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Der Titel-Hattrick ist perfekt

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Still stehen ging kaum. So richtig viel Bewegungsfreiheit hatte Jürgen Wieland am Samstagabend allerdings auch nicht. Rund zehn Meter entfernt von der Wettkampffläche in der St. Jakobshalle in Basel konnte er nur noch zusehen und hoffen. Fünf Minuten lang. Und diese schienen beinahe unendlich zu sein. Es ist das Schicksal des Trainers. 

"Das ist mir schon unter die Haut gegangen", sagte er und lobte seine Schützlinge. "Es war aber ein grandiose Leistung. Das ist eine ganz große Klasse, wenn man so einen Hammer vorgelegt bekommt. Wenn man bei mir den Puls gemessen hätte, wäre er sicher im absoluten Grenzbereich gewesen."

Rund zehn Meter entfernt fuhren Max Hanselmann und Serafin Schefold vom RV Öhringen zu ihrem dritten Weltmeistertitel im 2er-Kunstradfahren der Offenen Klasse. Hier die Hilfslosigkeit des Trainers, dort die absolute Nervenstärke der Athleten. "Das war die Sternstunde im 2er-Fahren", sagte Harry Bodmer, Vizepräsident Hallenradsport des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Und zwar nicht nur wegen der Leistung von Schefold/Hanselmann bei der Hallenrad-WM.

Patzer im Vorlauf

Es war ein würdiges Finale gewesen. Die Brüder André und Benedikt Bugner, immerhin viermalige Weltmeister der Jahre 2013 bis 2016, legten vor. 164,05 Punkte standen nach ihrer Kür auf der Anzeige. Eine famose Leistung. War doch nach 15 monatiger Verletzungspause lange nicht klar, ob sie nochmal zu ihrer alten Form zurückfinden würden. Am Mittag hatten sie im Vorlauf noch kräftig gepatzt und sich nur als Dritter fürs Finale qualifiziert. 

Auch Schefold/Hanselmann waren im Vorlauf nicht fehlerfrei geblieben. Gleich die erste Übung, der Mautesprung, ging daneben. Schefold musste von Rad. Es reichte trotzdem zu Platz eins mit rund 160 Punkten. Ein ähnlicher Patzer durfte ihnen im Finale nicht mehr unterlaufen. "Ich war am Nachmittag schon sehr aufgeregt. Die Kür war nicht optimal", sagte Schefold. "Am Abend war ich dann sehr gelassen. Ich habe den anderen zugeschaut und dachte, 164, jetzt erst recht. Ich hatte da richtig Bock zu fahren."

Das war auch deutlich zu sehen. Dass Schefold und Hanselmann dann den Maute-Sprung solide standen, gab zusätzliche Sicherheit.
"Wir waren beide sehr konzentriert", sagte Max Hanselmann. Wieland zitterte trotzdem. Als Trainer weiß man ja, welche Elemente kritisch sind. Doch die Titelverteidiger wackelten nicht. Sie fuhren ihr Programm souverän zu Ende und waren lange auf Weltrekord-Kurs. Den verpassten sie mit 168,25 Punkten nur um wenige Zehntel. "Man muss einfach von Übung zu Übung denken" sagte Schefold.

Am Ende der fünf Minuten fiel er zunächst Hanselmann um den Hals, um dann noch schnell auf die Anzeigetafel zu schauen. "Das sie unter diesen Bedingungen so einen Lauf raushauen, hat mich beeindruckt. Sie wussten ja, dass nichts schief gehen darf", sagte Wieland. "Es sind halt konsequente Arbeiter. Da ist System dahinter."

Karriereende

Es war das letzte Duell mit den Bugner-Brüdern. Diese verkündeten noch auf der Wettkampffläche ihr Karriereende. "Nach der Verletzung war es uns wichtig, dass wir selbst über unser Ende entscheiden können", sagten sie. "Unser Traum war es, nochmal in Basel zu starten. Dort hatten wir 2013 unseren ersten großen Erfolg. Wir haben uns vorgenommen über 160 Punkte zu fahren und zufrieden von der Fläche zu gehen." Das konnten und taten sie. "Dass Sea und Max dann noch einen draufgesetzt haben, hat uns gefreut."

Trotz des Konkurrenzkampfs verstanden sich die vier Fahrer immer hervorragend. "Von unserer Seite der größte Respekt, dass sie nochmal so zurück gekommen sind", sagte Max Hanselmann. Er und Serafin Schefold hatten mit ihren Verletzungen in den vergangenen beiden Jahren etwas mehr Glück. Zu den Saison-Höhepunkten waren sie jeweils wieder fit.

 

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