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Ein großer Neuanfang

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Sarah Wachter hatte kein Problem damit, sich zur Wurst zu machen. Gemeinsam mit sechs weiteren Neckarsulmer Zugängen schwang sie zu dem Redneck-Klassiker "Cotton-eye Joe“ die Hüften – im einheitlichen Hot-Dog-Kostüm. Maximal ihre Körpergröße von über 1,80 Metern ließ erahnen, unter welcher Stoff-Pelle sich die 19-Jährige versteckt hatte. 

Teamgeist bilden

Steht nicht gerade der kreativ gestaltete Mannschaftseinstand an, dann tanzt sich Wachter aber eher ungern in den Vordergrund. "Sie ist ein sehr ruhiger Typ“, verrät NSU-Trainer Pascal Morgant über seine Keeperin: "Aber auch für jeden Spaß zu haben.“ Mit schüchternem Lachen gesteht Wachter gerne eine gewisse Eigenheit, die Torhüterinnen ja durchaus nachgesagt wird: "Ich bin schon ein bisschen verrückt, das ist einfach so. Die Kostüme waren aber nicht meine Idee – mit dabei war ich aber natürlich sofort.“

Die Stimmung in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison ist gut. Ob bei einer Schnitzeljagd durch Neckarsulm, auf dem Wasser mit den NSU-Kanuten Aline Kunej, Felix und Vincent Landes, oder im Sand beim Beachvolleyball – "das ist bisher eine ganz runde Sache“, sagt Morgant. Langsam werde es aber Zeit, "in den Rhythmus zu finden“. Da kommt das Marktplatzturnier in Esslingen mit 30-Minuten-Spielen gegen Zweitligist Waiblingen (18 Uhr) und Drittligist Wolfschlugen (18.40 Uhr) am Samstag gelegen.

Der Wechsel

Dann wird Sarah Wachter zwischen den Neckarsulmer Pfosten keinen Spaß mehr verstehen. Und die Schüchternheit neben dem Feld lassen. Trotz ihres Alters ist Wachter im Tor schließlich fast schon ein Routinier. "Sarah hat bewiesen, dass sie bestehen kann“, blickt Pascal Morgant auf ihre Nellinger Bundesliga-Zeit zurück.

Der Neckarsulmer Trainer ist froh, dass "sie meinem Ruf gefolgt ist“. Bereits in jungen Jahren hatte er sie in Korb entdeckt, ihr beim Ex-Club TVN früh das Vertrauen geschenkt. Nun sind Förderer und Toptalent wieder vereint. Und reisen beim ersten gemeinsamen offiziellen Test mit der Sport-Union auch ein bisschen in die Vergangenheit. 

Schließlich hat es nach Nellingens Zwangsabstieg in die 3. Liga gleich vier ehemalige TVlerinnen zum ersten Gegner Waiblingen gezogen. Tanja Padutsch, Alina Ridder, Vivien Jäger und Celina Meißner sind bestens bekannt. Genau wie die Gegend um Esslingen. Sarah Wachter kommt schließlich aus Remshalden-Grunbach, gleich in der Nachbarschaft. Das traditionelle Marktplatzturnier ist für sie "schon etwas Besonderes – ich bin zum ersten Mal selbst dabei“. Dass sie dort einmal in den Reihen des Topteams als potenzielle Stammkeeperin aufspielen würde, "damit hätte ich nicht gerechnet“.

Ziele für die Zukunft

Sie möchte irgendwann mal in der 1. Liga spielen und es vielleicht sogar in die A-Nationalmannschaft schaffen, "aber das ist eher unrealistisch“, sagte Wachter vor drei Jahren noch der "Waiblinger Kreiszeitung“. Heute geht es laut Pascal Morgant nur noch darum, "sie auch zur gestandenen Erstliga-Keeperin zu machen – sie wird ihren Weg gehen“.

Ob der tatsächlich auf mal in die A-Nationalmannschaft führt? Ihr Trainer hält es schon lange nicht mehr für unrealistisch: "Mit Lea Rühter zählt sie zu den zwei deutschen Toptalenten im Tor.“ Und bei aller Bescheidenheit – auch Sarah Wachter weiß mittlerweile, was sie kann: "Ich will mir in der Bundesliga einen Namen machen und hoffe, dass ich noch viel Potenzial besitze. Es geht noch einiges nach oben.“

Zum ersten Mal weg von zu Hause geht es für Wachter mit dem Schritt nach Neckarsulm auch. Ab September beginnt sie in Heilbronn BWL mit Unternehmensführung zu studieren. Ist mit Teamkollegin Lucija Zeba in eine Obereisesheimer WG gezogen. Viel Neues für eine 19-Jährige. Aber Sarah Wachter mag es ohnehin nicht, "wenn es langweilig wird“.

Zur Not hängt ja jetzt ein Hot-Dog-Kostüm im Kleiderschrank.

 

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