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Mehr Zeit fürs Training

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Manche Verletzungen scheinen einem Sportler etwas sagen zu wollen. Rudi Christiansen kennt Rückenschmerzen. Aber diesmal ist es zäh. "Ich bin gerade mehr bei Ärzten und Physiotherapeuten als in der Schule“, sagt der 18-jährige Heilbronner.

Extreme Anstrengung

"Meine Muskeln sind total gereizt.“ Weil gerade so viel an ihnen zerrt? Die Fahrstunden für den Führerschein? Die letzten Klassenarbeiten? Die Spiele beim Verbandsligisten TC Heilbronn am Trappensee als Nummer eins? Das Training

Es sind die Tage der Schlussstriche. Zwei Jahre lang ging es jeden Tag um 6.30 Uhr mit dem Zug nach Stuttgart, wo Rudi Christiansen die Cotta-Schule im Stadtteil Cannstatt besucht, die mit dem Olympiastützpunkt kooperiert. Seine Mutter Katja holte den Kaderspieler des Württembergischen Tennis-Bundes nach dem Training meist im Stützpunkt Stuttgart-Stammheim ab. Gegen 21 Uhr war das Talent dann wieder zu Hause. "Das ist brutal anstrengend“, sagt Rudi Christiansen. "Irgendwann kannst du das nicht mehr ertragen.“ 

Fokus auf Sport

Deshalb der Schlussstrich nach dieser Woche mit der Fachhochschulreife. Ein Schlussstrich, der ein Anfang sein soll. Ab sofort stehe Tennis im Vordergrund. "Aber die Schule fällt nicht weg. Ich wechsele an eine Fernschule nach Hamburg, wo ich ein gutes Abi machen will.“

Katja Christiansen nickt. "Das darf Rudi jetzt mal ein Jahr machen. Er jammert jeden Tag, dass er nicht genug trainieren kann. Er hat ja recht – und ich kann es nicht mehr hören.“ Allein durch die wegfallende Fahrerei zur Schule kann Rudi Christiansen deutlich mehr Zeit auf dem Tennisplatz verbringen, so seine Rechnung, in ein bis drei Jahren will er in der Weltrangliste dreistellig sein, so seine Hoffnung.

Die Klassenarbeiten sind (erst einmal) vorbei, ebenso die Schulbesuche (in ihrer bisherigen Form) und ganz bald auch die Besuche in der Fahrschule. "Für mich wird es eine totale Entlastung, wenn Rudi den Führerschein hat“, sagt seine bisherige Chauffeurin. Ihr Sohn glaube wirklich daran, es im Tennis schaffen zu können. Deshalb die Unterstützung. "Sonst heißt es in zehn Jahren, ihr seid schuld, dass ich es im Tennis nicht geschafft habe. Das geht nicht.“

Offene Zukunft

Vorbei ist auch die Saison beim TC Heilbronn. "Um Rudi zu halten, müssen wir aufsteigen“, hat Trainer Metehan Cebeci vor dem Start in die Verbandsliga-Saison gesagt. Am Sonntag wurde der Aufstieg in die Oberliga verspielt; auch weil Rudi Christiansen wegen seiner Rückenschmerzen nach ein paar gespielten Bällen aufgeben musste.

"Es ist super für uns, dass Rudi so einen Durchmarsch gemacht hat. Vor drei Jahren fing er als Nummer sechs an, jetzt ist er unsere Nummer eins“, sagt Mathieu Meyer. "Rudi hat sich gemacht. Und wir hoffen, dass er uns nächste Saison auch in der Verbandsliga weiter unterstützt.“ Genau das ist die Frage: Kommt auch hier ein Schlussstrich? "Es kann sein, dass ich trotzdem hier bleibe“, sagt Rudi Christiansen. "Auch in der Verbandsliga hast du gute Gegner. Und ich bin hier nun mal zu Hause.“ Doch zu allererst kämpft der junge Mann gerade mit seinen Schmerzen. Will sein Rücken Rudi Christiansen etwas sagen? 

 

 

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