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Kanu-Karriere beendet

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Dort, wo alles begonnen hat, endet es nun. Dieser Tage paddelte Felix Landes mal wieder in Neckarsulm auf dem Neckar. Das abtrainieren, was er sich über Jahre als Leistungssportler auftrainiert hat. Felix Landes hat mit gerade einmal 25 Jahren seine Kanu-Karriere beendet. "Ich kann noch Spaß am Paddeln haben“, sagt Felix Landes. Das war in den vergangenen Wochen nicht immer so. 

Zunächst motiviert

Mit großen Ambitionen ist der Mann von der Neckarsulmer Sport-Union in die Saison gestartet: "Ich habe mir gesagt, dieses Jahr probierst du es noch einmal, weil das Ziel Olympia 2020 bestand.“ Dafür trainierte er so viel und so gut wie nie zuvor, wie sein Mannheimer Heimtrainer Volker Lambeck sagt. Unter anderem auch in einem Trainingslager in Argentinien.

Die Ergebnisse aus vier Rennen (über 250, 500 und 1000 Meter) an zwei April-Terminen in Duisburg flossen in die deutsche Mittelstrecken-Rangliste 2019 ein. Diese diente wie jedes Jahr als Grundlage für die Zusammensetzung des Nationalkaders. Die Sportler auf den Rängen eins bis sieben, neun und zehn wurden in den Olympia-Perspektivkader berufen. Felix Landes als Achter? Ausgebootet per Trainerratsentscheid, was laut den Statuten ausdrücklich erlaubt ist. Andere Sportler, die hinter Landes landeten, erhielten vom Trainergremium den Vorzug

Warum? Erhellend könnten hierbei Aussagen von Jens Kahl sein. Doch der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes ließ Anfragen zur Thematik per Telefon und E-Mail unbeantwortet.

Aufmunterung

"Felix hätte wohl einfach noch ein bisschen besser sein müssen“, sagt sein Trainer Volker Lambeck, der den Ärger über die Nicht-Nominierung bei seinem Schützling natürlich nachvollziehen kann. "Meine Leistung war okay, mehr war nicht drin“, sagt Felix Landes, der ungläubig auf die Nominierungsliste blickte, als diese veröffentlicht war. "Ich habe mein Standing im Verband falsch eingeschätzt“, sagt Landes: "Zwei Mal war ich vor einem Doppel-Olympiasieger wie Marcus Groß. Da denkst du natürlich: Wenn sie den mitnehmen, dann müssen sie mich auch nominieren.“

Haben sie aber nicht. Seither herrschte Funkstille zwischen Verband und Landes. Viele aufmunternde Worte gab es von den Kollegen und Konkurrenten. "Aber am Ende ist man im Leistungssport dann halt doch Einzelkämpfer, muss es mit sich selbst ausmachen“, sagt Felix Landes. Über den Nationalkader und mögliche Weltcup-Einsätze wollte er sich verbessern, den Olympia-Kandidaten Druck machen. "Olympia wäre so oder so schwierig geworden“, sagt Landes.

Aber für einen Generationswechsel nach den Spielen von Tokio im nächsten Jahr wäre Landes durchaus ein Kandidat gewesen. "Eigentlich kann man es sich als Verband nicht leisten, dass jemand wie Felix seine Karriere beendet“, sagt Volker Lambeck, sein Trainer. Trotz der vielen Erfolge bei Weltcups, Weltmeisterschaften und auch nächstes Jahr bei Olympia. Aus Verbandssicht gilt: Wer Medaillen hamstert, der lag bei der Auswahl der Athleten nicht völlig daneben.

Schwerer Weg

Eine Karrierefortsetzung ist für Landes ohne Zugehörigkeit zum Nationalkader nicht möglich. "Das deutsche Sportsystem macht es einem schwer, wenn man nicht auf Olympiasieger-Niveau unterwegs ist“, sagt Felix Landes. Wer sich im Grenzbereich und Dunstkreis des Nationalkaders bewegt, der sollte als Sportler besser abgesichert sein, das sieht auch Volker Lambeck so.

Dieser Tage stehen für Landes die letzten Prüfungen in Betriebswirtschaftslehre an. Den Bachelor-Abschluss hat er dann mit 25 Jahren in der Tasche. Ein alter Spruch unter Leistungssportlern gehe wie folgt, sagt Landes: "Irgendetwas geht immer den Bach herunter. Entweder das Studium oder der Sport.“ Während die Kanu-Konkurenz zumeist pro forma studiere, hat der Oedheimer sein Studium tatsächlich aktiv vorangetrieben, was bei den DKV-Oberen wohl nicht für Begeisterung sorgte.

Dazu trainierte Landes in Mannheim weit weg von den Leistungszentren wie dem Olympiastützpunkt Brandenburg in Potsdam. Der Landesverband Baden-Württemberg verfügt wohl zudem nicht über die allergrößte Hausmacht. Künftig liegt der Fokus auf einem möglichen Master-Studium oder dem Einstieg ins Berufsleben. "Ich hätte ihm ein schöneres Karriereende gewünscht“, sagt Ilona Müller, Jugendleiterin bei der Neckarsulmer Sport-Union. Sie hofft darauf, dass Felix Landes auch in Zukunft in Neckarsulm paddelt. Vielleicht als Jugend-Trainer

 

 

 

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