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Psychospielchen im Tollhaus

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German Giant, so steht es auf Englisch hinten auf dem Trikot des deutschen Darts-Profis Gabriel Clemens. Der Gigant ist im vergangenen Jahr einerseits gewaltig geschrumpft. 20 Kilo hat Clemens abgenommen, gleichzeitig haben sportlich die Erfolge zugenommen. Mittwochabend (nach 20 Uhr) startet die Nummer 42 der Weltrangliste in den Jahreshöhepunkt, die PDC-Weltmeisterschaften in London, die am 1. Januar 2020 endet. Benito van de Pas (Niederlande) heißt der Auftaktgegner des Saarländers. Bei einem Sieg winkt in Runde zwei das Prestige-Duell mit dem besten deutschen Pfeilewerfer, Max Hopp

Bei einem Darts-Workshop in Heilbronn hat Gabriel Clemens vor ein paar Wochen über die Faszination des Alexandra Palace gesprochen. "Du willst da immer wieder hin, wenn du einmal dort warst", sagt der 36-Jährige über den Spielort. Bei seiner WM-Premiere im Vorjahr war in der zweiten Runde Schluss. Einen Weltrekord stellte er trotzdem auf. Die Dopingkontrolle dauerte sechs Stunden. Clemens lacht jetzt drüber. Damals war ihm anders zumute. "Ich war einfach völlig leer", sagt er.

Es hat sich viel geändert im vergangenen Jahr. Bis Februar 2019 arbeitete er drei Tage die Woche als Industriemechaniker. "Die Reisen zu den Turnieren, das war zu viel", sagt Clemens. Seit Februar ist er nun Profi, sein Arbeitgeber hat ihn freigestellt. In der Weltrangliste ging es nach oben. Vier, fünf Stunden am Tag steht er nun in seinem Trainingsraum mit den Pfeilen vor der Scheibe, sitzt auf dem Ergometer. "Das ist auch ein Arbeitstag mit acht bis zehn Stunden am Tag", sagt der Mann mit dem Spitznamen "Giga".

Weniger Schwankungen

Den Effekt, die Dartscheibe zum Lebensmittelpunkt zu erheben, beschreibt Gabriel Clemens so: "Vorher waren viel mehr Schwankungen in meinem Spiel." Sein Punkteschnitt hat sich zudem erhöht. Zudem die Ernährungsumstellung. "Ohne körperliche Fitness hält man nicht mit", sagt der 36-Jährige. Titelchancen rechnet er sich bei der WM keine aus. "Für mich geht es noch darum, Erfahrungen zu sammeln."

Darts ist Kopfsache. Erst recht in einem Tollhaus wie dem Ally Pally. Wie lässt sich der Lärm, die alkoholgeschwängerte Party-Atmosphäre voller Dartsverrückter in Verkleidungen ausblenden? Dazu die Millionen TV-Zuschauer in England, den Niederlanden und Deutschland. Wie viele seiner Konkurrenten arbeitet Gabriel Clemens eng mit einem Mentaltrainer. "Es geht darum, Techniken zu erlernen, wie man den Puls nach unten bekommt", sagt Clemens. Sein Coach kommt aus dem Kampfsport, war einst K 1-Weltmeister. Der Lärm der Fans vor Ort, rund 20 Prozent davon aus Deutschland, kann Gabriel Clemens gut ausblenden. Andere wie Robert Marijanovic arbeiten mit Ohrstöpseln. Der sympathische Badener hat die WM-Qualifikation dieses Jahr verpasst. Er ist als Experte bei den WM-Übertragungen auf Sport1 zu hören.

Unvorbereitet

Das WM-Duell Mann gegen Mann ist auch eins voller Psychospielchen . Marijanovic verriet neulich in Heilbronn, dass ihn ein Konkurrent einst beim Gang von der Bühne mit dem Griff in seinen Schritt völlig aus dem Konzept brachte. "Darauf bist du nicht vorbereitet. Genau das war seine Absicht", sagt der 39-Jährige, der auch schon drei Mal im Ally Pally war. 

Die Psychospielchen finden dort vor den Kameras statt. Mit Blicken, mit Gesten. Der Wurfrhythmus spielt eine Rolle. Es gibt Schnellwerfer, andere verzögern, lassen immer wieder einen Pfeil fallen und brauchen unendlich Zeit. "Das ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen", sagt Clemens. Das Duell abseits der Scheibe setzt sich auch hinter der WM-Bühne fort. Dort hat jeder seinen Container für die Pausen. Noch so ein Ort für Psychosspielchen. "Es ist eine schöne Gemeinschaft – wenn man nicht gegeneinander spielt", sagt Marijanovic. 

 

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