schwestern ist Wasser das ideale Element. Mehr noch: Die ehemalige Triathletin ist ein Neckarsulmer Eigengewächs – und damit der Beleg, dass die Schwimm-Großfamilie der Sport-Union nicht einzig ein zusammengekaufter Haufen fremder Athleten ist, denen der Bezug zur Region fehlt. Bente Fischer ist schon da gewesen, ehe Christian Hirschmann das nicht nur von manchem Vereinsmitglied skeptisch beäugte Projekt in der NSU gestartet hat. "Man kann es auch als eine von hier schaffen“, sagt Fischer und lächelt.

Sie hat sich durchgebissen. Obwohl – oder gerade weil – sich vom Sportbad bis zum Personal in Neckarsulm alles verändert hat. Das Entscheidende aber ist: "Wir sind ein sehr natürliches Team“, sagt Bente Fischer, "wir verstellen uns nicht, feuern uns gegenseitig an, unterstützen den anderen. Uns zeichnet dieser Familienzugehörigkeitsstatus aus.“ Das ist auch in Berlin zu spüren, wenn sie in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark Stimmung machen.

Große Erwartungen

Von Marlene Hüther oder dem jüngsten Neuzugang Franziska Weidner profitiert die Unterländerin. "Das setzt neue Reize, beide sind gute Brustschwimmerinnen, sie machen mich schneller“, sagt Bente Fischer. Konkurrenz bringt Abwechslung in die zehn Trainingseinheiten pro Woche und mehr Spaß beim Krafttraining. Auch dank Christian Hirschmann hat sich Fischer gesteigert. "Er erwartet, dass ich im Training alles gebe, aber er bringt auch Pep mit rein.“ Ihr Schwager ist für sie ein Mix aus großem Bruder und Trainer. "Eine gute Balance“, findet Bente Fischer. 

Beim Italiener sammelt Mahia Cara Härdtner in Windeseile Geld ein, um das von ihr vorbestellte Essen zu bezahlen. Die Neckarsulmerin schwimmt zwar nicht mehr aktiv, spürt aber noch immer Dankbarkeit für ihre Zeit im Team und gibt nun gerne etwas zurück. Die organisatorische Hilfe schätzt nicht nur Christian Hirschmann. "Wir rechnen es Mahia hoch an, dass sie trotz ihres Prüfungsstresses im Studium dabei ist und das alles managt“, sagt Bente Fischer, "wir sind eben ein super Team“. Und sie leben es intensiv.

 

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